Scheiden tut weh

Angelina Jolie und Brad Pitt haben sich getrennt. Warum nur, dachte ich mir, warum muss man denn immer grad scheiden. Und ja, ich sehe es schon, es gäbe durchaus Wichtiges zu denken und schreiben, aber es ist nun einmal genau das, was mich umtreibt, nicht das vergangene Abstimmungswochenende, nicht der amerikanische Wahlkampf oder die Session mit dem knappen Burkaverbot (ein bisschen komme ich zwar noch dazu), nein, ich muss über Beziehungen nachdenken. Weil, ich bin da etwas altmodisch geraten oder einfach pragmatisch und nicht so für Trennungen, nur weil es gerade schwierig ist, und deshalb beschäftigt mich diese Scheidung.

Mein Besuch in der Ikea letzten Samstag hat ganz und gar keine Ablenkung gebracht, im Gegenteil. Die Ikea ist nämlich voll von Brangelina-Kopien, Paaren also, die fulminant gestartet sind, bei denen zu Beginn sicher auch alles wunderbar gepasst hat und bei denen es jetzt mit einem Mal nicht mehr so hübsch aussieht. Vielleicht sind es einfach die Jahre, die man schon zusammen ist, eine falsche Sicherheit, in der man sich wiegt, weil der andere da ist und vermutlich auch bleibt, man gibt sich nicht mehr so Mühe, das macht dann hässig, leichtsinnig – und tätsch, ist man auseinander.

Man versteht plötzlich sehr viel über Beziehungen, wenn man so durch die Gänge schlendert und erkennt, dass dieser Lampenschirm da wohl nicht nur über die Wohnzimmerbeleuchtung, sondern über das ganze zukünftige Leben dieses einen Paares entscheiden wird, und man erkennt: Vor solchen Lämpen ist keine Beziehung gefeit. Auch nicht die zwischen einer Partei und ihren Mitgliedern.

Dieses Thema hat ja zu meiner eigenen Überraschung die Sommerpause überdauert. Ich dachte noch, das sei halt so ein typisches Saure-Gurken-Manöver. Aber dann erschien erst vor wenigen Tagen wieder ein Text dazu. «Sie siegen und irritieren die Genossen», ist der Titel des Artikels im ‹Tagi›. Die Journalistin beschreibt darin, wie Exponentinnen und Exponenten der Sozialdemokratischen Partei mehr oder weniger knapp und mit vollem Bewusstsein an den Parteipositionen vorbeischrammen und damit bei den Bürgerlichen punkten.

Nun, es ist schon ok. Obwohl ich mich regelmässig ärgere über diese Provokationen von links nach links, die unsereins an den Standaktionen dann wieder ausbaden darf. Aber ich bemühe mich. Auch wenn ich nie so recht verstehen werde, wie man – seitens Journalisten ebenso wie seitens ProtagonistInnen – ständig auf diese wichtigen Stimmen in der Mitte oder rechts davon verweisen kann, ohne dabei zu erwähnen, dass es den Sockel linker Stimmen als Basis braucht. Ohne den ist nämlich alles nichts, auch im konservativen Kanton Zürich. Aber es ist ok und ich bemühe mich, denn ich finde Meinungspluralismus gut, und ich will ihn auch innerhalb der SP gut finden.

Zuweilen aber, das will ich gerne zugeben, ist es auch nicht so ok. Dann nämlich, wenn ich mir Brangelina anschaue und darüber klar werde, dass die beiden im Duo zwar fast übernatürlich sexy sind, je alleine aber irgendwie nicht so. Das gilt auch für Genossinnen und Genossen, die die Provokation bewusst suchen. Mit so halbrechten Parolen ist nur Schlagzeilen zu machen, wenn man sie von links einspielt. Erst die Diskrepanz zwischen dem Parteibuch des Absenders und der politischen Verortung der Aussage macht diese sexy. Und ebenso gilt für die Partei, dass sie für gewisse Ämter nur dann Chancen hat, wenn sie bewusst Mitglieder dafür ins Rennen schickt, die auch im anderen Lager ankommen.

So ganz alleine ist nämlich weder die Partei noch der Politiker sexy genug. Man täte also beidseits gut daran, sich Mühe zu geben und diese Beziehung nicht als zu selbstverständlich anzusehen. Sonst wird man hässig, leichtsinnig und – tätsch, ist man auseinander. Und man will ja nicht immer grad scheiden.

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