(Bild: Arthur Schäppi)

Regierungsrat «entsorgt» hoch umstrittene Deponie

Nach heftigem Widerstand kippt der Regierungsrat jetzt den Deponiestandort im Horgner Längiberg hart an der Grenze zu Wädenswil aus dem kantonalen Richtplan. Und beharrt aber weiterhin auf einem nicht minder umstrittenen neuen Standort im Waggital im Wädenswiler Berg. Über die Richtplanrevision und damit über das Schicksal des Längiberg sowie 19 neue Standorte und die Erweiterung von zwei weiteren Standorten entscheidet nun der Kantonsrat.

Protestplakate in und um die Rietwies an der Grenze von Horgen und Wädenswil zeugen vom mit der anstehenden Richtplanrevision neu aufgeflammten Widerstand von Bevölkerung und Behörden gegen den im dortigen Erholungs- und Landwirtschaftsgebiet vom Kanton geplanten Deponiestandort Längiberg. Mit einer breiten Kampagne warnt dort der Verein «Nein zum Längiberg» mit seinen mittlerweile 1100 Mitgliedern vor der «Lagerung von Giftmüll», der «Zerstörung eines Naherholungsgebiets und von Kulturlandverlust» und vor massivem Schwerverkehr. 

Auf Rückendeckung zählen können die Opponenten auch von der regionalen Planungsgruppe Zimmerberg und den Behörden von Horgen und der unmittelbar angrenzenden Stadt Wädenswil.  Auch der Horgner Gemeinderat beklagt, dass «ein besonders schützenwerter Lebensraum mit diversen bedrohten Tier- und Pflanzenarten betroffen» wäre und fordert ebenfalls die Streichung des seit vielen Jahren im Richtplan aufgeführten Standorts. Kampfentschlossen gibt sich auch der Wädenswiler Stadtrat, der insbesondere die Deponieerschliessung mit Lastwagen durch das Wohngebiet des Wädenswiler Ortsteils Au fürchtet. 

Erst ein Etappensieg

Jetzt können die Deponiegegner aufatmen – fürs Erste zumindest. Nach dem Anhörungsverfahren für die Gemeinden hat der Regierungsrat gestern seine bereinigte Richtplanrevision zuhanden des Kantonsrats veröffentlicht. Er sieht kantonsweit die Festsetzung von noch 19 von ursprünglich 23 neuen Standorten und die Erweiterung von zwei bestehenden für nicht recyclierbare Abfälle vor. Der Längiberg aber ist im regierungsrätlichen Antrag gestrichen. Mit der Begründung, dass dort «schützenswerte Naturflächen tangiert» wären, die «Zufahrt schwierig» wäre und es in der Region «weitere, besser geeignete Standorte» gebe. Da jetzt noch der Kantonsrat entscheiden muss, hüten sich indes die Gegner vor voreiligem Jubel. Erst recht in Wädenswil. Denn dort beharrt der Regierungsrat auch in seinem Revisionsantrag weiterhin auf einem neuen Standort im Landwirtschaftsgebiet «Waggital» im Wädenswiler Berg. Und zeigt sich damit unbeeindruckt vom Widerstand des Wädenswiler Stadtrates und einer Petition mit über 2400 Unterschriften der IG Waggital. Die Regierung verspricht dort lediglich «Sicht und Lärmschutzmassnahmen für den nahegelegenen Weiler», da der Standort «in landwirtschaftlich genutzter Hügellandschaft gut einsehbar» sei. Und Priorität hätten dort auch in der Nähe vorgesehene Windräder. Bei der IG beklagt man vor allem den Kulturlandverlust. Auch der Stadtrat erachtet das Waggital – unweit eines Schulhauses – als ungeeignet und unnötig. Inakzeptabel sei der neue Standort auch deshalb, weil der Kanton schon vor Jahren zwei weitere Standorte im Wädenswiler Berg im Richtplan festgesetzt habe. Nämlich beidseits des Autobahnanschlusses im Neubüel und Luggenbüel.