Silberstreifen

Brutal und zärtlich. «Love Life» zeigt die emotionale Achterbahnfahrt einer Japanerin.

«Gebrauchtwaren sind gut – aber nicht alles», unkt der Schwiegervater, während Taeko (Fumino Kimura) dessen Geburtstagsfeier ausrichtet und runterschluckt, dass sie damit gemeint ist. Sie brachte einen Sohn mit in die Ehe mit Jiro (Kento Nagayama). Bald darauf verunglückt der Sohn und ertrinkt in der Badewanne. Nun entfächert Koji Fukuada die emotional anrührende wie genauso erschreckende Gemengelage der einander überlagernden Ereignisse, Vorhaltungen, Schuldgefühle und den winzig erscheinenden Lichtblick von Trost und Zuneigung.

Die Schwiegereltern nutzen die Gelegenheit, jetzt doch auszuziehen. Und beiden trauernden Elternteilen begegnet ihre jeweils vorgängig gelebte grosse Liebe. Jiros Ex, Yamazaki (Hirona Yamazaki), nimmt ihre Arbeit im Sozialamt auf, dessen Direktor er ist. Taekos Ex, Park (Atom Sunada) wird als Obdachloser im Park aufgegriffen. Der physische Kindsvater ist gehörlos und Koreaner (!) und war vor vier Jahren wort- und spurlos verschwunden. In den von aussen kaum vorstellbaren Schmerz für Eltern, die ihr Kind verlieren, grätscht mit den beiden Personen je eine Illusion. Ein leibhaftiges Erinnern an eine vergangene Unbeschwertheit und Glück. Eine Verlockung, die beide Hauptfiguren durch deren bare Wahrnehmung als potenziell zusätzliche Schicht einer weiteren Schuld empfinden. Hier Trauer, da Verrat und mittendrin die Ohnmacht.

Anscheinend findet Jiro schneller wieder Tritt. Taeko indes fühlt sich Park gegenüber, dem sie als Gebärdendolmetscherin, mit einer provisorischen Unterkunft, dem Antrag für Sozialhilfe und zuletzt noch mit Geld für seine Reise zur Beerdigung seines Vaters, sehr viel inniger verpflichtet. Jiro erweist sich als grossmütig und geduldig, während Taeko der Illusion annähernd krampfhaft weiter nachhängt, bis sich auch diese jäh auflöst. Die soziale Enge der Frauenrolle in Japan wirkt erdrückend unfrei, als ein Hauch Hoffnung über die Leinwand weht. froh.

«Love Life» spielt im Kino Houdini.

25 Jahre sind nicht genug …

P.S. feiert eigentlich seinen 25. Geburtstag. Aber es könnte der letzte sein. Wir brauchen Ihre Hilfe.