Am Montagabend feierten mehrere Dutzend StadtpolizistInnen an der Langstrasse die Pensionierung eines Arbeitskollegen. Inzwischen laufen interne Abklärungen.

 

Kurz vor 23 Uhr vergangenen Montag war die Langstrasse voll mit über einem Dutzend Kastenwagen, Polizeiautos und mindestens einem gepanzerten Duro-Wagen. Die PolizistInnen in den Autos waren alle in Vollmontur. Privatautos, die vom Helvetiaplatz die Langstrasse entlang in Richtung Kreuzung Militärstrasse fahren wollten, wurden kurzzeitig blockiert. Einige PassantInnen und AnwohnerInnen zückten ihr Smartphone und filmten den Konvoi. Für einen Moment sah der Kreis 4 aus wie besetztes Gebiet. Was war passiert?

 

Wie sich auf Anfrage von P.S. herausstellt, handelte es sich bei dem Grossaufgebot nicht um einen Einsatz, eine Razzia oder eine Übung, sondern um eine Abschiedsfeier für einen frischpensionierten Polizisten. «Der Konvoi ist Teil eines Abschiedsgeschenks, das die PolizistInnen einem langjährigen Arbeitskollegen gemacht haben», heisst es bei der Medienstelle der Stadtpolizei. Der Polizist sei nach über 30 Dienstjahren pensioniert worden. Er habe aber keine Kaderstelle bekleidet. 

 

Brisant: Wie die Medienstelle auf Nachfrage gegenüber P.S. bestätigt, hätten alle beteiligten PolizistInnen auf Arbeitszeit an der Abschiedsfahrt durch die Langstrasse teilgenommen. «Sie haben den Montagabend bewusst ausgewählt, weil dann auch am wenigsten Einsätze anfallen.» Mit der Annahme, dass pro Fahrzeug mindestens zwei PolizistInnen unterwegs waren, kann man davon ausgehen,  dass rund 30 PolizistInnen an diesem Montagabend die Langstrasse entlangfuhren. Die PolizistInnen seien aber jederzeit bereit gewesen, wenn ein Notfall angestanden wäre, versichert die Medienstelle. 

 

Ist eine solche Spritztour auf Kosten der SteuerzahlerInnen überhaupt erlaubt? Und was sagt die Episode über das Selbstverständnis der beteiligten PolizistInnen aus, dass sie die Pensionierung eines Arbeitskollegen mit einer gefühlten Machtdemonstration an einem sozialen Brennpunkt der Stadt feiern? 

 

Zumindest erste Frage lässt sich beantworten: Nein. Gemäss Auslagenreglement der Stadt Zürich darf für die Feier der Pensionierung eines normalen Mitarbeiters ein Apéro und eine Mahlzeit für maximal 15 Personen durchgeführt werden. «Zusätzlich kann eine Karte mit Blumenschmuck oder Naturalpräsent ausgerichtet werden.» Die Personal-, Material- und Benzinkosten sowie die Zulagen für Nachtarbeit für den Ausflug an die Langstrasse dürften die zulässigen 80 Franken pro Person deutlich überschreiten.

 

Beim Sicherheitsdepartement sei man über die Vorkommnisse informiert, bestätigt Mediensprecher Robert Soos. Die Verantwortung liege bei der Polizeiführung, die Sache genauer abzuklären. 

 

Das scheint auch zu geschehen: Die Feier sei klar überdimensioniert gewesen. «Inzwischen laufen bei uns interne Abklärungen und wir erarbeiten Richtlinien für die Zukunft», heisst es bei der Medienstelle. Vielleicht feiert die nächste Stadtpolizistin also ihre Pensionierung wie alle anderen Angestellten der Stadt – bei einem Apéro im kleinen Kreis und einem Blumenstrauss.

 

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