Mensch, Robi!

«Menschen können am besten mit Menschen arbeiten, und das sollte auch so bleiben», las ich neulich und nickte unwillkürlich. Das scheint in der Digitalisierungs- und Technologie-Euphorie gerne vergessen zu gehen. Schon solchen Roboter-Visionen, die auf den ersten Blick einleuchtend und stringent aussehen, liegt bei genauerem Hinsehen oft ein unglaublich primitiv-mechanistisches Menschenbild zugrunde, das die Grundtatsachen menschlichen Daseins ausser Acht lässt.

 

Nehmen wir etwa die Polizeistreife, die durch ein selbstfahrendes Gerät ersetzt werden soll. Das ist streng genommen nur ein wandelnder Online-Schalter oder eine fahrende Überwachungskamera. Trotzdem kann sie menschliche Reaktionen auslösen, denen aber keine ethische Hemmung oder keine zwischenmenschliche Ermutigung entgegensteht. So kommt es zu Rachegelüsten und dem Wunsch, das System zu sabotieren; bei eher hyperkorrekten oder ängstlichen Menschen zum Rückzug aus den öffentlichen Räumen, wenn sie sich vor ungewolltem Fehlverhalten oder vor Fehlern der Maschine fürchten. Dadurch wird die Welt gerade nicht sicherer für alle. Ein anderer, gern herbeifantasierter Techno-Gehilfe ist bekanntlich der Pflegeroboter. Der soll jetzt auch schon richtig gut sprechen können, heisst es, und intelligent handeln. Das mag ja meinetwegen zutreffen. Wenn ich mir aber vor Augen führe, was alles ausser intelligenten Antworten aus einem menschlichen Gegenüber auch noch spricht – eine gemeinsame Geschichte, Komplizität, Humor, Überforderung, Körperlichkeit, Lebenserfahrung, hoffnungsfrohe Jugend, warme Hände, Vertrauen usw. – so kann ich mir keinesfalls vorstellen, dass ich diesem eine auch noch so gut dressierte Maschine vorziehen würde. Ich käme mir vor wie ein armer, überflüssiger Tropf, um den sich kein Mensch mehr kümmern will.
 

Selbst Henry Ford soll ja gesagt haben, dass sich seine Kunden stärkere Pferde statt Autos gewünscht hätten, wenn er sie gefragt hätte. Das weiss ich von Prof. Dr. Jana Koehler, von der auch der eingangs zitierte Satz stammt. Sie lehrt und forscht an der Hochschule Luzern zu künstlicher Intelligenz, ist also keine Technik-Verweigererin. Im ‹swissICT Magazin› 6/2017 gibt sie ein spannendes Interview, das ich meiner geneigten Leserschaft wärmstens zur Lektüre empfehle. Hier wird einmal von höchst informierter Seite differenzierte und fundierte Kritik an der unkontrolliert und ungehemmt fortschreitenden Digitalisierung, Datensammelwut und globalen Vernetzung geübt, was ich für die linke Diskussion aller Arten von «Technofix» sehr hilfreich finde.
 

Zur Perfektionierung intelligenter Roboter gibt Prof. Dr. Koehler etwa zu bedenken: «Eine echte künstliche Intelligenz wird sich selber Ziele setzen, und wir können nicht davon ausgehen, dass diese Ziele immer unseren Zielen entsprechen.» Wenn Sie den bemerkenswerten Science-Fiction «Ex Machina» kennen, wissen Sie, was gemeint ist: Die Menschmaschine kann sehr wohl Gefühle erwecken, hat selber aber keine, und setzt sich am Ende berechnend und skrupellos durch. Je besser also der digitale ‹Freund› funktioniert, desto gefährlicher ist er. Koehler: «Wenn wir einen solchen digitalen Freund brauchen, dann braucht er uns aber vermutlich nicht mehr. Wir sollten nicht vergessen wie [der Film] ‹Her› endet: Der Mensch bleibt hilflos, unglücklich und verstört zurück, nachdem er von seiner digitalen Assistentin verlassen wurde.» Menschsein heisst eben nicht nur, Bedürfnisse zu haben – sondern auch, von Menschen gebraucht zu werden…

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