Überdreht

«Lesbian Space Princess» ist eine selbstironisch schrille Empowermentanleitung.

Saira ist die Prinzessin des Lesbenwunderlands Clitopolis, die im Schatten der Strahlkraft, Beliebtheit und Selbstsicherheit ihrer Königinnenmütter Lianne und Annie aber verkümmert. Gefühle des Nichtgenügens, sei es bezüglich Begabungen, der Äusserlichkeiten, des eigentlichen Naturells zerfressen sie, bis sie in ihrer ersten Freundin, der Amazone Kiki, erstmals endlich die Erfüllung ihrer kühnsten Träume wittert. Auf Wolke sieben drehen sich all ihre Gedanken und Empfindungen nur noch um Kiki. Der langjährig eingeübte Selbstwert, eben überhaupt keinen zu haben, stellt sich aber als wirkmächtiger Querulant heraus. Sairas Unsicherheit und Unselbstständigkeit gehen Kiki schnell einmal auf die Nerven und überhaupt, es wimmelt ja von Alternativen, mit denen mindestens genauso viel Spass zu erleben ist wie mit diesem Mauerblümchen. Schluss, aus, Amen. Sairas Herzschmerz flutet mit ihren Tränen ihr Kinderzimmer und droht, gar die gesamte Bubble Clitopolis unter Wasser zu setzen, als sich die Straight White Maliens in erpresserischer Absicht bei Saira melden. Sie hätten Kiki entführt und verlangten die sagenumwoben kraftvolle Labrys (Doppelaxt), in der sich sämtliche irdischen und überirdischen weiblichen Kräfte der Prinzessin von Clitopolis versammelten. Sobald diese in ihrem Besitz wäre, so stellen es sich die zweidimensionalen Strichfigürenmänner vor, würden ihnen endlich auch Frauenherzen zufliegen. Saira muss die gefährliche Reise aus der Bubble auf sich nehmen, um Kiki zu retten. Auf ihrer Reise in einem mansplainenden Raumschiff trifft sie zickig-egozentrische Dragqueens, muss gegen eine Sperma speiende Orbitobrigkeitsmaschinerie bestehen und lernt erkennen, dass sie bei Licht betrachtet eigentlich voll o.k. ist. Der Animationsfilm von Emma Hough Hobbs und Leela Varghese ist voll drüber, aber auch wahnsinnig lustig. Diese kluge Kitsch-Klischee-Kanone ballert die Pointen, Anspielungen und Ermahnungen in den schrillsten Bögen in alle Richtungen.

«Lesbian Space Princess» spielt im Kino RiffRaff.