Schmetterling, Schulklasse, Schoggibanane

Seit Dienstag steht der Naturgarten Lindberg der Öffentlichkeit offen, Tiere und Pflanzen fühlen sich im naturnahen Park schon eine Weile zuhause. Auf dem Gelände oberhalb von Oberwinterthur wird nicht nur die Biodiversität gefördert, der Naturgarten ist gleichzeitig auch Freiluft-Schulzimmer und Erholungsort.

 

 

Von Manuela Zeller

 

 

Der wohl etwa zwei Meter grosse Asthaufen soll Wespen, Wildbienen und Igeln ein Zuhause werden; die grosszügige Feuerstelle lädt Menschen zum bräteln ein, und die Hochbeete mit Aussicht auf die Stadt wurden extra für Schulklassen angelegt. Der Naturgarten Lindberg sei kein Naturschutzgebiet, erklärt Beat Kunz, Leiter von Stadtgrün Winterthur, sondern ein naturnaher Ort, der die Bedürfnisse ganz unterschiedlicher NutzerInnen erfüllen soll. Der naturnahe Park wurde so gestaltet, dass Wissensvermittlung, Erholung und Naturschutz nebeneinander stattfinden können.

 

 

«Augenöffner» für Details
Das 7000m2 grosse Areal am Waldrand und mit Ausblick auf das Dorf gehört der Stadt, wurde aber bis vor ein paar Jahren von einer Baumschule genutzt. Während der letzten zwei Jahre wurde das Gelände zu einem naturnahen Park umgestaltet: Zahlreiche ökologische Nischen wurden geschaffen, eine Trockenmauer etwa, als Unterschlupf für Eidechsen und Co, und der kleine Bach konnte freigelegt werden, wo sich hoffentlich bald Sumpfdotterblume und bestimmte Libellenlarven heimisch fühlen werden. In der Wildhecke können Vögel ungestört brüten, und die Baumscheiben, die nicht jedes Jahr gemäht werden, sind der ideale Standort für Waldmeister, Hainsimsen, Märzenbecher und viele weitere Arten. Neben Tieren und Pflanzen sollen aber auch die Menschen profitieren vom Naturgarten. Bei der Gestaltung wurde Wert darauf gelegt, dass Kinder und Erwachsene Zugang haben zu den verschiedenen Lebensräumen: So führt zum Beispiel ein kleiner gemähter Korridor durch die Blumenwiese zum naturbelassenen Bachufer, wo Platz geschaffen wurde für interessierte BeboachterInnen. Die sogenannten «Augenöffner», die den Fernrohren auf Aussichtspunkten gleichen, allerdings ohne Vergrösserungslinse und mit fixer Position, lenken den Blick der BesucherInnen auf besonders spannende Details, Schilder erklären, was es zu beobachten gibt, und mittels QR-Codes können sogar standortspezifische Infos heruntergeladen werden. SchülerInnen waren schon an der Bepflanzung des Naturgartens beteiligt, und während der Medienkonferenz kümmerte sich gerade eine Schulklasse vom Schulhaus Rychenberg um die Hochbeete.

 

 

Viele verschiedene Impulse
Der Naturgarten Lindberg ist nach dem Lindengutpark das zweite Kind von «Naturgartenstadt Winterthur». Der Verein setzt sich für Biodiversität in der Stadt Winterthur ein, und zwar indem anhand von positiven Beispielen gezeigt wird, wie Flächen ökologisch aufgewertet und vernetzt werden können – natürlich in der Hoffnung, dass die naturnahe Gestaltung NachahmerInnen findet. Der Verein besteht aus VertreterInnen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Winterthur (NGW), von Stadtgrün Winterthur, des Naturmuseums und des Vereins Grünwerk Winterthur. «Naturgartenstadt Winterthur» wurde im Januar 2016 gegründet, für eine Dauer von vorerst drei Jahren. Während im ersten Jahr der Fokus auf der Aufwertung von städtischen Parkanlagen lag, sollen im zweiten Jahr vor allem Inputs für die ökologische Aufwertung von Industrie- und Wohnüberbauungen gegeben werden, im dritten Jahr werden die BesitzerInnen von Privatgärten auf den Einsatz von einheimischen Bau- und Pflanzenmaterialien sensibilisiert.

 

 
Der Verein ist jünger als das Projekt Naturgarten, das aus unterschiedlichen Impulsen entstanden ist: Einerseits meldete Stadtgrün Winterthur schon früh Interesse am frei gewordenen Grundstück am Waldrand an, andererseits erhielt die Naturwissenschaftliche Gesellschaft ein Legat und suchte nach einer Möglichkeit, Projekte im Bereich Biodiversität aufzuziehen. Gemeinsam mit dem Naturmuseum und dem Verein «Werkgrün» gründeten Stadtgrün Winterthur und die Naturwissenschaftliche Gesellschaft den Verein Naturstadtgarten Winterthur, um genau solche Projekte wie den Naturgarten umzusetzen.

 

 
Die Beteiligten freuen sich über die gute Zusammenarbeit, aus welcher der Stadtgarten entstanden ist. Toni Patscheider, Präsident der Kreisschulpflege Oberwinterthur findet, das Projekt habe dazu beigetragen, die Schulen und Stadtgrün Winterthur noch besser zu vernetzen, und Peter Lippuner, Präsident der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, ist begeistert, dass dank der Kollaboration mit den verschiedenen Partnern die Stadtbevölkerung direkt von einem Biodiversitätsprojekt profitieren kann.

 

 
Der Naturgarten befindet sich an der Lindbergstrasse gegenüber der Holzkorporation Oberwinterthur, 15 Minuten vom Bahnhof Oberwinterthur entfernt, und ist zu jeder Tageszeit allen Interessierten offen. Vorgesehen ist eine ruhige Nutzung.

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