Schimpfen reicht nicht

Seit Uber auf dem Markt ist, macht die Firma den Taxifahrern das Geschäft streitig. An einer Veranstaltung der AL machen diese ihrem Ärger Luft. Für sie geht es ums Überleben.

 

Leonie Staubli

 

Die Stimmung ist gespannt am Dienstagabend im Saal des Kirchgemeindehauses Bühl. Auf dem Podium sitzen Walter Angst, AL-Gemeinderat und Gesprächsleiter für den Anlass, Stephan Schnidrig, Taxifahrer und Gemeinderatskandidat, Sedjan Velickov, Mitglied der Taxikommission, Richard Wolff, Stadtrat und Vorsteher des Sicherheitsdepartements und Markus Bischoff, Kantonsrat und Präsident des Gewerkschaftsbundes. Der Saal ist gefüllt mit Leuten aus allen Abteilungen des Taxi-Gewerbes, viele von ihnen stehen noch in den Türen. Offenbar haben sie nur auf eine Gelegenheit gewartet, ihre Anliegen vorzubringen. Die Diskussion beginnt mit einer Lagebestimmung. Das Einkommen in der Branche war früher schon bescheiden, sagt Schnidrig. Doch mit der Zeit kamen immer mehr Taxis auf den Markt und gleichzeitig machten sich diverse Transporte, die früher das Taxi übernommen hatte, selbstständig und benötigten keine Chauffeure mehr. Dann wurde der verbindliche Fixtarif abgeschafft und plötzlich war das Feld offen für Uber und ähnliche Unternehmen.

 

Velickov legt daraufhin den Fokus auf die Mängel der Stadttaxis selber. Viele seien schmutzig oder beschädigt und häufig nicht ausreichend gekennzeichnet (etwa in der Frage, ob sie Kreditkarten nehmen oder nicht). «Ohne Kontrolle schafft man gar nichts», sagt er, und schlägt vor, dass Taxifahrer zusammen mit Kontrolleuren patrouillieren sollen, damit Informationen über die reelle Lage an den Stadtrat gelangen. Er merkt weiter an, um die Taxifahrer habe sich lange niemand gekümmert; ausser zwei Demonstrationen habe weder die Unia noch die Taxi Union der Schweiz etwas organisiert.

 

Verschiedene Gesetze

Dass die Fahrer sich vernachlässigt fühlen, wird im Gespräch deutlich. Als Wolff bemerkt, UberPop habe sich zurückgezogen, widerspricht der Saal laut. UberPop sei zwar mittlerweile illegal, doch man könne auf den Strassen immer wieder beobachten, dass es noch existiere. Ausserdem können viele Taxifahrer nicht nachvollziehen, warum sie so hart gebüsst werden, wenn sie nur schon eine Pause nicht einhalten, während Uber kaum mit Kontrollen rechnen muss. Diese fehlenden Kontrollen sind zu einem grossen Teil daran festzumachen, dass Uber-Autos nicht gekennzeichnet sind – sie lassen sich nicht von normalen Personenwagen unterscheiden. Da Uber ausserdem offiziell als Limousinen-Service gilt, bestehen für die Firma andere Gesetze als für Taxis. Dies stösst bei den Taxifahrern wiederum auf Unverständnis, denn sie sehen tagtäglich, dass Uber wie ein gewöhnliches Taxiunternehmen fungiert; und das, obwohl Uber-Fahrer nicht wie Taxichauffeure mehrere Fahrprüfungen ablegen und Erfahrung vorweisen müssen.

 

Ein Unterschied in der Behandlung liege auch darin, dass Uber vorgibt, nur eine gewisse Anzahl Fahrten im Monat vorzunehmen. «Es ist klar, dass da betrogen wird», sagt Bischoff dazu und führt aus, dass so auch das Zahlen von Steuern und Sozialversicherungen umgangen werde. Schon darum kann Uber es sich leisten, billiger zu sein als Taxis.

 

Uber ist aber nicht das einzige Problem der Branche. Die Taxifahrer bemerken auch, dass die Stadt am Wochenende überschwemmt wird von Landtaxis, die eigentlich nur das Recht hätten, Leute in die Stadt oder aus ihr heraus zu bringen. Auch die Abschaffung von Stellplätzen am Hauptbahnhof mache zu schaffen und Velickovs Anmerkung, dass im Falle einer Baustelle die Taxiplätze das erste seien, das wegmüsse, sorgt im Saal für zustimmendes Gemurmel.

 

Lösungsvorschläge

Viele der Anwesenden verkneifen sich ihre letzten Kommentare, als Gesprächsleiter Angst zur Sammlung von Lösungsvorschlägen auffordert. Bischoff fordert klar die Einführung von Mindestpreisen, doch dies ist nach gültigem Reglement nicht möglich; dazu müsste erst das Gesetz geändert werden. Über eine höher frequentierte Kontrolle von Land- und Stadttaxis könne man hingegen durchaus reden, meint Wolff. Auch eine Kennzeichnungspflicht für Uber-Autos wird allgemein als gute Idee aufgefasst. Wolff nimmt sogar den eher scherzhaft gemeinten Vorschlag eines Chauffeurs auf, in der Innenstadt sollten neben Fussgängern nur noch ÖV, Velos und Taxis erlaubt sein, und fordert den Saal auf, dazu eine Initiative zu lancieren. Ausserdem wird eine Aufnahme der Taxi-Unternehmen in den Service public besprochen. Es besteht aber die Befürchtung, dass dies dazu führen würde, dass viele Fahrer ihre Lizenz abgeben müssten, denn es gibt schlicht zu viele von ihnen. Klar ist, dass das Vorgehen gegen Uber alleine nicht ausreicht: «Mit Schimpfen gegen Uber gewinnt man den Kampf noch nicht», sagt Bischoff, und Wolff betont, dass die Taxifahrer sich unter sich organisieren und mit Politikern verbünden müssen – nur so sei etwas zu erreichen.

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