Der Zürcher Gemeinderat überwies ein Postulat für grüne Schattendächer, diskutierte über den Standort des Provisoriums fürs GZ Witikon und stritt über Klimaziele im Schulunterricht.

 

Um Hitzeminderung ging es diese Woche nicht nur am Turbinenplatz (siehe Seiten 14 und 15), sondern auch an der Sitzung des Zürcher Gemeinderats vom Mittwochabend: Mit einem Postulat verlangten Sebastian Vogel und Martina Zürcher (beide FDP) «grossflächige, grüne Schattendächer bei städtischen Bauprojekten». Sebastian Vogel sprach davon, dass Grünräume «ein grosses Plus» für Zürich seien, denen es Sorge zu tragen gelte. Als Beispiel nannte er den MFO-Park in Oerlikon, wo sich Kletterpflanzen an einer Stahlkonstruktion mit Rankhilfen aus Stahlseilen emporschlingen und ein grünes Dach bilden, unter dem man auf Bänken bequem im Schatten sitzen kann. Solche Dächer seien eine gute Sache, vor allem, wenn sie begehbar seien, pflichtete ihm Jean-Marc Jung (SVP) bei und schwärmte vom Dachgarten der Galeries Lafayette in Paris. Doch eigentlich hatte er das Wort ergriffen, um den Ablehnungsantrag seiner Fraktion zu begründen: Auch für solche Begrünung brauche es geeigneten Untergrund, es brauche Gärtner, die sie pflegten, und in heissen Sommern müsse man sie bewässern.

 

Brigitte Fürer (Grüne) sagte, Schattendächer und Pergolas könnten nur «Ultima Ratio» sein: «Bäume sind ökonomisch und ökologisch die beste Wahl.» Der MFO-Park sei zudem «einmalig» und lasse sich nicht einfach adaptieren, auch wenn kurz vor Einreichung des Postulats alle mit Infos von einem Gerüstbauer bedient worden seien, der solche Pergolas vorgeschlagen habe… Die Fachplanung Hitzeminderung sei für die Verwaltung bereits verbindlich, das Postulat brauche es eigentlich nicht. Es schade aber auch nicht, weshalb die Grünen zustimmten. Sofia Karakostas (SP) verwies ebenfalls auf die Fachplanung Hitzeminderung und pflichtete Brigitte Fürer bei, dass mehr Grünflächen und vor allem Bäume die beste Lösung seien. Es gebe aber auch dichter bebaute Gebiete, wo es wenig Bäume, keine Parks und generell einen Mangel an Freiflächen habe. Die SP unterstütze das Postulat, verlange aber eine Ergänzung: Zusätzlich zu Schattendächern sollten auch noch Blumentürme als Alternative erwähnt sein. Diese Textänderung nehme die FDP gerne an, erklärte Martina Zürcher. Beat Oberholzer (GLP) befand ebenfalls, es brauche vor allem «grosskronige Bäume». Doch solche Gerüste könnten je nach Situation passen, und sie seien «mindestens so gut wie Alto Zürrus». Mit 95:14 Stimmen (der SVP) überwies der Rat das Postulat.

 

Platz für GZ-Provisorium gesucht

Mit einer Motion verlangten Balz Bürgisser (Grüne) und Ivo Bieri (SP) die Umzonung der Parzelle, auf der sich das Areal der alten Buswendeschleife Berghalde befindet, von der Zone W3 in eine Freihaltezone für Parkanlagen und Plätze. Balz Bürgisser erklärte, auf jedem Areal stehe der «besinnlichste Brunnen» der Stadt und daneben ein besonderer Apfelbaum, der die seltene Sorte «Witiker Chüechliäpfel» trage. Die Buswendeschleife sei von 1931 bis 1971 die Wendeschleife des 31ers gewesen und werde heute nur noch in Notfällen genutzt. Dafür befinde sich dort nun ein Quartierpark samt Spielgeräten, Schach und Feuerstelle, der am vergangenen 7. Mai mit einem «gediegenen Fest» eingeweiht worden sei und der «rege genutzt» werde. Doch über diesem schönen Park hänge ein «Damoklesschwert»: Er sei bedroht, weil das Provisorium fürs Gemeinschaftszentrum (GZ) Witikon dorthin kommen solle. Der Mietvertrag des GZ laufe 2025 aus. Zwar sei im alten Schulhaus, das durch einen Erweiterungsbau ergänzt werde, eine neue Bleibe gefunden worden, sie stehe jedoch nicht rechtzeitig zur Verfügung. Deshalb brauche es ein Provisorium, sagte Balz Bürgisser, doch dieses dürfe keinesfalls auf das Areal Berghalde zu stehen kommen.

 

Hochbauvorsteher André Odermatt wusste den «Werbespot fürs schöne Quartier Witikon» zwar zu schätzen, erklärte aber, der Stadtrat lehne die Motion ab, würde sie aber als Postulat entgegennehmen. Der Park sei wichtig für Witikon und am richtigen Ort, doch ein dreijähriges Provisorium würde er noch nicht als «Bedrohung» wahrnehmen. Man sollte sich aber keine Möglichkeit verbauen: «Ein Quartier Witikon ohne GZ wäre kaum im Sinne der Motionäre.» Deshalb sei es am sinnvollsten, die Zonierung vorerst nicht anzutasten.

 

Ann-Catherine Nabholz (GLP) erinnerte daran, dass 2019 eine Motion eingereicht worden sei, die den Bau eines GZ in der Buswendeschlaufe Berghalde gefordert habe. Diese habe im Januar 2021 im Rat eine Mehrheit gefunden. Die GLP habe sich damals auf den Standpunkt gestellt, ein neuer Ort fürs GZ müsse unbedingt geprüft werden, aber sicher nicht an der Berghalde. Als Alternativstandort hätten die Grünliberalen die Dreifachturnhalle neben dem Loorenschulhaus und dem Elefantenbach vorgeschlagen, doch die Motionäre hätten diese Textänderung abgelehnt. «Manchmal tut mir die Verwaltung ein bisschen leid», fuhr Ann-Catherine Nabholz fort: Im Januar 2022 sei die vorliegende Motion zur Buswendeschleife Berghalde eingereicht worden, die verlange, das Gebiet weder für ein GZ noch ein Provisorium für ein GZ zu brauchen, sondern sie in eine Freihaltezone zur Sicherung des Grünraums umzuzonen… Mit 78:27 Stimmen (von SVP und FDP) überwies der Rat den Vorstoss als Postulat.

 

Als letztes Geschäft des Abends überwies der Rat noch ein Postulat von Balz Bürgisser und Julia Hofstetter (beide Grüne) für die «Verankerung der städtischen Klimaziele im Unterricht und Schulalltag der Volksschule». Dazu entbrannte eine hitzige Diskussion zwischen bürgerlicher und rot-grüner Ratsseite: Yasmine Bourgeois (FDP) betonte, die städtischen Klimaziele seien politische Ziele, und solche hätten in der Schule nichts verloren. Die Schule habe politisch und konfessionell neutral zu sein, so stehe es im Gesetz. Klimathemen sollten diskutiert werden, sie seien jedoch bereits «fest im Lehrplan verankert». Wenn sie politische Neutralität an Schulen fordere, sehe die Linke jeweils überhaupt kein Problem, fuhr Yasmine Bourgeois fort, aber jetzt traue sie den mehrheitlich linken Lehrpersonen offenbar nicht zu, Themen, die ihr wichtig seien, genügend zu behandeln: «Sie sind auf dem linken Auge wirklich blind.» Julia Hofstetter entgegnete ihr, Klimaschutz sei keine Politik. Die FDP spiele ein gefährliches Spiel, wenn sie die «neutrale Schule» aufbringe, ob im Aargau oder im Zürcher Kantonsrat – in Deutschland kümmere sich die AfD darum: «Neutrale Schule ist dann, wenn einem ein Thema nicht behagt, und dann macht man es zum Politikum.» Die FDP sei gerade dabei, die SVP rechts zu überholen. Regula Fischer (AL) erklärte, die Klimakatastrophe sei «nicht Politik, sondern Realität», doch es brauche kein «Mikromanagement», die LehrerInnen könnten mit diesem Thema umgehen, deshalb lehne die AL den Vorstoss ab. In der Abstimmung enthielt sich die AL dann allerdings der Stimme, und das Postulat kam mit 66:34 Stimmen bei 8 Enthaltungen durch.

 

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