Unverpackt-Laden für die Goldküste

Auf das besondere Ereignis angestossen haben die Gäste selbstverständlich mit selber mitgebrachten Trinkgläsern – Wegwerf-Plastikbecher hingegen wären völlig daneben gewesen: In Küsnacht ist der erste Unverpackt-Laden des Bezirks Meilen aufgegangen.

 

Arthur Schäppi

Die Gurke in Plastik eingeschweisst, die Tomaten im Plastiksäcklein abgewogen, Reis im Kartonpäckli oder Ravioli in der Konservenbüchse: Wer bei den grossen Detailhändlern einkauft, kommt um verpackte Lebensmittel kaum herum. Um fast alles wird eine zweite Haut gestülpt – die dann nach dem Verbrauch und Verzehr im Müll landet. Dass es auch anders geht, beweisen die bislang noch eher raren Unverpackt-Läden, wie es sie im Kanton Zürich etwa in Zürich, Winterthur, Bülach, Uster oder Rüti gibt. Jetzt ist auch an der Goldküste ein solches Verkaufslokal, welches das Zero-Waste-Prinzip, die Vermeidung von Abfall also, zum Geschäftsmodell erhoben hat, hinzugekommen: der Kreisladen an der Unteren Heslibachstrasse 19 in Küsnacht, nahe der reformierten Kirche. Geschäftsinhaberin Mariska Wieland (54) hat sich damit «einen Traum erfüllt». Und manch umweltbewussten KonsumentInnen vom rechten Seeufer wohl einen grossen Wunsch, wie der enorme Kundenandrang bei der Eröffnung am letzten Samstag vermuten lässt.

Die gebürtige Holländerin ist seit dreissig Jahren im Detailhandel tätig und kennt den Verpackungsirrsinn der Branche nur zu gut. Dem will sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten zusammen mit ihren KundInnen entgegenwirken. Um Abfall und Ressourcenverschleiss zu vermeiden, setzt sie wie andere Läden dieser Art auf Offenverkauf: Teigwaren, Bohnen, Reis, Getreide, Zucker, Mandeln, Nüsse, Guetzli und Schokolade kann man etwa aus Glas-Binsen abfüllen und Öl und Essig aus Grossgebinden: in selber mitgebrachte Flaschen, Tupperware oder Jutebeuteln. Bezahlt wird nach Gewicht. Zum Fixpreis in Gläsern gibt es auch Milch, Joghurt oder Tofu. Damit die Kundschaft «nachhaltig poschte» kann – wie es auf der Ladenvitrine heisst –, werden vor allem in der näheren Region produzierte Lebensmittel und solche in Bio-Qualität angeboten. Wieland, die auch privat Abfälle möglichst vermeidet, hofft, dass ihr Geschäft auch zu einem Ort des Austauschs zwischen Menschen, die an Zero Waste interessiert sind, wird. Ihr Laden dürfte indes nicht der einzige dieser Art an der Goldküste bleiben. In Stäfa will der Verein Ganzohni im kommenden Frühling ebenfalls einen Unverpackt-Laden eröffnen. Das Startkapital von 100 000 Franken ist dank Crowd­funding bereits beisammen. Und geeignete Räumlichkeiten hat man auch schon in Aussicht. «Entsprechende Verhandlungen stehen unmittelbar vor dem Abschluss», sagt dazu Vereinspräsident Michael Knecht.

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