Oh je, Frau W.

Eigentlich wollte ich diesmal etwas zum Thema «Dumm ist Trump(f)» schreiben, also über die ebenso ärgerliche wie unglaubliche (männliche) Führungsqualifikation der zur Schau gestellten Dummheit. Davon nun ein ander Mal, denn dann sind Sie, Bettina Weber, dazwischen gekommen mit Ihrem Artikel zum Tag der Frau in der ‹Sonntagszeitung›: «Noch dümmerer ist noch Trümpferer», sozusagen. Mit  voraussehbarer Regelmässigkeit wird ja in Mainstream-Redaktionen jene Frau, die sich dazu hergibt, auf die Piste geschickt, um die Emanzipation für gescheitert zu erklären und zu diesem Zweck Frauen als Versagerinnen, Weicheier, ja Prinzessinnen durch den Dreck zu ziehen.

So wie Sie eben. Sie schlachten den ‹ideologischen› Backlash in der Gleichstellung aus, lasten den Stillstand vollumfänglich den Frauen an, beschuldigen diese, Opfer sein zu wollen, Masterdiplome als Dekoration zu erwerben, sich vor der Arbeitswelt an Heim und Herd zu flüchten, ein wenig auf Spielplätzen herumzuhampeln und ihren Exmännern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sie lassen wirklich kein Klischee aus. (Nur etwas fehlt in Ihrem Artikel: Cherchez l’homme!) Zwar wird es mir nicht möglich sein, jeden Ihrer Denkfehler hier zu widerlegen, denn Dummheiten sind leider schneller verbreitet und hallen länger nach als Fakten. Einige Punkte möchte ich dennoch klären. Diesen Tropfen Durchblick auf Ihren heissen Stein der Ignoranz schulde ich unserem symbolischen Kampftag.

Sie zitieren zwei Quellen, die besagen, dass die ganze Doppel- und Dreifachbelastung mit Familie, Haushalt und Beruf an den Frauen hängen bleibt und diese daher die Karriere abschreiben – das verdrehen Sie dann dazu, dass Frauen «weniger Biss» hätten oder zu bequem zum Arbeiten seien. Das ist nachweislich falsch. In der Schweiz gibt es nur ganz wenige Frauen, die dauerhaft ‹nur› Mütter sind. Warum Sie diese Rolle überdies derart abqualifizieren, ist schnell erklärt. Erstens: Sie haben offensichtlich keine Ahnung davon. Im Online-Forum hat ein Babytragetuch-Streit Sie irritiert, das macht Sie nun zur Familienexpertin. Zweitens sind Sie der neopatriarchalen Ideologie auf den Leim gekrochen, wonach alles Mütterliche und Häusliche pfui ist, weil eben unmännlich bzw. unsexy. Drittens hofieren Sie neoliberalen EinpeitscherInnen, wie etwa Frau Prof. Monika Bütler von der HSG, die bei Ihnen einmal mehr bejammern darf, dass «wir alle» unter den nichtberufstätigen Frauen leiden, «weil wir die teuren Ausbildungen über die Steuern bezahlen».

Ferner nennen Sie es Biologismus, dass Ex-Männer Unterhalt für Frauen bezahlen müssen, die ihnen jahrelang den Haushalt geschmissen und die Kinder erzogen haben (immerhin schlüssig, da in Ihren Augen solches ja keine Arbeit darstellt). Klimax ist Ihre Behauptung: «Konsequent gelebt hat die Emanzipation zur Folge, dass nicht nur Männer, sondern eben auch Frauen Vorrechte aufgeben müssen.» Welche könnten das sein? Das Vorrecht, zu einem 20 Prozent geringeren Lohn zu arbeiten? Die Haus- und Familienarbeit gratis zu machen? Von männlichen Bezugspersonen vergewaltigt zu werden? Auf dem Arbeitsmarkt als Manövriermasse eingesetzt zu werden? Bei der IV und bei der Pensionskasse um die Rente beschissen zu werden? Als klandestine Migrantin ausgebeutet oder als Sexsklavin verkauft zu werden?

Manchmal wäre Schweigen wirklich Gold! Angenommen, eine Journalistin kann es nicht mit ihrer Berufsehre vereinbaren, immer nur dümmliches Lifestyle-Gedöns zu schreiben, verliert deshalb die Stelle, wird per Zufall schwanger und endet als Hausfrau – die hat den Feminismus besser verstanden als alle pseudofeministischen Feigenblatt-Journalistinnen zusammen. Mich mit letzteren zum Tag der Frau solidarisch zu erklären, nur weil es Frauen sind, wäre wirklich reiner Biologismus.

 

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