- Winterthur
«Sorge um Bäume» oder ideologische Blockade?
Sowohl die Grünen Winterthur als auch die SP Winterthur reagierten mit Medienmitteilungen auf einen Medientermin, welcher vom VCS- und Pro-Velo-Sprecher in Personalunion, Kurt Egli, inszeniert worden war: zusammen mit ACS, TCS, dem bürgerliche Kampfvehikel gegen alle Verkehrsberuhigung, agil-mobil, sowie umverkehR wurde das Sanierungsprojekt für die Technikumstrasse kritisiert. Und es wurde ein «Notstopp» gefordert. Die Grünen zeigten sich «erstaunt» über das Zusammengehen der Umweltverbände mit deklarierten Gegner:innen von Verkehrsberuhigungsmassnahmen, während die SP von einer «systematischen Blockierung von Sanierungsprojekten durch Pro Velo, VCS zusammen mit den Autoverbänden zulasten der Bevölkerung» spricht.
«Sorge um Bäume»
Auslöser für das vom Stadtrat im Januar verabschiedet Projekt für die Technikumstrasse südlich der Winterthurer Altstadt ist vor allem die Erneuerung der über hundertjährigen Abwasserkanäle. Verbunden mit dieser Erneuerung sieht das Projekt eine deutliche Aufwertung für Velofahrende und zu Fuss Gehende vor. Im vom Stadtrat Anfang Jahr festgesetzten Projekt sind auch verschiedene Punkte berücksichtigt, die im Rahmen des ordentlichen Mitwirkungsverfahrens eingebracht wurden. So wurde versucht, möglichst viele Bäume der bestehenden Kastanienallee zu erhalten. Trotzdem wurden gegen das Projekt verschiedene Rekurse eingereicht, die gegenwärtig noch beim Regierungsrat hängig sind. «Zu diesem Zeitpunkt können am Projekt keine Änderungen vorgenommen werden», sagt dazu der Sprecher des Departementes Bau und Mobilität, Michael Graf. Dass das Projekt eine Kompromisslösung darstelle, sei klar. Im Rahmen des Projekts soll eine knapp hundertjährige Kastanienalle weitgehend durch neue Bäume ersetzt werden. Dieses Vorgehen wurde am Medientermin kritisiert. Dazu wurde ein Experte der Fondation Franz Weber zugezogen. Ein weiterer Kritikpunkt war die Breite des Velostreifens, sowie dass in der Mitte der Strasse eine Insel geschaffen werden sollte, welche die Überquerung in zwei Teilen möglich machen würde.
Harsche Replik von Grünen und SP
Wenig Verständnis für die Aktion zeigt Michael Graf vom Departement Bau und Mobilität. Für das Projekt sei ein Mitwirkungsverfahren durchgeführt worden, bei dem sich die Verbände einbringen konnten. Auf die Forderungen sei auch an vielen Stellen eingegangen worden. «Maximalforderungen konnten wir aber nicht erfüllen, die Vorlage stellt einen Kompromiss dar.» Wenig Verständnis äusserte er zum Thema Bäume: Ein Gutachten habe klar ergeben, dass die Bäume durch die Bauarbeiten für den Ersatz der Abwasserleitungen stark in Mitleidenschaft gezogen würden, selbst wenn die Strasse im heutigen Zustand ersetzt würde. Zudem würden deutlich mehr neue Bäume gesetzt als gefällt, was auch eine Investition in die Zukunft darstelle. Schliesslich, so Graf, seien Rekurse gegen das Projekt mit den selben Inhalten eingereicht worden: «Bevor diese entschieden sind, nun einen Notstopp zu verlangen ist fragwürdig. Warum wollen die Verkehrsverbände die juristische Klärung durch den Regierungsrat nicht abwarten?»
Harsche Kritik übt die SP Winterthur: Die Aktion von VCS und Pro Velo sei nur das letzte Beispiel in einer langen Reihe von Aktivitäten, mit denen Verbesserungen für breite Teile der Winterthurer Bevölkerung verhindert würden. Systematisch würden Verbesserungen für Velo, Fussverkehr und Stadtklima verhindert. Statt die Rekursentscheide abzuwarten, würde die Drohgebärde einer Kreditverweigerung heraufbeschworen. Orchestriert durch die unheilige Allianz mit den Autoverbänden.
Auch die Grünen zeigten sich in einer Medienmitteilung erstaunt ob des Vorgehens von VCS und Pro-Velo. Die Grünen teilten die Fundamentalkritik nicht, und der Ersatz der Bäume ist ihrer Ansicht nach unumgänglich. Das Projekt stelle eine Interessensabwägung dar und sei ein Kompromiss. Für das Velo existierten beidseits der Technikumstrasse gute Alternativen, sodass die Standardbreite des Velostreifens völlig genüge.