Category Kultur

Im Dämmerzustand der Traumphase hülfe bloss das Aufwachen. Bild: Gregory Batardon

Mephistos Liebreiz

Unerschrockenheit und Panik sind Geschwister im Geiste, die sich immer nur um Haaresbreite voneinander unterscheiden, aber mit Gewissheit jede Dominanz allein unter sich ausmachen. Marcos Morau stellt mit «Nachtträume» ein äquivalent verzückend-bedrohliches Tanztheater auf die Bühne.

Bild: zVg

Landlos

Den eigenen Untergang vor Augen, entwickelt jede Generation eine verschiedene Methodik, um vor lauter Existenzangst nicht komplett im roten Bereich zu drehen.

Bild: zVg

Die dicke Diva

François Ozon dreht die Perspektive von Rosa von Praunheims Anklage in «Nicht der Homosexuelle ist pervers …» um.

Opulenz für Optik und Intellekt. Niki Charitatible Arts Foundation/Pro Litteris. Foto: Franca Candrian.

Frechheit lohnt sich

Der zeitgeistigen Tyrannei eines Uniformitätszwangs mit zuletzt doch nur dem einen Ziel finanziellen Reichtums stellt die Retrospektive über Niki de Saint Phalle im Kunsthaus Zürich eine eigenwillige, lustvolle und mutige Infragestellung entgegen.

Ambivalenzen

«Ist das jetzt kulturelle Aneignung oder gelungene Integration», fragt Uta Köbernick in ihrem neuen Programm, in dem sie zwei Stunden lang vermeintlichen Gewissheiten eine Rutschpartie auf dünnem Eis gönnt.

Franziska Laur: Die Schatten der Ahnen. Niedergang einer Schweizer Familiendynastie. Zytglogge, Basel 2022, 376 Seiten, davon elf Seiten mit dokumentarischen Schwarzweiss-Fotografien, Fr. 34.–

Geprägt für Generationen

Franziska Laur legt ein eindrückliches Familienporträt vor. Über mehrere Generationen hinweg dominierte ein Mann mit Macht sein privates Umfeld. Frauen spielten meist mit, Nachkommen entkamen dem Schatten nicht schadlos. Die verknüpften (Über-) Lebensberichte illustrieren mit vielen exemplarischen Episoden auch ein Jahrhundert schweizerischer Agrar-, Regional- und Landesgeschichte.

Das starre Stereotyp hält sich hartnäckig. Max Grüter: «Familie» aus der Serie «Vorgefertigt», 1997. Foto: Andri Stadler

Wie kommts?

Der Titel zur aktuellen Ausstellung von Céline Gaillard und Simone Kobler im Kunst(Zeug)haus Rapperswil/Jona ist mit «Familiensache» klug zweischneidig gewählt. Die hier präsentierten Aspekte von Familie sind besitzergreifend und ausschliessend, aber entsprechen kaum je einer ersehnten Zufriedenheit.

Mit dem Schulwechsel der 14-jährigen Tochter gerät auch das starre Selbst­schutzkonzept der Mutter aus den Fugen. zVg.

Öffnung

Als Kind waren Joe (Hermela Tekleab) die Erzählungen ihrer Mutter Semret (Lula Mehbratu) über die Flucht aus Eritrea, den Verbleib ihres Vaters und die Nichtexistenz jeglicher Verwandtschaft Antworten genug. Mutter und Tochter lebten in einem symbiotischen Kokon der Abschottung. Wenn Semret aus ihren Albträumen aufschreckte und sich bei ihrer Tochter unter die Bettdecke schlich, war das für Joe so normal wie jede mütterliche Strenge bezüglich ihres Freizeitverhaltens.

Ohne Polemik verkauft sich nichts

Anhand von Aufstieg und Fall eines begnadeten Poeten verfilmt Xavier Giannoli zweihundert Jahre nach Honoré de Balzac dessen Sittengemälde «Illusions perdues». Mit seiner virtuos spitz geführten Feder wird das Funktionieren von Marktmacht, Opportunismus und Erfolgsrausch so kunstfertig seziert, dass einen die Parallelen zur Aktualität erschaudern lassen.

Suggerierte Balance

Die Papiercollagen von Elisabeth Wild (1922 – 2020) und die raumgreifenden Metall-, Glas- und Steinskulpturen von Jose Dávila (*1974), die derzeit parallel zueinander im Haus Konstruktiv zu sehen sind, finden erst in ihrer Wirkung zu einer Gemeinsamkeit. Ist sie erkannt, kommt das Gedankenkarussell in Fahrt.