- Im Kino
Und basta
Der Film erhält nunmal keine Vorführgenehmigung und basta. Wenn einer wie Bahman (Bahram Ark) unbedingt Wert darauf legt, eine Begründung dafür erhalten zu wollen, kann er die natürlich bekommen. Inwiefern sie stichhaltig oder gar frei von Widersprüchen ausfällt, bringt einen nur wieder zurück zur Ausgangsfrage. Also brauchts einfach einen Spielort für ein Flashmob-Screening. Dass der Weg dahin erst tatsächlich illegale Massnahmen notwendig macht, interessiert wiederum niemanden. Klar ist: Die Produzentin und Partnerin Sadaf (Sadarf Asgari) muss ihrer blauen Haare wegen draussen bleiben, denn es gilt bekanntlich, jedwede potenzielle Störung eines Ordnungsgefühls von vornherein auszuschliessen. Jetzt ist dieser Bahram in Ali Asgaris «Divine Comedy» ein landesweite Berühmtheit, deren Ruf sich sogar der Exponent einer der zahllosen Geheimdienste im Iran gerne als persönlich bekannt selbst ans Revers stecken würde, wäre dieser Bahram doch bloss einsichtiger. Worums im Film im Film eigentlich ginge, bleibt bis zuletzt unerwähnt, weil es darum in der Darstellung der Auswüchse von Willkür letztlich gar nicht geht. Wer ihm wieso helfend beisteht, wer ihn weshalb schimpfend der Tür verweist, ist genauso zweitrangig. Was indes zählt, ist der unbedingte Durchhaltewille. Weil nur das ewiggleichbleibende Bemühen eventuell zu einem x-beliebigen Zeitpunkt auf eine minimale Lücke trifft, in der die Möglichkeiten exakt entgegengesetzt komplett grenzenlos erscheinen. Also für den Moment, jetzt grad, hier. Ein Problem von «Divine Comedy» ist, dass die Thematik sogar von Ali Asgari selbst bereits früher in sehr viel ausgeprägt absurderer Form verhandelt worden ist und dass sich die Nuancierungen in einem solchen Mikrobereich bewegen, dass ein Publikum mit dem Wesen der Willkür besser bereits vertraut ist. Der allseitig dominierende Jahrmarkt der Eitelkeiten, das wird sonnenklar, eröffnet für irgendein Ansinnen mehr Falltüren als Wege.
«Divine Comedy» spielt im Kino Piccadilly.