Kantonspolizist Ueli Pfister? Wie die Medienstelle der Kantonspolizei auf eine Anfrage des P.S. schreibt, sind weder das Auto noch die Uniform tatsächlich von der Kantonspolizei. (Bild: Screenshot Youtube)

Mit falscher Uniform gegen Tempo 30

Der SVP-Kantonsrat Ueli Pfister wirbt als «Kantonspolizist» mit einem Video für die Mobilitätsinitiative. Im Video wird weder sein politisches Engagement noch seine Pensionierung erwähnt.

Die Polizei werde durch Tempo 30 ausgebremst, sagt der nette Herr mit dickem Schnauz im Video. Er stellt sich als Ueli Pfister vor und erklärt: «Ich arbeite seit über 40 Jahren bei der Kantonspolizei Zürich und ich stehe da für all meine Kolleginnen und Kollegen, die im Polizeidienst im Kanton Zürich tätig sind.» Im Hintergrund steht ein Polizeiauto und Pfister sagt, dass die Verzögerungen beim Einsatz durch Tempo 30 dazu führen könnten, dass die Täterschaft schon weg ist oder, dass «der Bürger» viel länger warte.

Deshalb sage er am 30. November Ja zur Mobilitätsinitiative, sagt Pfister. Die Initiative verlangt, dass auf Hauptverkehrsachsen Tempo 50 gilt. Die Gemeinden sollen hier kein Mitspracherecht mehr haben, Tempo 30 soll nur in den Quartieren gelten. Was im Video nicht erwähnt wird: Der «Kantonspolizist» Ueli Pfister ist seit 2015 auch Kantonsrat für die SVP. Und als Polizist ist er nicht mehr tätig. Seit Ende Oktober ist Pfister pensioniert, wie die Medienstelle des Kantons schreibt. Am Telefon mit dem P.S. sagte Pfister am Montagnachmittag zur Nichtdeklarierung als Kantonsrat, es sei «Ansichtssache, ob man das hätte anschreiben sollen». Er selber habe da keinen Einfluss darauf gehabt. Dass im Video auch nicht erwähnt wird, dass Pfister mittlerweile pensioniert ist, sei hingegen «eine Unterlassung». Das Video sei schon vor der Pensionierung gefilmt worden, man hätte das trotzdem erwähnen sollen.

Fehlende Information mit System

Die fehlenden Informationen dürften angesichts der anderen Video-Statements der Ja-Kampagne aber kein Flüchtigkeitsfehler gewesen sein. So wirbt auch FDP-Kantonsrätin Sarah Fuchs für ein Ja, auch bei ihr fehlt jedoch der Hinweis auf ihre politische Tätigkeit. Stattdessen wird sie als «Mutter & Verbandsmanagerin» bezeichnet. Neben Fuchs und Pfister wurden noch drei weitere Video-Statements produziert. Gastronom Michel Péclard wirbt für ein Ja, Daniela Brauchli, Geschäftsführerin der Brauerei Uster (und ebenfalls Mutter, wie es auf dem Flyer heisst) und auch Beat Hirter, Präsident des kantonalen Feuerwehrverbandes, wirbt für ein Ja.

Die Videos werden auf Youtube rege angeschaut. Die Videos von Fuchs, Péclard und Pfister haben Stand Anfang dieser Woche über 100 000 Aufrufe. Das spricht allerdings weniger für virale Hits, die das Ja-Lager hier gelandet hat, sondern für eine ziemlich intensive Bewerbung der Videos, die so vor eigentlich gewünschten Inhalten als Werbung laufen und Aufrufe generieren. Zu erkennen sind solche beworbenen Videos meist an den tiefen Interaktionsraten. So hat das Video vom falschen Polizisten Pfister bei 113 000 Aufrufen gerade einmal zehn Kommentare und fünfzehn Daumen-hoch-Angaben. 

Ähnlich wie die hohen Aufrufzahlen ist auch der Auftritt von Ueli Pfister als Kantonspolizist grösstenteils eine Fassade. Wie die Medienstelle der Kantonspolizei auf eine Anfrage des P.S. schreibt, sind weder das Auto noch die Uniform tatsächlich von der Kantonspolizei. Am Telefon gibt Pfister an, dass das Auto mit der Aufschrift «Police» von einem Ausrüster von Polizeiautos stammt. Die Kantonspolizei Zürich hält auf Anfrage fest, dass Ueli Pfister nicht im Namen der Kantonspolizei spricht.

Am Dienstag berichtete dann das Online-Portal tsueri.ch über Pfister und sein Video. Kurz darauf ist das originale Video nicht mehr auf dem Youtube-Kanal zu finden. Stattdessen veröffentlichte das Ja-Komitee eine neue Version des Videos, die zehn Sekunden kürzer ist. Die Passage, in der Pfister erzählt, dass er seit 40 Jahren bei der Polizei sei und für seine Kolleginnen und Kollegen dastehe, wurde herausgeschnitten.