Parabel

 

Im Kino: Eine Humanistische Parabel über Sehnsüchte

 

Drei einander entgegengesetzte Absichten rund um ein einziges Thema verknüpft Pierre Maillard in «De l’autre côté de la mer» in eine Parabel. Der ehemalige Kriegsfotograf Jean (Carlo Brandt) kehrt Jahre nach seinem letzten Einsatz, den er mit einem tiefschürfenden psychischen Knacks bezahlt hatte und dessentwegen er seither nur noch Natur, also Bäume, fotografiert, zurück an den Kriegsschauplatz Albanien. Ein örtlich ansässiger Priester (Michele Venitucci) hat sich, vergleichbar mit Jean, in ein inneres Exil zurückgezogen, wird aber qua Profession, was in diesem Falle auch Berufung meint, praktisch dazu gezwungen, weiter das Bestmögliche aus allen Situationen herauszuholen, wenn es um die Rettung von Menschen und ihren Seelen geht. Auch wenn das heisst, sich mit mafiösen Schlepperbanden zu verbünden, um die an Leib und Leben bedrohten Menschen zumindest theoretisch einer besseren Zukunft zuführen zu können. Zum Dritten ist die junge Frau Mira (Kristina Ago) in einer Art Romeo und Julia-Zwickmühle gefangen, die sie infolge noch immer praktizierter Blutrache als potenzielles nächstes Tötungsopfer die Flucht über die Adria nach Italien antreten lässt. Der Erzählstil von Pierre Maillard wirkt italienisch überdeutlich blumig und belässt wenig Offen- oder Unklarheit hinsichtlich einer möglichen Deutung für das Publikum. Das ist gewöhnungsbedürftig, in sich letztlich aber stimmig. «De l’autre côté de la mer» verknüpft drei Haupt- und mehrere Nebenerzählstränge menschlichen Leids in verschiedenen Perspektiven. Es ist eine hoffnungslose Grundstimmung, die der Filmemacher mit schaurig schönen Bildern von verlassenen, einst riesigen industriellen Produktionsstätten im heutigen Nirgendwo trefflich inszeniert – ebenso wie mit menschenleeren Fähren, die für eine Tourismusdestination ausgelegt sind, aber kriegsbedingt nie auch nur in die Nähe der Ausschöpfung ihrer ganzen Kapazität gebraucht wurden und heute ein Bild einer bedrohlichen Endzeitstimmung abgeben. In den Sehnsüchten sind sich die drei verschiedenen Figuren in dieser tief humanistischen Parabel nahezu gleich. Es ist eine Sehnsucht nach Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung, verbunden mit der Suche nach individuellem Glück, das zuletzt wiederum sehr universell wird. Ein Plädoyer. froh.

 

«De l’autre côté de la mer» spielt im Kino Stüssihof.

nach oben »»»