Ohne mulmiges Gefühl durchs Sihltal pedalen

Manche Velofahrer:innen, die auf dem Sihltal-Radweg zwischen Zürich und Sihlbrugg unterwegs sind, befällt kurz vor Sihlbrugg Station ein mulmiges Gefühl: Denn hier endet der beschauliche Fahrradweg und geraten die Freizeit-Pedaleure unvermittelt in den Durchgangsverkehr der Sihltalstrasse. Jetzt baut der Kanton dort einen drei Kilometer langen Rad- und Gehweg und verschmälert dafür die Sihltalstrasse.
Bild: Arthur Schäppi
Manche Velofahrer:innen, die auf dem Sihltal-Radweg zwischen Zürich und Sihlbrugg unterwegs sind, befällt kurz vor Sihlbrugg Station ein mulmiges Gefühl: Denn hier endet der beschauliche Fahrradweg und geraten die Freizeit-Pedaleure unvermittelt in den Durchgangsverkehr der Sihltalstrasse. Jetzt baut der Kanton dort einen drei Kilometer langen Rad- und Gehweg und verschmälert dafür die Sihltalstrasse.

Eingefleischten Rennvelo-Gümmelern mag der motorisierte Verkehr, der an ihnen auf der Sihltalstrasse vorbeischneuzt, zwar nicht sonderlich lästig sein. Andere Freizeitpedaleure und Genussbiker aber, die etwa beim Pfingstausflug mit dem Velo den Blick lieber auf die Sihluferlandschaft statt auf den Tacho richten, bevorzugen indes eine andere Route.

Sie nehmen zwischen dem Zürcher Stadtzentrum und der Zuger Kantonsgrenze bei Sihlbrugg Dorf stattdessen den beliebten Sihltal-Radweg unter die Räder. Er ist als Teiletappe des Drei-Flüsse-Radwegs Nr. 94, L’Areuse-Emme-Sihl, ausgeschildert und führt grösstenteils auf autofreien Wegen durch Adliswil und Langnau mal dem rechten, mal dem linken Sihlufer entlang. Bis gut 350 Meter vor der ehemaligen Bahnstation Sihlbrugg die vergnügliche Fahrt ein jähes Ende nimmt. Denn für die 3,2 Kilometer lange Strecke bis zum Kreisel in Sihlbrugg Dorf muss man fortan – auch in der Gegenrichtung – mit der Sihltalstrasse und den dort gelb markierten Radstreifen Vorlieb nehmen.

Autos, Lastwagen und Töffs brausen hier mit 60 bis 80 Stundenkilometern am zweirädrigen Langsamverkehr vorbei. Womit Velofahrer:innen nicht bloss unliebsamem Lärm und Abgasen, sondern auch einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt sind. Alternativen dazu gibt es in diesem Abschnitt zwar – zumindest theoretisch. Nämlich beidseits der Sihl auf den dort gekennzeichneten Velorouten durch den Wildnispark. Sie sind indes eher für Radwanderer denn für Durchschnitts- und schon gar nicht für Alltagsvelofahrer:innen geeignet, da sie teilweise schmal, steil und zeitraubend sind. 

Sicherheitslücke schliessen

Doch nun will der Kanton die Radweglücke zwischen Sihlbrugg Station und Sihlbrugg Dorf schliessen und damit die Sicherheit für Radfahrer:innen in besagtem Abschnitt erhöhen. Mit einem 2,5 bis 3 Meter breiten und 3,2 Kilometer langen asphaltierten Rad- und Gehweg. Er soll durch einen Grünstreifen abgetrennt sihlseitig der Sihltalstrasse entstehen und rund drei Millionen Franken kosten. Erstellt wird der neue Radweg ab diesem Sommer gleichzeitig mit einer in diesem Bereich ohnehin anstehenden Belagssanierung der Sihltalstrasse für weitere 7,25 Millionen Franken. Um Platz für den Radweg zu gewinnen, wird die Fahrbahn der Sihltalstrasse von 10 auf 7 Metern verschmälert – wobei in Kurven etwas weniger stark. Die Redimensionierung sei möglich, «weil sich seit der Eröffnung des Uetlibergtunnels und der Autobahn im Knonaueramt im Jahr 2009 das Verkehrsaufkommen um rund zwei Drittel auf unter 6000 Fahrzeuge pro Tag reduziert hat», hält die kantonale Baudirektion dazu im Projektbeschrieb fest. Mit dem vom Regierungsrat 2022 bewilligten Gesamtprojekt wollte das kantonale Tiefbauamt ursprünglich im Frühjahr 2023 loslegen. Der Start wurde dann aber vorerst um ein Jahr auf Frühling 2024 verschoben. «Weil Bauarbeiten für die Instandsetzung von Naturstützmauern an der Sihltalstrasse sowie der Gemeinde Langnau an der Neuen Dorfstrasse bereits Verkehrseinschränkungen erforderlich machten», sagt dazu Thomas Maag, Mediensprecher der Baudirektion.

Nun wird es Sommer, bis die Baumaschinen auffahren, weil sich das Submissionsverfahren noch etwas verzögert habe. Die Arbeiten dauern rund 16 Monate und laufen in drei je rund einen Kilometer langen Abschnitten gleichzeitig. Der Verkehr wird im Bereich der Baustellen einspurig geführt und mit Lichtsignalanlagen geregelt.

25 Jahre sind nicht genug …

P.S. feiert eigentlich seinen 25. Geburtstag. Aber es könnte der letzte sein. Wir brauchen Ihre Hilfe.