Category Kultur

Zwischen Stuhl und Bank

Der flämische Zeichner und Maler James Ensor (1860 – 1949) ist über Kunstkreise hinaus kaum bekannt und auch sein eigenwilliges Werk bleibt weitestgehend nicht eindeutig fassbar, weil es vor Zwiespälten nur so strotzt. David Schmidhauser rückt ihn jetzt – in Kombination mit dem Zugpferd Picasso – im Kunstmuseum Winterthur/Reinhart am Stadtgarten anhand seines graphischen Werkes und einiger Gemälde ins örtliche Bewusstsein.

«Entweder ich male oder ich bin unglücklich»

Nach den Ausstellungen im Kunstmuseum Winterthur mit Werken von Gerhard Richter in jüngerer Vergangenheit – «Streifen auf Glas» und «100 Selbstbildnisse» – widmet jetzt auch das Kunsthaus Zürich dem berühmtesten lebenden deutschen Maler eine grosse Einzelausstellung mit dem Fokus auf die Landschaft.

Verführen mit Weissraum

Christian Brändle lenkt im Museum für Gestaltung das Augenmerk auf das Werk von Alexey Brodovitch (1898 – 1971), einen der gewichtigen Pioniere der modernen Grafik. Für die Umsetzung dieses Herzenswunsches hat der Direktor des Hauses in den letzten acht Jahren die «weltweit umfassendste Sammlung» seiner Werke zusammengetragen, die von Preziosen aus der hauseigenen Plakatsammlung ergänzt, seinen nachhaltigen Einfluss auf die Grafik bildhaft darstellt. Allein seine Vita kommt etwas zu kurz.

«Gierig darauf, die Welt zu sehen»

Die kluge Hängung der Abzüge in der Fotostiftung Schweiz widerspiegelt die Haltung der Fotografin Pia Zanetti (*1943) wie von allein. In der Summe aus empathischer Menschenzuneigung, scheuklappenfreier Neugierde und einem ausgeprägten Arbeitsethos bei zeitgleich situationssicherem Blick und handwerklichem Können resultieren Reportagen, die wirken, als erzählten sie ihre Geschichten ganz spielerisch und mühelos. 

Mädchenzimmerrosa zum Trotz

Die Ausstellungsinszenierung von Iris von Rotens «Frauen im Laufgitter» durch Mass&Fieber alias Brigitte und Niklaus Helbling ist eine angenehm unaufdringliche, wenngleich wenig unterschwellige Aufforderung, ihre «Offenen Worte zur Stellung der Frau» von 1958 zu lesen.

Realitätsverschiebung

Film und Papierkopien sind nicht die Medien, deren Erstassoziation in Richtung bildender Kunst deutet. Die Ausstellungspräsentationen von Jaqueline Fraser und von Pati Hill in der Kunsthalle Zürich sind denn auch vielmehr als Brückenbauten zu ihren Universen zu lesen.

Das Private ist politisch

Sport, Arbeit, Gesundheit, Mode, Politik. Fünf Pionierinnen stehen mit ihren Geschichten für den erkämpften gesellschaftlichen Wandel seit den 1970er-Jahren im RTS-Podcast «chères pionnières» von Sarah Clément und Juliane Roncoroni. Die Historikerin Pauline Milani ergänzt die Erzählungen mit Zeitgeistkontext.

Bilanz eines Hoffnungsträgers

«A Promised Land», die 1000-seitige Biografie von Barack Obama (welche nur die Zeit bis Mai 2011 abhandelt, ein zweiter Band wird folgen), nimmt uns auf eine Reise mit, mit in die beinahe unschuldigen Vor-Trump-Zeiten, die mittlerweile gefühlsmässig schon weit zurückzuliegen scheinen.

Sechs Prisen Neustalgie

Weil die Welt grad wieder einer Scheibe gleicht, sind auch Flanieren und Stöbern in ihren sinnlichen Komponenten auf das Bildschirmformat eingeschränkt. Immerhin sind darin, so suggeriert die Heileweltsehnsucht, mit den sechs Kurzfilmen «Kurt Früh reloaded» kleine Fluchten in die Schwelgerei mit fein dosierter Sozialkritik möglich. 

Klassenkampf gegen Google?

Ein dickes, dichtes Heft und ein kleines, keckes Büchlein gegen den vermeintlich alternativlos expandierenden Online-Kapitalismus. Wäre mit entschlossenen Kämpfen um digitale Demokratie auch eine andere analoge Welt voranzubringen? Sogar mit vernünftiger Wirtschaft und nachhaltigen Unternehmen? Völlig abwegig scheinen solche Hoffnungen nicht.