Silbent-rennen

Markus Ernst

 

Zurzeit wohne ich quasi auf einer Baustelle, des Morgens fangen sie schon mit Bohren und Spitzen an, bevor unsereins das Haus verlässt, und an Arbeiten im Home-Office ist nicht zu denken. Das erinnert mich daran, dass ich mich vor etwa vier Jahren an dieser Stelle über die Baumackerstrasse ausliess, die – je nach Trennfuge – den Baum-Äckern oder aber eben auch den Bau-Mackern gewidmet sein kann. Ich arbeite seit einiger Zeit viel mit Microsoft Word, das beim Trennen ja zwar schon gut, aber eben auch nicht perfekt ist; ich gab den Strassennamen also probehalber an einem Zeilenende ein, und siehe da: Word kennt nur die Variante Bau-mackerstrasse. 

 

Automatische Trennungen sind nicht nur ein steter Quell der Heiterkeit, sie können auch durchaus erhellenden Charakter haben. So kommt die Inlands-teuer den einen oder die andere wohl tatsächlich teuer zu stehen, und die Steu-erfolgen eines Geschäfts können dessen Erfolg allenfalls erheblich schmälern. Um dem zu entgehen, investieren dann manche nicht etwa in Spar-gel, sondern in Offs-hore-Geschäfte (die aber heute nicht mehr mit Seefahrten verbunden sind: darum brauchts dafür auch keine Sex-tanten mehr). Aber wer die Best-immungen einhält, macht ja logischerweise nichts Schlechtes. 

 

Gelegentlich überrascht Word mit kreativem Gendern: Sowohl die Generalin-ventur wie auch die Gletscherin-itiative sind zwar formal absolut zulässig getrennt, sie bein-halten aber ein unangemessenes Mass an Weiblichkeit – ein korrigierender Eingriff hätte hier zu besserer Verständlichkeit beige-tragen (apropos: kein guter Mode-rat). Das Gleiche gilt auch für die Visage-bühren. Bei den Tei-länderungen fragt sich, ob diese nur in Teiland vorgenommen werden, der Kurs-aal aber referiert definitiv nicht im Aquarium, und manch ein Punk-trichter hört eigentlich gern Schmusepop. Ich bin nie glatt rasiert, aber ein Bär-tiger bin dann doch nicht (das wäre ja auch ein glattes Viech). Kaum ein Tee-nager nagt Tee, Apollo 11 flog nicht durch den All-eingang, Natur-alien sind keine Bio-Ausserirdischen, und dement-sprechend werden bei Entscheider-öffnungen auch keine Führungskräfte obduziert (ausser vielleicht, sie hätten nach untauglichen Grunds-ätzen geführt). 

 

Echt, das habe ich mir nicht ausgedacht: Word trennt standardmässig Grunds-ätzen.

Ein Verkauf-shit dagegen stinkt gelegentlich tatsächlich, zumindest nach Kundenfängerei. Apropos Gestank: Der Urin-stinkt ist ja ein Klassiker in der Grundausbildung für Korrektor:innen, neben dem weniger spektakulären Drucker-zeugnis. Eine formal korrekte, aber zu vermeidende Trennung ist auch die Postab-holung (ausser eventuell, sie würde von einem Anal-phabeten vorgenommen). Sekt-orale Abkommen schliesslich sind nichts Obszönes, obwohl sie in den Bereich der Aussenpo-litik gehören – sie heissen wohl so, weil bei ihrer Unterzeichnung viel Sekt oral eingenommen wird.

 

Ja, so kann eine Baustelle inspirieren, im Zusammenspiel mit einem Trennprogramm, das gelegentlich kreative Anfälle hat. Das Trennungspotenzial der Zürcher Strassennamen dürfte übrigens noch lange nicht ausgeschöpft sein, wer die Augen offen hat, kann überraschende Einsichten bekommen. So besuchte ich kürzlich eine Bekannte und stieg an der Haltestelle «Im Hagacker» aus dem 32er. Da lachen ja die Hühner!

 

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