- Bezirk Horgen
Millionenprojekt gegen die grosse Flut
Seit drei Jahren arbeitet der Kanton Zürich am 175-Millionen-Franken-Projekt des Hochwasser-Entlastungsstollens Sihl-Zürichsee. Künftig soll das Bauwerk Wassermassen von mehr als 250 Kubikmetern pro Sekunde direkt aus der Sihl in den Zürichsee ableiten. Damit sollen die Stadt ebenso wie das untere Sihltal vor Überschwemmungen geschützt werden. Fachleute erinnern daran, dass ein ähnliches Hochwasserereignis vor rund 20 Jahren nur knapp verhindert wurde – mit potenziellen Schäden von über sechs Milliarden Franken.
Tunnelbau im Zeitplan
Ein entscheidender Meilenstein gelang im November 2024: Nach zwei Kilometern erreichte die Tunnelbohrmaschine den Zielort Thalwil. «Damit haben wir den schwierigsten Teil des Projekts erfolgreich abgeschlossen», sagt Adrian Stucki, Projektleiter beim Awel (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft).
Im Sihltal laufen derzeit die Arbeiten am Einlaufbauwerk. Über dessen 80 Meter lange Überlaufkante sollen die Wassermassen künftig in den Entlastungsstollen stürzen. Unsichtbar für die Besucher:innen, aber entscheidend für die Technik: Der Tunnel senkt sich um 50 Höhenmeter ab, damit das Wasser später von allein Richtung Zürichsee fliesst. In Thalwil entsteht derzeit die Toskammer, die die Wassermassen vor dem Einlauf in den See bremst. Gleichzeitig wird im Zürichsee das Auslaufbauwerk vorbereitet: Der Seegrund wird abschnittweise ausgehoben, Stützwände sichern die Baugruben, und Mikropfähle verankern den künftigen Rechteckkanal im Untergrund.
Zürich spaziert durchs Jahrhundertbauwerk
Am vergangenen Wochenende öffnete der Stollen einmalig seine Türen für die Bevölkerung. Die kostenlosen Tickets waren im Vorfeld schnell vergriffen. Rund 11 000 Menschen nutzten die Gelegenheit, durch den Tunnel zu wandern – von Langnau am Albis quer durch den Zimmerberg nach Thalwil. Begleitet wurde das Ereignis von einem Volksfest beim Stolleneingang an der Sihltalstrasse. «Nach diesem Wochenende ist der Tunnel endgültig für die Öffentlichkeit geschlossen», sagt Wolfgang Bollack, Mediensprecher der Baudirektion. Ab 2026 soll der Entlastungsstollen seinen Zweck im Ernstfall erfüllen und die Wasserfluten der Sihl sicher und kontrolliert in den Zürichsee ableiten.