Der Bau von Solar-Freiflächenanlagen scheint in Schweden nicht zwingend einfacher zu sein als in der Schweiz. (Bild: Unsplash)

Solarparks in Schweden lassen auf sich warten

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich ist via die EWZ (Deutschland) GmbH seit November 2023 daran, Solar-Freiflächenanlagen in Schweden zu entwickeln. Einst hiess es, die ersten Projekte sollten ab 2024 in Betrieb genommen werden. Bis dahin dauert es allerdings Stand jetzt nochmals mindestens zwei Jahre.

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) erzeugt seinen Strom nicht nur in der Schweiz. In Deutschland, Frankreich, Norwegen und Schweden ist es beispielsweise an Windparks beteiligt. In Schweden sollen nun Freiflächen-Solaranlagen dazukommen. Am 15. November 2023 teilte das EWZ mit, dass es sich an der schwedischen Solarentwicklerin Solare Nordic AB beteilige. Es gehe zudem eine Kooperation mit deren Gesellschafterinnen EnergiEngagemang Sverige AB und dem Management der Solare Nordic AB zur Entwicklung von Solar-Freiflächenanlagen in Schweden ein (siehe auch P.S. vom 4. Oktober 2024). Der Stadtrat genehmige der EWZ (Deutschland) GmbH den Erwerb von 51 Prozent der Aktien der Solare Nordic AB und die weitere Finanzierung der Projektentwicklung bis zur Baureife, hiess es in der Medienmitteilung. Was dieser Erwerb kostete, schrieb das EWZ nicht, es hielt aber fest: «Für die Finanzierung wird ein Teil des Rahmenkredits über 200 Millionen Franken für den Erwerb von Energieerzeugungsanlagen verwendet, die erneuerbare Energie nutzen.» Diesen Rahmenkredit hatten die Stimmberechtigten der Stadt Zürich am 24. September 2017 an der Urne beschlossen.

«Ab 2024 in Betrieb»

Im Geschäftsbericht 2023 der EWZ (Deutschland) GmbH heisst es zum Erwerb dieser 51-Prozent-Beteiligung, es seien «momentan zehn Freiflächenprojekte in der Pipeline, welche ab 2024 in Betrieb genommen werden sollen». Unter dem Zwischentitel «Projektentwicklungsgesellschaften Solarenergie» im Kurzbeschrieb des Portfolios wird noch präzisiert, das «initiale Projektportfolio» umfasse «zehn Projekte mit einer avisierten installierten Leistung von 117 Megawatt, wobei die Gesellschaft das Ziel hat, das Projektportfolio laufend zu expandieren». Im Geschäftsbericht 2024 hält die EWZ (Deutschland) GmbH hingegen fest, für erste Projekte würden Investitionsentscheide «bereits im Jahr 2025 erwartet». In einer Medienmitteilung des Portals pv-magazine.de vom 20. November 2023 war zum Finanziellen zu lesen, der Erwerb koste das EWZ ca. 87,3 Mio. Euro. Zum Baustart für die ersten Projekte hiess es, er sei im zweiten Halbjahr 2024 geplant.

2024? 2025? Oder doch wieder 2024? 87,3 Millionen Euro, oder einfach «Geld aus dem Rahmenkredit»? «Die Berichterstattung von pv-magazine.de ist grösstenteils falsch», hielt die Stadt damals gegenüber P.S. fest: «Der Kredit, den der Stadtrat für die Kooperation mit Solare Nordic genehmigt hat, liegt bei rund der Hälfte des genannten Betrages. Von diesem Kredit wurden nur rund fünf Prozent für den Erwerb der Anteile verwendet. Weitere ca. 20 Prozent sind für die Entwicklung der Projekte bis zur Baureife vorgesehen. Rund 75 Prozent sind für die Investitionen in die Solaranlagen reserviert. Dieser Betrag wird nur verwendet, wenn die Projekte genehmigt sind und wirtschaftlich betrieben werden können.» Und weiter: «Effektiv ausgegeben wurde demnach nur ein kleiner Anteil am genehmigten Kredit. Genaue Beträge können wegen der Vertraulichkeit des Geschäftes nicht genannt werden, die sich aus der Wettbewerbssituation ergibt, in der sich das EWZ in diesem Zusammenhang befindet.» 

Weiter schrieb die Stadt damals, in seiner Medienmitteilung vom 15. November 2023 habe das EWZ bereits kommuniziert, dass erste Anlagen voraussichtlich 2025 in Betrieb genommen werden könnten: «Dies ist nach wie vor realistisch, denn das EWZ rechnet mit einem Investitionsentscheid für ein erstes Projekt vor Ende 2024.» Das EWZ plane denn auch nicht, seinen Anteil an Solare Nordic wieder zu verkaufen: «Wir sind zuversichtlich, dass aus dem Portfolio mittelfristig viele Projekte – wenn eventuell auch nicht alle – realisiert werden können.»

«Geplante» Projekte, wohin man blickt

Auf der Webseite von Solare Nordic AB finden sich nach wie vor nur «geplante» Solarparks, darunter der Horshult Solpark und der Ulvåsa Solpark. Sie sollten gemäss Webseite von Solare Nordic ab 2025 (Ulvåsa) beziehungsweise ab 2026 (Horshult) gebaut werden und ab dann auch «lokalen grünen Strom» liefern*. Gemäss der Webseite von EnergiEngagemang (energiengagemang.se) sollte der Solarpark Ulvåsa ab 2024 gebaut werden und lokalen grünen Strom liefern, der Solarpark Horshult ab 2026.

Über Ulvåsa schrieb das schwedische Onlinemagazin der Bau- und Energiewirtschaft bransch­aktuellt.se am 27. September 2021, in Motala entstehe der grösste Solarpark Schwedens. Er werde in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 in Betrieb genommen, und man rechne mit einer Produktion von zirka 24 000 000 kWh, was dem Jahresbedarf von 10 000 Wohnungen entspreche. Das Solarenergieunternehmen EnergiEngagemang sei in der Schlussphase der Projektierung für den Solarpark Ulvåsa. 44 400 Solarpaneele würden auf dem Areal montiert, das einige hundert Meter von Schloss Ulvåsa ausserhalb von Motala liege.

Bereits am 11. Oktober 2021 berichtete dann die Lokalzeitung ‹Motala Vadstena Tidning› (mvt.se), dass die Planungs- und Baubehörde der Gemeinde Motala die Umgebung des Schlosses Ulv­åsa aus verschiedenen Gründen für ungeeignet halte und sich dagegen wehre, dass dort der grösste Solarpark des Landes gebaut werden solle. Das Solarenergieunternehmen wolle sich jedoch nicht geschlagen geben und halte an seinen Plänen fest. In derselben Ausgabe heisst es zudem, dass die Schlossbesitzer, denen das Land für den geplanten Solarpark gehört, die Absage der Gemeinde nicht verstehen würden. Sie seien der Ansicht, dass sich der Ort durchaus für eine Freiflächenanlage eigne. Dass sich der Solarpark Ulvåsa bis heute auf den Webseiten von Solare Nordic und von EnergiEngagemang findet, deutet darauf hin, dass das Vorhaben noch nicht ‹gestorben› ist. Der Bau solcher Anlagen scheint in Schweden nicht zwingend einfacher zu sein als in der Schweiz.

«Laufend ab dem Jahr 2026 realisiert»

Doch das EWZ gab und gibt sich zuversichtlich. Im Geschäftsbericht 2024 der EWZ (Deutschland) GmbH heisst es im Vorwort der Geschäftsführung, es seien «momentan 10 Freiflächenprojekte in der Pipeline, die laufend ab dem Jahr 2026 realisiert und in Betrieb genommen werden sollen.» Unter dem Zwischentitel Projektentwicklungsgesellschaften Solarenergie ist ausserdem zu lesen, das initiale Projektportfolio mit einer avisierten Leistung von 117 MW sei im vergangenen Jahr durch Entwicklungsprojekte mit einer geplanten Leistung von insgesamt 200 MW ergänzt worden. Das Projektportfolio solle weiterhin ausgebaut werden. Für erste Projekte würden Investitionsentscheide bereits im Jahr 2025 erwartet.

Der Geschäftsbericht 2024 des EWZ wird konkreter: «Mit Norraby Gård liegt nun das erste Projekt einer Photovoltaik-Freiflächenanlage in Schweden vor. NorrabyGård befindet sich in Südschweden, rund 15 Kilometer nördlich der Stadt Växjö. Die PV-Anlage wird eine Leistung von 6,2 Megawatt Peak (MWp) aufweisen, gerechnet wird mit jährlich 6 Gigawattstunden (GWh) Solarstrom. Den Investitionsentscheid hat die EWZ (Deutschland) GmbH gefällt. EWZ wird die Produktion über einen langfristigen Stromliefervertrag (PPA) abnehmen und vermarkten. Zuerst muss der lokale Netzbetreiber den erforderlichen Netzanschluss realisieren. Die Kombination von Wind- und Solarenergie in Schweden führt zu mehr Sicherheit bei der langfristigen Absatzplanung und ermöglicht ein optimiertes Produktionsportfolio.»

Aktuell heisst es zum Projekt Norraby Gård auf der Webseite von Solare Nordic, sowohl der Baubeginn als auch die erste Lieferung von grünem lokalem Strom seien für 2027 vorgesehen. Wer Norraby Gård googelt, ohne auch noch Solare Nordic einzugeben, landet übrigens bei einem schmucken Hotel, das sich gemäss Eigenwerbung unter anderem für Konferenzen und Hochzeiten anbietet und mit der schönen Natur rundherum wirbt.

Norraby Gård «bis auf Weiteres zurückgestellt»

Am 19. Januar richtete das P.S. per E-Mail Fragen an Fredric Blommé Sekund von Solare Nordic AB, unter anderem danach, weshalb das Unternehmen nach wie vor nur «geplante» Solarparks aufweist, beziehungsweise wann die ersten gebaut und in Betrieb genommen werden können und weshalb sich die Projekte verspäten. Die Antwort erfolgte allerdings nicht aus Schweden, sondern via EWZ-Medienstelle. Und? Wird das noch was mit den geplanten Solarparks? Oder setzt das EWZ das dafür vorgesehene Geld in den Sand?

Das EWZ schickt in seiner schriftlichen Antwort mit Verweis auf die Auskünfte, die in den eingangs erwähnten P.S.-Artikel vom 4. Oktober 2024 einflossen, eine grundsätzliche Bemerkung voraus: Entwicklungsprojekte seien zeitlich schwer planbar, «da sie stark von Akteuren wie Genehmigungsbehörden oder Netzbetreibern abhängig sind – und das gilt nach wie vor». Weiter schreibt das EWZ, für ein Projekt aus dem Portfolio, «das wir eigentlich gerne 2025 realisiert hätten, wurde der Investitionsentscheid bis auf Weiteres zurückgestellt». Der Grund hierfür liege «ausserhalb unseres Einflussbereiches: der Netzanschluss verzögert sich». Auf Nachfrage bestätigt EWZ-Mediensprecher Thöme Jeiziner, dass es sich dabei um das Projekt Norraby Gård handelt.

Ulvåsa: Klappt es dieses Mal?

«Umso mehr» freue sich das EWZ jedoch darüber, schreibt er weiter, dass die EWZ (Deutschland) GmbH, bei der die Auslandsaktivitäten von EWZ gebündelt sind, für einen anderen Solarpark aus dem Projektportfolio unlängst den Investitionsentscheid gefällt habe. Es handle sich um den Solarpark am Standort Ulvåsa in Südschweden mit folgenden Eckdaten: «Installierte Leistung 23,78 Megawatt peak – aufgrund von Optimierungen des Modullayouts und der nutzbaren Fläche ist die installierte Leistung höher als auf der entsprechenden Projektseite.» Direkt beim Solarpark werde zudem ein Batterie-Energiespeichersystem (BEES) realisiert, das den Solarstrom zwischenspeichern und gezielt ins Netz einspeisen solle: «Gemäss aktueller Planung sollen der Solarpark und das BESS Ende 2027, spätestens Anfang 2028 nachhaltigen Solarstrom ins Netz speisen.» Ob es dieses Mal klappt? Man darf gespannt sein.

* alle Übersetzungen aus dem Schwedischen: Nicole Soland