(P.) S. O. S. !

Ich glaube, ich hatte selten derart Mühe, Zeichen zu produzieren wie bei diesem Text. Hätten Sie mir vor vier Jahren, als ich noch Praktikant war, gesagt, dass ich einige Jahre später Verleger des P.S. werden würde – ich hätte gelacht. Es ist nicht so, dass mir das Lachen heute vergangen ist, im Gegenteil. Allem voran freue ich mich auf diese Aufgabe. Auch wenn es keine einfache ist. Und auch wenn dieser Wechsel unter ebenso nicht einfachen Vorzeichen passiert.

Vor zehn Jahren hat Min Li Marti eine Dampfmaschinenfabrik, einen Dinosaurier, oder was auch immer, was man als Metapher für eine Entität mit gewissem Alter wählen will, übernommen. Als sozusagen-Historiker (das Diplom habe ich noch nicht erhalten, und an dieser Stelle auch eine kurze Frustration meinerseits: Mein Masterabschluss hätte stresstechnisch nicht auf eine ungünstigere Woche wie diese fallen können…) habe ich sicherlich die Tendenz inne, mich gerne auf die Vergangenheit zu fokussieren. Aber hier soll es und vor allem muss es um die Zukunft des P.S. gehen.

Die Zukunft des P.S. ist in Gefahr. Das ist grundsätzlich nichts Neues, das wissen Sie wohl besser als ich mit meinen vier Jahren Erfahrung in der P.S.-Redaktion. Und natürlich sind es auch Symptome eines Übels, unter dem die gesamte Medienbranche leidet. Die Frage ist, wie wir damit umgehen, dass die Inserateeinnahmen geschwunden sind, dass die Sichtbarkeit einer Printzeitung im Web und auch analog daran gekoppelt ist, wie viel finanzielle (und personelle) Ressourcen man in diese Reichweite stecken kann, oder dass unser Publikum älter wird und nicht durch ‹Nachwuchs› konstant gehalten werden kann oder gar wachsen kann. Es ist nicht so, dass wir nicht versucht hätten, diese Faktoren und Tendenzen abzufedern, die die roten Zahlen röter machen. Seit der letzten Rettungsaktion haben wir es geschafft, unsere Ausgaben zu stabilisieren und auch zu minimieren – ohne einen Kahlschlag, in dem die halbe Redaktion entlassen wurde, wie man die Probleme anderorts zu lösen versucht hat, letztendlich aber lediglich an Qualität eingebüsst hat. Was noch immer fehlt, sind einige hundert Abonnent:innen mehr. Das heisst auch, dass wir noch immer relativ tiefrote Zahlen schreiben.

Wir hoffen, dass Sie uns mit dieser Rettungsaktion die nötige Luft verschaffen, uns durch dieses Jahr zu ziehen. Wir wollen aber auch nicht, dass Sie lediglich unser Defizit ausgleichen und wir dieselbe Übung in zwei Jahren wiederholen müssen. Wir können uns nur von diesen Rettungsaktionen, die wir historisch alle paar Jahre vollziehen mussten, befreien, wenn wir in die Offensive gehen. Und auch wenn es nicht so einfach ist, wie es klingt, kann es kein Ding der Unmöglichkeit sein, die letzte und vor allem einzige linke Lokalzeitung Zürichs in einem Kanton, in dem alle grösseren urbanen Zentren mehrheitlich links wählen, nicht an einige hundert Personen mehr bringen zu können.

Für mich als neuer P.S.-Verleger heisst das einerseits: Wir müssen unserem Publikum, dem wir es überhaupt verdanken, diese Zeitung noch herausgeben zu können, die Sicherheit geben, dass wir nicht alles komplett auf den Kopf stellen. Das P.S. bleibt eine wöchentliche Printzeitung mit derselben Art von Inhalten, die Sie sich gewöhnt sind. Gleichzeitig gilt es, sichtbar(er) zu sein und sich in Zürich klar zu positionieren – gegenüber jenen, die links wählen, diese Wahl aber vor allem auf politischer Ebene vollziehen und nicht in der Wahl ihres abonnierten journalistischen Produkts. Wie wir das erreichen wollen, will ich Ihnen – auch um ihr Vertrauen zu gewinnen, dass ich dieser Aufgabe gerecht werden kann – alle zwei Wochen in einem Lagebefund konkret vermitteln. Ich hoffe, Sie sind ebenfalls gespannt, was wir dieses Jahr vorhaben. Besonders wichtig ist mir zuletzt, zu betonen, dass wir uns bewusst sind, dass wir dringend etwas machen müssen. Und wir sind bereit, das in die Hand zu nehmen. Das kann aber nur funktionieren, wenn Sie uns Handlungsspielraum verschaffen – heisst: wenn die Rettungsaktion glückt…

(P.) S. O. S. !

P.S., die letzte linke Zürcher Lokalzeitung, ist existenziell bedroht. Wir brauchen Ihre Unterstützung.