«Unsere breit abgestützte Volksschule ist etwas Grossartiges!»

Ursula Sintzel (SP) kandidiert für das Schulpräsidium des Schulkreises Letzi. Weshalb sie das Engagement für die Volksschule als sinnstiftend empfindet und wie sie die anstehenden Herausforderungen mit einem offenen Ohr angehen möchte, erzählt sie im Gespräch mit Roxane Steiger.  

 

Weshalb wollen Sie Schulpräsidentin werden – was motiviert Sie dazu, sich dieses strenge Amt anzutun? 

Ursula Sintzel: Ich engagiere mich schon seit über 13 Jahren für die Volksschule. Seit der Einschulung meiner Kinder bin ich in der Elternmitwirkung tätig. Gemeinsam mit anderen Eltern haben wir auf städtischer sowie auf Kreisebene Elternvernetzungsstrukturen aufgebaut. Vor dreieinhalb Jahren bin ich dann in die Kreisschulbehörde gewählt worden. Durch die vermittelnde Funktion in der Elternvertretung und die Aufsichtstätigkeit in der Behörde habe ich einen vertieften Einblick in verschiedene Bereiche des Schulsystems gewinnen können.

Und ich muss sagen: Unsere breit abgestützte Volksschule finde ich etwas Grossartiges. Das müssen wir uns unbedingt erhalten. Für die Gesellschaft, aber auch für die Arbeitswelt ist es extrem wichtig, dass wir eine Schule haben, in der die Kinder lernen, mit der grossen Vielfalt von Menschen, Sprachen, Kulturen und Religionen umzugehen. Deshalb empfinde ich das Engagement für die Volksschule als sehr sinnvoll.

 

Die Kreisschulbehörden sind unter anderem verantwortlich für die Qualität der Schule und gewährleisten einen gut funktionierenden Schulbetrieb sowie die Erfüllung des schulischen Auftrages. Welche besonderen Fähigkeiten und Qualifikationen bringen Sie mit, um diese vielfältigen Aufgaben adäquat zu lösen? 

Beruflich arbeite ich seit 18 Jahren als selbstständige Anwältin für Familien- und Sozialversicherungsrecht und führe eine eigene Kanzlei. Dazu kommen verschiedene nebenberufliche Tätigkeiten, bei denen ich leitende Funktionen habe – unter anderem das Präsidium des Elternkontaktgremiums der Stadt Zürich und aktuell das Vizepräsidium einer Pflegewohngruppe.
Insbesondere durch mein langjähriges Engagement in der Schule kenne ich die Abläufe und Strukturen des Schulsystems und vor allem auch die Menschen, die unsere Volksschule ausmachen. Ich kenne die Anliegen der Eltern, aber auch die der Lehr- und Betreuungspersonen sowie der Schulleitungen. Auch in schwierigen Situationen Vertrauen auszustrahlen und gemeinsam gute Lösungen zu finden, ist eine wichtige Aufgabe als Schulpräsidentin.

 

Welches waren in der laufenden Legislatur die grössten Herausforderungen für die Kreisschulbehörde in Ihrem Schulkreis? Angenommen, Sie wären bereits Schulpräsidentin: Wie hätten Sie diese Herausforderungen gemeistert? 

Es ist wohl die Kombination von verschiedenen Herausforderungen, die sich teilweise gegenseitig verstärkt haben: So sind im Schulkreis Letzi in den letzten Jahren die SchülerInnenzahlen stark gestiegen. Die Schulraumplanung konnte mit dem Wachstum aber nicht im gleichen Tempo Schritt halten.

In den letzten Jahren verfolgte die Volksschule zudem den Ansatz der integrierten Förderung. Das bringt mit sich, dass die Spanne der Niveauunterschiede innerhalb einer Klasse grösser geworden ist und man zusätzliche Lehrpersonen oder auch HeilpädagogInnen braucht, um die Kinder jeden Tag auf ihrem individuellen Niveau abzuholen. Sowohl die Zunahme an Schülerinnen und Schülern wie auch die integrierte Förderung verursachen einen zusätzlichen Bedarf an Lehrpersonen und HeilpädagogInnen – oft war es aber schwierig, Stellen zu besetzen, weil auf gewissen Stufen ein grosser Mangel besteht.

Ich hätte diese Herausforderungen gemeistert, indem ich einen engen Austausch mit den MitarbeiterInnen, den Eltern und der Politik gepflegt hätte, um so gemeinsam gute Lösungen zu finden. Bei all den Veränderungen in der Schule ist es wichtig, dass man die Leute mitnimmt und ihre Sorgen ernst nimmt. Gleichzeitig ist es mir aber sehr wichtig, die Kinder nicht aus den Augen zu verlieren, denn im Mittelpunkt jeder Entwicklung müssen die Bedürfnisse unserer SchülerInnen stehen. 

 

Worin sehen Sie die grössten Herausforderungen, die es in den kommenden fünf Jahren in Ihrem Schulkreis zu bewältigen gilt, und wie packen Sie sie an?

Die bereits genannten Herausforderungen werden unseren Schulkreis weiter beschäftigen. Grosse Sorgen bereitet mir der LehrerInnenmangel. Der LehrerInnenberuf muss in Zukunft attraktiver gestaltet werden und braucht wieder ein grösseres gesellschaftliches Ansehen. Als Arbeitgeberin hat die Schule die Verantwortung, die Lehrpersonen in schwierigen Situationen zu unterstützen und zu begleiten, damit sie ihren Beruf engagiert ausüben können und mit den Kindern in einer guten Beziehung stehen. 

Ganz aktuell ist auch die Digitalisierung, die durch die Schulschliessungen und den Fernunterricht einen wahnsinnigen Schub erlebt hat. Hier trägt die Volksschule eine grosse Verantwortung und darf sich der Entwicklung nicht verschliessen. Der Fokus sollte aus meiner Sicht auf einem verantwortungsbewussten Umgang mit der digitalen Welt liegen. Die Aufgaben der Schulpräsidentin sehe ich auch da­rin, weit- und umsichtig zu planen, die entsprechenden organisatorischen Strukturen aufzubauen und diese wenn nötig anzupassen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man diese Herausforderungen nur gemeinsam mit den Eltern und den Lehr- und Betreuungspersonen lösen kann. Gerade wenn es um die Schulraumplanung geht, ist es auch entscheidend, die Anliegen der Quartierbevölkerung ernst zu nehmen. Ich freue mich sehr über viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung und würde mich über die Wahl und das damit verbundene Vertrauen sehr freuen.

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