Rechtsstreit um 400-jähriges Wohnhaus geht in die nächste Runde

Ein 1657 erbautes Wohnhaus in Kilchberg bleibt weiterhin ein Zankapfel. Es soll einem Coop-Neubau mit Wohnungen weichen, doch der Zürcher Heimatschutz stemmt sich dagegen und zieht nun erneut vor das Zürcher Verwaltungsgericht.

Das Doppelwohnhaus an der Bahnhofstrasse 12 in Kilchberg ist aus Sicht des Zürcher Heimatschutzes (ZVH) ein kulturhistorisch wertvolles Zeugnis aus dem 17. Jahrhundert. Seit seiner Errichtung sei es nie wesentlich baulich verändert worden – ein rarer Befund in der Region Zürich. «Ein Gebäude, das vor fast 400 Jahren in einem Zug gebaut und seither weder aufgestockt noch durch Anbauten erweitert wurde, ist eine Seltenheit», betont Martin Killias, Präsident des Zürcher Heimatschutzes. Die unregelmässige Fensteranordnung und die massive Steinbauweise gelten als weitere Indizien für den authentischen Charakter der Bausubstanz und für die wohlhabende Herkunft der einstigen Bauherrschaft. Besonders scharf kritisiert der ZVH das aus seiner Sicht unzureichende Vorgehen der Behörden. Trotz grosser historischer Bedeutung sei das Innere des Hauses nie systematisch untersucht worden. «Es ist nicht auszuschliessen, dass unter späteren Verkleidungen originale Bauteile verborgen sind», erklärt Martin Killias. «Ein paar gezielte Sondierungen an Decken, Böden und Wänden hätten gereicht – das Versäumnis, diese nicht vorzunehmen, ist schlicht unprofessionell.» 

Konflikt mit langer Vorgeschichte

Der Konflikt um das Haus ist eng mit der seit Jahren laufenden Zentrumsplanung beim Bahnhof Kilchberg verknüpft. 2007 legte die Gemeindeversammlung ein Nutzungskonzept für das Areal fest, 2011 wurde der Grossverteiler Coop als Investor gewonnen. Nach langen Verhandlungen entstand ein Gestaltungsplan, der 2018 sowohl an der Gemeindeversammlung als auch in einer Urnenabstimmung bestätigt wurde. Ein Rekurs gegen die kantonale Genehmigung scheiterte 2019. 

Parallel dazu entwickelte sich der Rechtsstreit um das Doppelwohnhaus an der Bahnhofstrasse. Bereits vor Jahren hatte der Gemeinderat entschieden, es nicht ins Inventar aufzunehmen. Trotz Abbruchbewilligung stellte man das Gebäude 2023 auf Druck des Zürcher Heimatschutzes unter Schutz. 2024 wurde das Haus aus dem Inventar entfernt, was das Baurekursgericht im April 2025 bestätigte. Es verwies dabei auch auf die bereits getätigten Planungskosten des Grossverteilers sowie auf andere «qualitätsvolle Zeugen jener Epoche», welche die Gemeinde Kilchberg bereits unter Schutz gestellt und inventarisiert hatte.

Der Rechtsstreit geht weiter

Doch der Zürcher Heimatschutz lässt nicht locker. Die neue Beschwerde vor dem Verwaltungsgericht zielt erneut auf den Schutzstatus des Hauses ab – verbunden mit der Forderung, vor dem Abriss eine gründliche denkmalpflegerische Untersuchung durchzuführen. «Allein der nahezu unveränderte Baukörper aus dem Jahr 1657 ist von grosser kulturgeschichtlicher Bedeutung», so Martin Killias. «Wenn man ein solches Gebäude abreissen will, braucht es eine sorgfältige Abklärung – die bisherige Vorgehensweise ist aus unserer Sicht einfach unseriös.» Damit bleibt weiterhin ungewiss, wie es mit dem geplanten Coop-Neubau weitergeht. «Wir halten an unserem eingegeben Neubau-Projekt fest», schreibt die Coop-Medienstelle auf Anfrage. Bis zum Entscheid des Verwaltungsgerichts dürfte erneut einige Zeit vergehen. Klar ist: Das juristische Ringen um das alte Wohnhaus in Kilchberg geht in die nächste Runde – und ein Ende ist (noch) nicht in Sicht.