Offene Jugendarbeit im Umbruch

17 Angebote von 12 verschiedenen Trägerschaften umfasst die offene Jugendarbeit Winterthur. Mit einem breit angelegten Strukturprozess strebt die Stadt eine Neuorganisation ab 2025 an. Deshalb wurden drei wichtigen Organisationen nun Beiträge in der Höhe der vergangenen Jahre für das laufende Jahr zugesprochen.

Die offene Jugendarbeit ist in Winterthur weitgehend durch private Vereine sowie die Landeskirchen getragen, während die Stadt sich darauf beschränkt, auf der Basis eines Leitbildes die verschiedenen Trägerschaften zu finanzieren und die Qualität und Vernetzung sicherzustellen.

Die grössten Organisationen sind das Jugendhaus an der Steinberggasse, die mobile Jugendarbeit Mojawi, welche verschiedene Angebote in der ganzen Stadt betreibt sowie das Jugendinfo Winterthur. Daneben führen vor allem die Landeskirchen in den Quartieren Jugend-/Mädchentreffs.

Ausweitung in den 1990er-Jahren

Bereits seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts existiert das Jugendhaus an der Steinberggasse und ist damit eines der ältesten Jugendhäuser in der Schweiz. Es bietet insbesondere einen offenen Jugendtreff von Mittwoch bis Samstag und verschiedene Beratungsangebote. Im selben Haus betrieb früher die sogenannte «Speisegesellschaft» eine Suppenküche, vor allem für Lehrlinge und Handwerker auf der Walz. Sie vermietet das Haus der Stadt Winterthur, welche den Trägerverein des Jugendhauses zusätzlich mit einem Betriebsbeitrag finanziert. Dieser beträgt für das laufende Jahr nun wie in den vergangenen Jahren 400 000 Franken.

Ab 1993 kam mit dem Verein für offene Sozialarbeit eine neue Trägerschaft hinzu. Der Ve­rein hat heute mehrere Abteilungen. Eine davon ist die Mobile Jugendarbeit Winterthur Mojawi, welche für das laufende Jahr ebenfalls einen Beitrag in der Höhe des letzen Jahres erhält, nämlich 308 000 Franken. Mojawi hat unter anderem den Vorteil, auch flexibel reagieren zu können. Ebenfalls durch denselben Trägerverein wird das Jugendinfo getragen, welches eine niederschwellige Beratungs- und Anlaufstelle darstellt. Auch dieses Jugendinfo wird für das laufende Jahr mit einem Beitrag von 113 000 Franken weiterfinanziert.

Fachlich hochstehend, strukturell labil

Wie der Stadtrat in einer Medienmitteilung festhält, ist die offene Jugendarbeit seiner Ansicht nach grundsätzlich fachlich gut aufgestellt. Bedarf bestehe hingegen im strukturellen Bereich. Die oft kleinen Teams verfügen über wenig Ressourcen für Vernetzung, fachlichen Austausch und Zusammenarbeit. Personelle Engpässe wirken sich schnell auf die Angebote aus. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an die Jugendarbeit, die auf Themen wie Fluchtmigration, Jugendgewalt, Extremismus oder Digitalisierung eingehen soll. 2022 wurde daher eine Standortbestimmung durchgeführt, welche Handlungsbedarf vor allem im strukturellen Bereich ergab. Deshalb wurde unter der Leitung des Departements Soziales ein partizipativer Prozess zusammen mit den Trägerschaften und Teams initiiert. Dabei wurde gemeinsam das Modell eines Dachverbands entwickelt, das im Laufe dieses Jahres konkretisiert und auf 2025 umgesetzt werden soll. Dieser soll der primäre Ansprechpartner der Stadt werden und gleichzeitig die verschiedenen Trägerschaften von einem Teil der administrativen Aufgaben entlasten.

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