(Bild: Rob Lewis)

Privatvermögen

Die Überidentifikation des Arbeitsnehmers mit seiner Aufgabe kollidiert mit dem Begehren um den Schutz des Eigentums des Arbeitgebers.

Mittelständische Familienunternehmen müssen keine kleinen Klitschen sein. Ihr Ursprung mag, wie es bei der Gründung des Vorläufers der heute multinationalen Handels- und Beteiligungsholding Tengelmann im auslaufenden 19. Jahrhundert der Fall war, in einem einzelnen Geschäft für Kolonialwaren gelegen haben. Wem es glückte, die Weltwirtschaftskrise und die grossen Kriege als Unternehmen zu überleben, konnte mit einem Vorsprung ins Eldorado des Wirtschaftswunders starten. Als Dennis Schwabenlands Vater Heribert direkt nach dem Studium mit der Aussicht darauf, selbst einmal Einkäufer zu werden als Assistent in den Hauptsitz der prosperierenden Supermarktkette einsteigen konnte, zog die Familie selbstverständlich mit Sack und Pack der Arbeit des Familienernährers hinterher. In der Tat kams wie erhofft. Er wurde Chefeinkäufer für die Belange des Freizeit-Gartenbedarfs, stellte eigenhändig eine effizientere Logistik auf, baute Handelsbeziehungen für Direktimporte auf und revolutionierte die Verkaufspräsentation. Er arbeitete von acht bis acht und erzielte mit «seinen Produkten» einen Umsatzzuwachs von zunächst zweihundert Prozent, der bis zum jähen Ende seiner Karriere auf viertausend Prozent oder stolze 150 Millionen D-Mark anwuchs. Der alte Patron mit einem ausgeprägten ethischen Bewusstsein wurde von den Marktturbulenzen in den 1990er-Jahren überrumpelt und sah sich nicht in der Lage, sich den neuen Anforderungen anzupassen. Er übergab an die Söhne. Der älteste war mit HSG- und McKinsey-Wassern gewaschen, stellt also die Zahlen über alles. Wie das Kind mit dem Bade schüttete er den bisherigen Anspruch, alle Mitarbeiter:innen als eine Art Familie anzusehen aus. Aber wie wird man einen altgedienten, loyalen und den Zahlen nach erfolgreichen Mitarbeiter effektiv und kostensparend los? Für die Zusage einer weiteren Kreditlinie hätten die Eigner aus ihrem milliardenschweren Privatvermögen Gelder zuschiessen müssen. In «Mülhlheim Absturz Ruhr» rekon­struiert der Sohn die Familiengeschichte und verknüpft sie mit jener der Firmeninhaber. Basierend auf Gesprächen mit dem Vater. Wobei gerade dies sich als Herausforderung herausstellte. Denn die Scham über angeblich eigenes Versagen verschnürte ihm die Stimme. Jahrelang lebten seine Eltern stumm und voneinander separiert nebeneinander her, einzig schwelgend in den Erinnerungen an die früheren Hochzeiten. Kein Klagen, kein Neid, nur stummes Ertragen und Leiden.

«Mühlheim Absturz Ruhr», bis 26.3., Theater Winkelwiese, Zürich.