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Über Befindlichkeiten

Menschen werden bei ihren Entscheidungen eher von ihrer Befindlichkeit und von Emotionen geprägt als vom Verstand. Gekauft. Wissen wir längst. Aber im Moment übertreibt man es ein bisschen damit.

Wie es wäre

Nur langsam, ganz langsam beruhigte ich mich. Dann gingen die Sirenen los. 

Safe Space

Kürzlich besuchte ich ein Konzert in einem sehr kleinen Club in einer grösseren Schweizer Stadt. Ein rundum sympathischer Anlass. Der Eintritt war gratis (es wurde eine Kollekte gesammelt), und statt eines Türstehers stand am Eingang eine junge Frau, die mir das Awareness-Konzept des Lokals erklärte: Alle sollen sich so benehmen, dass sich die anderen wohlfühlen; wer sich durch das Verhalten einer anderen Person bedrängt oder belästigt fühlt, kann sich an die Leute an der Bar oder an der Tür wenden, die dann eingreifen.

Schnauze voll

Das neue Jahr war grad mal fünf Tage alt, und schon wurde die dümmste Schlagzeile 2024 gedruckt: diejenige von der Jugend, die den grössten ökologischen Fussabdruck habe.

Vom Festtagsbraten

Die Sonntagsverkäufe sind abgehakt, die Konsumorgie namens Advent liegt für ein Jahr hinter uns, die Verkäuferinnen können durchatmen. Nun noch schnell das Feiertagsfilet verputzen, dreimal rülpsen, die Päckli auswickeln und das Fitnessabo erneuern.

So ein Kind

Ich habe so ein Kind. Jedenfalls denke ich das manchmal. So ein Kind, das vielleicht einmal angeben wird, sich stark belastet zu fühlen. Eines der Kinder, das seine Gefühlslage als mittelmässig bis schlecht beschreiben wird, Anzeichen einer Angststörung oder Depression aufweist und also zu der «ängstlichen Generation» gehört, die gemäss der jüngsten Ergebnisse der Stadtzürcher Schülerinnen- und Schülerbefragung heranwächst.

Die schöne Kunst des Swipens

In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Kennenlernen von Menschen zwecks paarweiser Aktivitäten stark verändert. Zwar können wir einander immer noch in einer Bar oder an einem Fest anflirten, bei der Arbeit oder durch die Hand einer Heiratsvermittlerin kennenlernen, doch die Online-Angebote – von den Chaträumen der 90er- und 00er-Jahre über Inseratemärkte und ‹klassische› Partnervermittlungsplattformen bis zur Wisch-App – haben quasi ein neues Dating-Universum erschlossen. 

Mangellage

Eigentlich liegen alle Karten schon lange auf dem Tisch. Die fossilen Energien haben hierzulande ausgespielt, ihr Ende ist nur noch eine Frage einiger Jahre, AKW sind und bleiben weder erneuerbar noch ökonomisch noch im Moment politisch durchsetzbar, es fehlt an Winterstrom, und es gibt eine Reihe von Rezepten, wie man Abhilfe schaffen könnte.

Faszination Mann

Ich bin fasziniert. Und ich schwöre, ich meine es nicht ironisch. Fasziniert ob dieser männlichen Fähigkeit, sich zu allem berufen zu fühlen. Ob diesem tief verankerten, tief verwurzelten, auch selbstverständlichen Gefühl der Omnikompetenz.

Tun, als ob

Nach den Wahlen durfte ich an einer Befragung im Rahmen des Nationalfondsprojekts «Direkte Demokratie Schweiz im 21. Jahrhundert» (DDS21) teilnehmen. Es untersucht die Meinungsbildung in politischen Fragen: «Wie wirkt politische Werbung auf die einzelnen Stimmbürgerinnen? Welche Botschaften werden Ihnen wo zugespielt und wie bewerten Sie diese?» Der Online-Fragebogen machte mir richtig Spass: Ich konnte mich selbst meiner Belesenheit rühmen und ungehemmt meiner Ideologie frönen.