- Stadt Zürich
Umverteilung per Dauerauftrag
Wie hilft Inaya Menschen in prekären Lebenslagen?
Laura: Es ist sehr unterschiedlich. Wenn Menschen auf Inaya zukommen oder um Unterstützung anfragen, versuchen wir zunächst, die Situation der Person anzuschauen. Also: Was braucht sie? Geht es zum Beispiel darum, eine Wohnung zu suchen, weil sie von einer Kündigung betroffen ist? Geht es darum, Kinderhortkosten zu bezahlen, die beispielsweise von einer alleinerziehenden Mutter nicht gestemmt werden können? Menschen, die sich bei uns melden, sind oft in multifaktoriell prekären Lebenslagen – deshalb ist es auch zentral, immer die individuellen Bedürfnisse anzuschauen.
Viele Zürcher:innen kennen das Kollektiv von den Solidaritätskalendern, die es immer zur Jahreswende gegeben hat. Jetzt sammelt ihr Daueraufträge. Wieso diese neue Kampagnenform?
Hannah: Die Kalender waren eine gute Möglichkeit, Inaya unter die Leute zu bringen. Sie funktionieren auch als effektive Spendensammelaktionen. Leute kaufen gerne Soli-Produkte und generell Dinge, die schön anzuschauen sind. In dieser neuen Kampagne gehen wir das Ziel von Inaya, die Umverteilung, etwas anders an. Wir hoffen, dass Menschen nicht nur spenden, wenn es etwas dafür gibt. Es geht darum, darauf aufmerksam zu machen, dass Leute, die genug haben, andere Personen in schwierigeren Lagen langfristig unterstützen können. Dass wir auf Daueraufträge zielen, ist eigentlich auch nichts Neues, das war schon von Beginn weg die Hauptidee – schliesslich geht es um Planungssicherheit für betroffene Personen, und die wird mittels regelmässiger Spenden eher erreicht.
Laura: Und es geht auch um Sensibilisierung. Wir müssen es nicht schönreden, dass auch in dieser Konstellation ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen den geldgebenden und den geldbeziehenden Personen herrscht. Unser Anliegen ist es, innerhalb dessen möglichst viel Autonomie schaffen zu können. Und das ist eher möglich mit langfristiger Unterstützung. Die Idee hinter der Gründung von Inaya als Struktur war letztendlich die Umverteilung von oben nach unten. Natürlich ist uns bewusst, dass das nicht die Realität ist, in der wir uns gerade bewegen. Es sind nicht die superreichen Geldgeber:innen, die wir mit dem Projekt erreichen. Aber als Teil der Umverteilung verstehe ich auch generelle regelmässige Unterstützung von Menschen, die finanziell in schwierigeren Lagen sind.
Wie funktioniert der Ablauf bei Inaya? Einerseits, wenn Menschen auf euch zukommen, die unterstützen wollen, andererseits, wenn Unterstützung benötigt wird?
Laura: Wer spenden will, macht das in der Regel einfach direkt über die Bankverbindung auf der Website. Weiter gibt es auch Menschen, die nicht finanziell unterstützen – sondern zum Beispiel ein Zimmer anbieten. In diesem Fall nehmen wir den Kontakt auf und besprechen, was dafür alles gemacht bzw. abgeklärt werden müsste. Wenn jemand Unterstützung benötigt, werden wir meistens per E-Mail kontaktiert mit einer Anfrage dazu, was die Person benötigt. Und wenn Geld vorhanden ist, dann wird es unkompliziert verteilt.
Von was für Beträgen reden wir hier – erfahrungsgemäss – durchschnittlich?
Hannah: Das ist ganz unterschiedlich. Aber häufig zahlen wir ÖV-Billete, Anteile der Krankenkassenrechnung oder Miete. Dann sind es vielleicht 300 Franken pro Monat, die die betroffene Person regelmässig von Inaya erhalten. Es gibt aber auch Personen, die weniger Möglichkeiten haben, an Geld zu kommen oder Personen, die davon leben müssen – dort sind die Daueraufträge höher. Es kommt wirklich auf die individuelle Person an – wir helfen mit sowohl kleinen, alltäglichen wie auch mit überlebenswichtigen Beträgen.
Wie werden Leute, die Unterstützung benötigen, auf euch aufmerksam?
Hannah: Einerseits verweisen andere Stellen, die niederschwelligen Zugang zu Hilfsangeboten anbieten, auf uns – NGOs, unabhängige Anlaufstellen usw. Das geht auch in beide Richtungen – wenn sich jemand bei Inaya meldet mit einem Anliegen, bei dem wir nicht wirklich helfen können, verweisen wir schliesslich auch auf andere Organisationen, die vielleicht helfen können. Weiter spricht es sich natürlich auch bei den unterstützten Personen herum.
Laura: Als Beispiel wären etwa unentgeltliche Rechtshilfestrukturen für geflüchtete Menschen zu nennen. Gerade in diesem Bereich gibt es zwar sehr viele Menschen, die unter sehr prekären Bedingungen leben, aber gleichzeitig existieren wenig Anlaufstellen – womit auch oft letztendlich bei Inaya um Unterstützung angefragt wird. Für (gender)queere geflüchtete Menschen und geflüchtete Frauen ist es oft noch schwerer, an diese Angebote und Anlaufstellen heranzukommen oder sich in diesen Räumen zu bewegen. Ausserdem fehlt es auch an spezialisierten Anlaufstellen für Personen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, z.B. aufgrund ihres Aufenthaltsstatus und ihrer Geschlechtsidentität. Das ist eigentlich auch die Idee hinter Inaya: Eine Struktur aufzubauen, um dort zu unterstützen, wo die Institutionen versagen.
Mehr Infos hier:
www.inayasolizh.zahls.ch