Neues Co-Präsidium

Die Grünen im Zürcher Gemeinderat haben ein neues Co-Fraktionspräsidium. Was sie sich vorgenommen haben, erklären Leonora Seiler und Martin Busekros im schriftlich geführten Interview, die Fragen stellte Nicole Soland.

Warum wollten Sie Co-Fraktionspräsident:innen werden – und warum gerade Sie beide?
Martin Busekros: Nach dem Rückschlag durch die Wahlen möchten wir unsere Fraktion stärken und eine gute Zusammenarbeit fördern, sowohl innerhalb der Fraktion als auch mit den anderen Fraktionen. 
Leonora Seiler: Als Team arbeiten wir beide bereits seit Jahren gut zusammen. Anfangs bei den Jungen Grünen, wo wir auch zusammen in der Geschäftsleitung waren, und nun bei den Grünen. Wir wollen unsere Energie und den gemeinsamen Flow mit in die Fraktion bringen. Gleichzeitig spiegeln wir als bisherig-neu, Mann-Frau und junge Personen auch gut die Fraktion wider.


Die Grünen haben bei den Wahlen nicht nur Sitze verloren, die Fraktion ist auch deutlich jünger geworden: Sehen sie als Vertreter:innen der jungen Generation dies eher als Vor- oder Nachteil?
L.S.: Beides. Die Fraktion ist nicht nur jünger, sondern auch weiblicher geworden. Diese Absicht haben unsere Wähler:innen klar zum Ausdruck gebracht. Die schmerzlichen Abwahlen kamen vor allem durch Sitzverluste zustande. Wir sind natürlich traurig, auf diese Weise wichtige und tolle Politiker aus unserer Fraktion verabschieden zu müssen. 


Sitzverluste und Verjüngung bedeuten auch, dass der Fraktion viel Erfahrung verloren gegangen ist: Wie gehen Sie damit um?
M.B.: Wir haben vor – mehr noch als bis anhin – einen engen Kontakt mit unseren ehemaligen Fraktionsgspönli zu pflegen. Nicht zuletzt darum sehen wir die Verjüngung auch als Chance, sie bringt neue Perspektiven und viel Energie in die Fraktion. Zudem wollen wir als ganze Fraktion die neuen Kolleg:innen aktiv unterstützen, damit sie sich möglichst schnell zurechtfinden und effektiv politisieren können.


Was wollen Sie als Co-Fraktionspräsidium inhaltlich erreichen, und was steht dabei an erster Stelle?
L.S.: An erster Stelle steht die Zusammenarbeit in der Fraktion und mit der Stadtpartei. Im Wahlkampf ist die Partei zusammengewachsen. Es war super, die Energie der vielen aktiven Mitglieder zu spüren und uns gemeinsam für unsere Stadt einzusetzen. Darauf möchten wir aufbauen und die Zusammenarbeit von Fraktion und Partei intensivieren. 
M.B.: Durch breit abgestützte Kampagnen können wir mehr erreichen und das Profil der Partei in der Öffentlichkeit schärfen. Unsere Positionen vertreten wir dabei weiterhin konsequent, auch wenn sich die SP wie beim Tram Affoltern, dem Dubai-Goldküsten-Hafen oder dem UBS-Büroturm regelmässig auf die Seite der Bürgerlichen stellt. Auch gegen die finanz- und verkehrspolitischen Schikanen des bürgerlichen Kantons werden wir uns in aller Deutlichkeit stellen. 
L.S.: Die Legislaturziele und inhaltliche Ausrichtung werden wir mit der Fraktion gemeinsam erarbeiten. Das Senken der Treibhausgasemissionen und die Stärkung der Energieunabhängigkeit werden sicherlich weiterhin zwei unserer Schwerpunkte sein. Dabei haben wir auch immer im Hinterkopf, dass wir als wohlhabende Stadt vorangehen müssen und so den Weg für alle anderen erleichtern können. Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen. 
M.S.: Zudem müssen wir auch weiter die anderen Themenfelder, auf denen wir kompetent sind, bearbeiten und effektiv und öffentlichkeitswirksam kommunizieren. So zum Beispiel die Schulpolitik, wo wir die Umsetzung der Tagesschule weiter massgeblich prägen, oder die Verkehrspolitik. Es darf zum Beispiel nicht sein, dass wir für den Ausbau des Tramnetzes alle Bäume entlang der Strassen fällen, nur um diese für Autos zu verbreitern.
L.S.: Ja, wir haben auf jeden Fall viel zu tun und sind voller Energie, nach den Frühlingsferien damit loszulegen.

(P.) S. O. S. !

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