Nicht jeder Vogel braucht Hilfe

Frühling ist Hochsaison für die Vögel in Sachen Familiennachwuchs. Was tun, wenn ein Jungvogel aus dem Nest fällt?

 

Urs Heinz Aerni

 

Es ist Hochsaison in der Vogelwelt, von der Balz über den Nestbau bis zum Brüten und Füttern des Nachwuchses. Und, es kommt nicht selten vor, dass ein Jungvogel aus dem Nest fällt, wegen Unwetter, Flucht oder ganz einfach durch Unachtsamkeit. Je nach Alter überleben junge Vögel aber trotzdem, in dem sie sich verstecken und von den Eltern weiter gefüttert werden.

 

Und hier setzt das Anliegen der Vogelpflegestation der Voliere Gesellschaft Zürich ein. Es sei gut gemeint, sagt die Geschäftsführerin und Tierpflegerin Elisabeth Schlumpf, wenn Passanten einen Jungvogel aufheben und zur Station bringen, «oftmals benötigen diese unsere Hilfe aber nicht, denn je nach Vogelart werden sie nämlich von den Elterntieren weiter versorgt».

 

Ästling oder Nestling?

Gerade die bei uns häufig vorkommenden Amseln füttern ein aus dem Nest gehüpftes Jungtier, wenn wir ihre Ruhe nicht stören und einfach weiter gehen. «Auch in der Vogelwelt benötigt es oftmals Fachwissen, um beurteilen zu können, was den Vögeln wirklich hilft und was nicht», so Schlumpf. «Bei der Amsel muss es nicht einmal ein Unfall sein, sondern ein erster Flugversuch, der halt auf dem Boden endet», gibt die Expertin lächelnd Auskunft. Denn es besteht ein Unterschied, ob wir vom «Nestling» oder «Ästling» reden; die einen werden nur im Nest, die anderen können auch auf Ästen gefüttert werden, was bei der Amsel, aber z.B. auch bei Eulen üblich ist. «Allerdings brauchen nackte Jungvögel, im Gegensatz zu voll befiederten Vögeln, die schon flügge sind, immer unsere Hilfe.» Wenn man einen Jungvogel auf dem Boden findet und nicht sicher ist, ob es sich um einen «Ästling» oder einen «Nestling» handelt, empfiehlt Elisabeth Schlumpf ein Foto zu machen und die Voliere zu kontaktieren. Auf diese Weise ist gut gemeint auch immer gut gemacht.

 

Was aber getan werden kann, ist, einen flüggen Jungvogel in ein Gebüsch oder auf einen Ast zu setzen, damit er nicht gleich einer Katze zum Opfer fällt. Im Gegensatz zu den Säugetieren können Vögel in die Hände genommen werden, da für sie der Menschengeruch kein Thema darstellt. Elisabeth Schlumpf betont zudem, dass es gesetzlich verboten sei, einheimische Vögel nach Hause  mitzunehmen.

 

Oftmals würden auch die Alpen- und Mauersegler mit den Schwalben verwechselt und umgekehrt. Nur die Segler sind nicht imstande, nach einer Notlandung wieder vom Boden hochzukommen. Und auf keinen Fall dürften diese Tiere hochgeworfen werden, was oft zum tödlichen Absturz führt.

 

Einige Überlebenshilfen für unsere gefiederten Mitbewohner können jedoch alle machen: wenig oder nicht den Rasen mähen und das Gras wachsen und blühen lassen, einheimische Pflanzen statt exotische in den Garten setzen, weniger aufräumen und zurückschneiden und mit Totholzhaufen und Wasserstellen etwas mehr Unordnung im Garten halten. «Damit kann der Artenvielfalt und unseren Vögeln sehr geholfen werden», sagt Elisabeth Schlumpf und macht sich wieder an die Arbeit in der Voliere, die übrigens gerne besucht werden kann.

 

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