Novemberblues

Der November ist der von mir am meisten und leidenschaftlichsten gehasste Monat des ganzen Jahres. Ich versuche es objektiv zu sehen und stelle doch nur fest: Alles Böse geschieht in diesem Monat. Als ob diese rheumatisch-nasse Kälte, der schwere und feuchte Nebel, überhaupt diese Dunkelheit am Morgen und die am Abend und die dazwischen, als ob all das nicht genug wäre, ist der November auch immer der Monat, in dem die schlimmen Nachrichten ankommen. Was für eine gnadenlose und boshafte Koinzidenz.

 

Das gilt auch für den November, in dem wir uns gerade befinden. Die Fallzahlen steigen und während wir uns fragen, wohin das führt, werden unsere Kinder in den Schulen durchseucht. Die kranken Kinder, bei denen wir hoffen, dass sie doch zur statistischen Mehrheit der milden Verläufe gehören mögen, stecken ihre Eltern an, diese die Arbeitskolleginnen und -kollegen im Büro. Es ist noch gar nicht so lange her, da ist uns das Blut in den Adern gefroren, als wir zum ersten Mal über eine Fallzahl von 1000 stiegen. Heute fällt uns der Morgenkafi auch dann nicht aus der Hand, wenn im Radio von 8500 Fällen berichtet wird. Es ist wegen dem November. Die Menschen zieht es nicht nach draussen, sie suchen die Behaglichkeit, die Fenster bleiben zu, damit die Wärme schön drinbleibt und damit auch das Virus.

 

Dieser Monat ist noch nicht vorbei. Mir graut vor dem kommenden Abstimmungswochenende, denn stimmt meine Theorie, haben wir nichts Gutes zu erwarten. Ich weiss, wie das ausgeht. Die Justizinitiative wird angenommen, weil Menschen es demokratischer finden, Richter per Los zu wählen anstatt nach der parteipolitischen Verteilung, die sie selbst als Volk an der Urne genau so gewollt haben. Man ist der Überzeugung, dass ausgeloste Menschen qua Los neutral sind, so als ob es sich um eine andere Spezies handeln würde als jene Menschen, die von einer Partei nominiert werden. 

 

Die PflegerInnen werden nun auch noch offiziell bestätigt bekommen, dass auf Worte keine Taten folgen. Vermutlich bekommen sie es aber gar nicht mit, wegen Personalmangel machen sie gerade die vierte Zusatzschicht der Woche und haben keine Kraft mehr, die Abstimmungsresultate mitzuverfolgen. Sie sind auch deshalb überlastet, weil die Ungeimpften zunehmend die Betten bevölkern, zusätzlich zu allen anderen kranken Menschen, die da sowieso schon liegen. 

 

Diese Ungeimpften haben zuvor noch ein lautes Nein zum Covid-Gesetz in die Urne gelegt. Damit haben sie nicht nur die Zertifikatspflicht gebodigt, sondern auch die vom Parlament beschlossenen Unterstützungen für die von der Pandemie heftig getroffenen Unternehmen. Die Restaurants, die gerade mehr Stornierungen als Buchungen für die nächsten Wochen entgegennehmen, sehen statt dem Weihnachtsgeschäft den Konkurs auf sie zukommen und lassen danken. 

 

Aber vielleicht spielt das alles gar keine Rolle, weil im gleichen Zug auch das Energiegesetz für den Kanton Zürich abgelehnt wird. Dank Hin und Her des Mieterverbandes sind nun genug Menschen verunsichert und stimmen Nein. Wer will schon wegen eines Heizungsersatzes die Wohnung verlieren, wie der MV warnte, was, wie er selber dann bekannt gab, so gar nicht stimmt. Zu spät, das Nein zum Energiegesetz ist ein Ja zum Klimawandel und läutet unser aller Untergang ein. 

 

Ich hasse den November. 

 

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