Naturschutz-Zwischenbilanz: Effort nötig

An der Medienkonferenz vom Montag haben Baudirektor Markus Kägi und Ursina Wiedmer, Leiterin der Fachstelle Naturschutz, die neue Zwischenbilanz zum Naturschutz-Gesamtkonzept vorgestellt. Fazit: Die Biodiversität wird weiterhin kleiner.

 

Manuela Zeller

 

1995 hat der Zürcher Regierungsrat das sogenannte Naturschutz-Gesamtkonzept verabschiedet. Übergeordnetes Ziel des Konzepts ist es, die Artenvielfalt im Kanton zu erhalten, bzw. den rasanten Abbau der Artenvielfalt zu stoppen. Der am Montag den Medien vorgestellte Bericht zeigt auf, zu welchen Teilen die Naturschutzziele in den letzten zwanzig Jahren verwirklicht wurden und wie es in den nächsten zehn Jahren weitergehen soll.

 
«Weitere Massnahmen nötig»

Die Resultate der neuen Zwischenbilanz zum Naturschutzgesamtkonzept sind durchzogen. Zwar zeigte sich Regierungsrat Markus Kägi an der Medienkonferenz vom 3. April erfreut über die Fortschritte, die seit der letzten Zwischenbilanz 2005 ausgewiesen werden können, von den Zielen von 1995 ist der Kanton allerdings noch weit entfernt.
Zwar sei der Kanton Zürich, was die dem Naturschutz zugedachte Fläche betrifft, schon relativ weit, erklärte Ursina Wiedmer, die Qualität der Flächen würde allerdings oft zu wünschen lassen und nicht den gewünschten Erfolg bringen. So etwa bei den Magerwiesen, wo die quantitativen Ziele fast schon erfüllt seien, wobei sich allerdings herausgestellt habe, dass manche als Magerwiesen genutzte Flächen in Bezug auf Biodiversität wenig Potenzial hätten. «Da sind weitere Massnahmen nötig, um die Qualität zu steigern, etwa zusätzliche Beratung für LandwirtInnen zu Standort und Bewirtschaftung von Magerwiesen», so die Leiterin der Fachstelle Naturschutz.
Das Budget für die nächsten zehn Jahre sei allerdings knapper, als 1995 geschätzt wurde, erklärte Wiedmer. «Hätten wir so viel Geld zur Verfügung, wie 1995 kalkuliert wurde, könnten wir bis 2025 80 Prozent der Naturschutzziele umsetzen. Mit den Ressourcen, die wir tatsächlich zur Verfügung haben, lediglich 60 Prozent.»

 
Naturschutz-NGO und Grüne unzufrieden
Das bedeutet, dass die Artenvielfalt auch in den nächsten Jahren rasant abnehmen wird. Während Baudirektor Markus Kägi die Situation damit rechtfertigte, dass mehr Ressourcen für den Naturschutz politisch nicht akzeptiert würden, werfen die Grünen dem Regierungsrat zu wenig Engagement vor. «Weder die damalige Baudirektorin Gut noch Baudirektor Kägi und schon gar nicht der Kantonsrat haben sich um wirkungsvolle Siebenmeilenstiefel bemüht. Im Gegenteil, die Mittel für den Naturschutz wurden extrem knapp gehalten», schreiben die Grünen in ihrer Medienmitteilung.

 

Und auch Pro Natura, WWF und Bird Life fordern vehement mehr Mittel für den Naturschutz. Es gebe heute bereits 80 Prozent weniger Feldlerchen als vor 30 Jahren, schreiben die Umwelt-NGO, «Tendenz weiter abnehmend». Das Tempo, mit dem natürliche Lebensräume und einheimische Pflanzen und Tiere verschwinden, sei besorgniserregend. «Und wenn sie mal weg sind, bleiben sie für immer weg »

 

Qualität statt Quantität
Angesichts der knappen Ressourcen, erklärte Ursina Wiedmer, laute die Strategie bis 2025, sich auf wenige wichtige Schwerpunkte zu fokussieren: Die Sicherung schutzwürdiger Flächen soll abgeschlossen werden; trockene Magerwiesen sollen wiederhergestellt oder neu geschaffen werden; Moorergänzungsflachen gesichert und wiederhergestellt werden; das Potenzial für Biodiversität im Wald genutzt und die Revitalisierung von Gewässern als Chance genutzt werden. Wichtig sei dabei, die nötige Qualität sicherstellen zu können, während quantitative Ziele weniger Priorität hätten.
Markus Kägi und Ursina Wiedmer bemühten sich, den Nutzen von vielseitigen Lebensräume auch für die Zürcher Wirtschaft zu unterstreichen. Die geschützten Räumen hätten insofern einen wirtschaftlichen Wert, dass sie der Bevölkerung als Naherholungsgebiete dienen und für den Kanton im Standortwettbewerb eine wichtige Rolle spielen würden.
Das Konzept von 1995, die Zwischenbilanz von 2005 sowie der aktuelle Bericht sind auf http://www.aln.zh.ch zu finden.

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