Schlagwort gedanken zur woche

Grausamkeiten

Wenn man dem Tenor gewisser Feuilleton-Artikel und den Bedenken gewisser meist älterer und gutsituierter Männer Glauben schenkt, dann ist der Genderstern das wichtigste Thema des Feminismus. Nun ist die Bemühung um inklusive Sprache weder neu noch unwichtig, aber es wäre mir bis anhin nicht aufgefallen, dass dieses Anliegen bei Politikerinnen und Aktivistinnen mit oder ohne Stern real an vorderster Stelle steht. Die ganze Debatte scheint eher ein Popanz, an dem sich die oben erwähnten Herren gerne abarbeiten. 

Klatsche

Der vergangene Abstimmungssonntag hatte es mit drei nationalen, vier kantonalen und sechs städtischen Vorlagen in sich. Die eidgenössischen Abstimmungen beinhalten wenig Überraschungen. Der Fall war relativ schnell klar. Die Stimmbevölkerung hat allen drei Vorlagen zugestimmt.

Morgenstund’ im Maien

«Alles neu macht der Mai» – so dachte ich zwar nicht; der Mai ist schliesslich auch nicht mehr, was er einmal war, mittlerweile mehr Sommer als Frühling. Aber sei’s drum. Da ich schon keinen Neujahrsvorsatz gefasst habe, will ich dieses Motto eines immer wiederkehrenden Neubeginns nun für meinen neusten Spleen zum Vorwand nehmen.

Thema mit Variationen

Erstens: In einem Interview in der ‹NZZ am Sonntag› vom 8. Mai macht der Chef des Agrarkonzerns Syngenta, Erik Fyrwald, eine inte­ressante Aussage: Er erklärt, die Menschen in Afrika müssten Hunger leiden, weil hierzulande immer mehr Menschen Bio-Lebensmittel konsumieren wollten. Zweitens: Am kommenden Sonntag stehen sowohl in der Stadt wie auch im Kanton Zürich Vorlagen zum Klimaschutzziel Netto-Null zur Abstimmung. Drittens: Die seit 30 Jahren von Rot-Grün regierte Stadt Zürich fasst in Sachen Velofreundlichkeit erneut die Rote Laterne.

Wladimir Putin und der Orden der Cancel Culture

Was haben die Kinderbuchautorin der Welt und Wladimir Putin gemeinsam? Wenn es nach letzterem geht, sind beide Opfer der sogenannten Cancel Culture. «J.K. Rowling wurde kürzlich gecancelt, weil sie den Fans der sogenannten Gender-Freiheit ein Dorn im Auge war», sagte Putin vergangene Woche an einer Pressekonferenz. Die Autorin der Harry Potter-Reihe hatte in den letzten Jahren vor allem mit transphoben Aussagen von sich reden gemacht und dafür berechtigte Kritik geerntet. Und jetzt, so der Kreml-Chef weiter, versuche der Westen Russland, seine Bevölkerung und seine Kultur zu canceln.

Etwas mehr Gelassenheit

Der Überfall Russlands auf die Ukraine rief nach grossen Worten und verführt zu mitunter durchsichtigen Manövern, wie etwa die Erklärung der Grünliberalen am letzten Montag im Kantonsrat, in der sie den Regierungsrat aufforderten, ihr Parteiprogramm zur Verhinderung eines Energienotstandes haargenau sofort umzusetzen. Ein Teil der Grünen möchte autofreie Sonntage zur Behebung der gleichen Krise. Nichts gegen autofreie Sonntage, aber dazu braucht es den Krieg in der Ukraine wahrlich nicht.

Gut für alle

1928 sorgte eine überdimensionale Schnecke mit dem provozierenden Namen «Fortschritte des Frauenstimmrechts in der Schweiz» anlässlich der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA für Aufsehen. Bekanntlich wurde das Frauenstimmrecht erst 1971 eingeführt. Das Symbol einer Schnecke für Fortschritte in Frauenfragen hat nichts an Aktualität verloren. Tatsächlich scheint Gleichstellung in der Schweiz nur im Schneckentempo voranzukommen. Auch darum hat wohl eine Rekordzahl von Frauen am Frauenstreik 2019 teilgenommen.

Hinzutun? Wegnehmen!

Der am Montag veröffentlichte Bericht des Weltklimarats IPCC zeigt, dass die Auswirkungen der Klimakrise für Millionen von Menschen bereits heute katastrophal sind und dass wir dringend handeln müssen. Der Klimastreik Schweiz verschickte eine Medienmitteilung dazu: «IPCC: Wie viele Berichte braucht ihr noch?»

Keine Kleinigkeiten

Ich muss zugeben, dass ich relativ lange die Nachrichten rund um die Ukraine mehrheitlich verdrängt habe. Vielleicht aus einem Gefühl heraus, dass nach zwei Jahren Pandemie die Sehnsucht nach Normalität gewachsen ist. Nach einem Aufatmen. Nach der Beschäftigung mit kleineren Problemen, persönlich und politisch. Nach der Ansprache des russischen Präsidenten Wladimir Putin vom Montag war aber klar, dass diese Sehnsucht sich wohl kaum erfüllen wird. 

Bücher und Brücken

Im US-Bundesstaat Tennessee beschloss eine Behörde kürzlich, dass der Comic «Maus» von Art Spiegelman aus dem Lehrplan entfernt werden soll. «Maus» ist eine autobiographisch geprägte Fabel über den Holocaust. Die Begründung der Schulbehörde: Im Werk gäbe es Nacktheit, Gewalt und Vulgarität. Die Verkäufe von «Maus» sind seit Bekanntgabe des Entscheids massiv angestiegen.