Selbstbestimmt

Ehrung und Entmündigung folgen zeitgleich, derweil Tereza einfach weiterleben will.

Das Gebiet des Amazonas ist zu gross, um die als Versprechen getarnte Direktive «die Zukunft gehört allen» über fest installierte Volkslautsprecher zu verkünden, weshalb das ein Propellerflugzeug übernimmt. Tereza (Denise Weinberg), die sich bislang komplett selbstständig durchs Leben schlug, gerät mit ihrem 77. Geburtstag in die angebliche Fürsorgemaschinerie eines augenscheinlich omnipotenten Staatswesens. Während ihre Holzhütte als Wohnort eines lebenden Nationalerbes gekennzeichnet wird, dem die Gesamtheit der Gesellschaft zu grossem Dank verpflichtet ist, verliert Tereza ihre Stelle in einer Kaimanschlachterei, gerät unter die Vormundschaft ihrer Tochter und wird von einer Bürgerpolizei unzimperlich eingesammelt, um sich als Teil eines staatlichen Programms gegen die Vereinsamung der Alten in einer Kolonie für den Rest ihres Lebens auszuruhen. In Gabriel Mascaros «Tereza – o último azul» hat sich der Fatalismus der Bevölkerung gegen die staatliche Bevormundung längst erfolgreich ausgebreitet, weshalb der überaus raffinierte Fluchtversuch Terezas noch nicht mit dem ersten Entrinnen bewältigt ist. In einem Staat, der sich offiziell überkorrekt gibt, derweil er faktisch komplett von Korruption durchsetzt ist, kann eine Barschaft an Restersparnissen teils Wunder wirken, teils reicht das noch nicht mal mehr aus, um gegen die lähmende Lethargie der ihr begegnenden jungen Männer anzukommen. Lange scheints, als ob Tereza gar nicht grundsätzlich opponieren wollte. Einfach noch einmal fliegen würde sie wollen. Da aber auch das mit den geltenden Regeln nicht durchsetzbar erscheint, ergreift sie Eigeninitiative. Ein Schiffer bringt sie immer tiefer ins Landesinnere, wo sie mit der angeblichen Nonne Roberta (Miriam  Socarrás) eine Komplizin findet. Als Lebensmenschen füreinander ergänzen sie sich in ihren Fähigkeiten und vereinen sich zum lustbetonten Bollwerk der Selbstbestimmung.

«Tereza – o últimu azul» spielt in den Kinos Le Paris, RiffRaff.