Universell

Die Hochzeit der Pantomime ist vorüber, wohingegen die Ausdruckskraft der Geste sträflich unterschätzt wird.

 

Marcel Marceau (1923 – 2007) war der Grandseigneur der Pantomime. Seine Figur Pip war ein Weltstar. Die Faszination für ein künstlerisches Erzählen, wie es weltweite Scharen von Publikum zu verzaubern mag, ist heute vielleicht noch «Mummenschanz» möglich. In der Kleinkunst oder gar den riesigen Sälen, die Marcel Marceau noch mit Leichtigkeit mit Publikum zu füllen vermochte, stehen Pantomimen aber auf verlorenem Posten. Maurizius Staerkle Drux ist mit einem gehörlosen Vater aufgewachsen und von daher mit dem Zusammenhang von Geste, Mimik und Ausdruck vertraut. Marcel Marceau kannte er nur vom Hörensagen und begriff, gemäss eigenen Angaben erst im Erwachsenenalter, woraus die Poesie der Pantomime besteht und wie weitreichend, detailliert und eindringlich ihre Erzählungen eine Fantasie beflügeln und beglücken können. Dass sie viel mehr ist als nur ein Spass. Aus Archivaufnahmen, Gesprächen mit seiner langjährigen Lebensgefährtin und den gemeinsamen Kindern, aber auch mit heute alten Männern, die davon erzählen können, wie sie mit Marcel Marceau während des Zweiten Weltkrieges jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln halfen, und Einschätzungen des gehörlosen Vaters, wie stark die Geste, auch die unterbewusste, eine Reichhaltigkeit der Kommunikation also auch des Lebens darstellt. Aber auch die Last der Erwartung mit einem solch berühmten Vorfahren kommt zur Sprache, ebenso wie die Schwierigkeit, als Kind die Aufmerksamkeit des Vaters mit seiner beruflichen Verpflichtung, weltweit ein Publikum zu verzaubern, teilen zu müssen und wie schwierig es sein kann, auf Distanz einen Frieden damit zu finden. «L’art du silence» schafft es, in unserer lärmig-hektischen Gewohnheitswelt ein Erinnern zu wecken, das ihr Gegenteil nicht automatisch Kontemplation meint, sondern aufmerksame Achtsamkeit. Vergleichbar mit kindlich empfundenem Zauber für das kleinste Detail.

 

«L’art du silence» spielt im Kino Kosmos.

 

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