- Stadt Zürich
Saudi-Arabien sehen und schweigen
Andreas Schmocker, grauer Anzug, steht in der Mitte des Bildes und hält etwas verloren einen FCZ-Wimpel in den Händen. Schmocker ist 2024 als Geschäftsführer zum FCZ gewechselt. Zuvor war er dreieinhalb Jahre bei GC tätig, zuletzt als «Director of Commerce & Sales». Nach der neuesten Umstrukturierung ist er beim FCZ nun Leiter Administration ad interim. Die Geschäftsführung hat der Präsident Ancillo Canepa vorübergehend gleich selbst übernommen. Neben dem Vertreter des FCZ steht Yasmine Chatila Zwahlen, Schweizer Botschafterin in Saudi-Arabien. In einem auf Englisch verfassten Post der Botschaft auf der Plattform LinkedIn heisst es, das Treffen sei ein «zukunftsorientierter Austausch über eine mögliche Zusammenarbeit im Königreich» gewesen.
Dabei sei es unter anderem um «Initiativen zur Einbindung junger Menschen und saisonale Ausbildungsprogramme sowohl in der Schweiz als auch in Saudi-Arabien» gegangen. Der FC Zürich habe grosse Kompetenzen im Sport, und die Förderung des Frauenfussballs, für die der Verein stehe, passe zu den Prioritäten des Königreichs. Der Post wurde aber scheinbar nicht mit dem FCZ abgesprochen. Kurz nach der Veröffentlichung kommentierte der offizielle Account des FCZ nämlich, dass man sich für den freundlichen Empfang bedanke, aber keine Pläne habe, nach Saudi-Arabien zu expandieren. Warum also kam es überhaupt zu diesem Treffen?
FCZ fragte Treffen an
Eine Anfrage an die Schweizer Botschaft in Saudi-Arabien des P.S. wird von der Medienstelle des Schweizer Aussendepartements beantwortet. «Die Vertreter des FC Zürich haben die Schweizer Botschafterin für ein Treffen angefragt.» Zum Inhalt heisst es von der Medienstelle nur: «Beim Gespräch erläuterte die Botschafterin den Vertretern des FC Zürich die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung im Land.» Auch der FCZ will nicht genau verraten, was man sich vom Treffen in Saudi-Arabien erhofft.
Auf die Fragen, wie es zum Besuch kam, ob neben Andreas Schmocker weitere FCZ-Mitarbeiter:innen in Saudi-Arabien waren, ob für den FCZ irgendeine Form von Zusammenarbeit denkbar wäre und wie eine solche Zusammenarbeit mit dem Engagement des FCZ gegen Homophobie und Diskriminierung einhergehen soll, zu dem sich der FCZ mehrmals öffentlich bekannt hat, antwortet die Medienstelle nur pauschal: «Wir haben am Wochenende die Social-Media-Posts der Schweizer Botschaft in Saudi-Arabien zur Kenntnis genommen und mit unserem Kommentar umgehend Stellung bezogen sowie für Klarheit gesorgt. Gerne halten wir an dieser Stelle nochmals ausdrücklich fest, dass der FC Zürich keine Pläne hat, nach Saudi-Arabien zu expandieren.» Wirklich klar, was das Ziel des Besuchs war, wird aus dieser Antwort nicht. Auf seinen eigenen Kanälen hat der FCZ auch zwei Wochen nach dem LinkedIn-Post der Schweizer Botschaft nichts zu einer Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien kommuniziert.