Mehr schlecht als recht

Ein Stiefvater schenkte jüngst seiner Stieftochter, die sich bekennendermassen gleichgeschlechtlicher Liebe erfreut, ein hübsches Abziehbild vom Dike-Verlag. Denn er arbeitet da. Das ist natürlich kein Lesben-, sondern ein juristischer Verlag. Während sie dies nicht wusste, so wusste er seinerseits nicht, was eine dyke ist. Ich hab dreimal gelacht: Einmal über das treffende Geschenk, dann als mir klar wurde, dass der Stiefvater es gänzlich unwissend so gut getroffen hatte, und zuletzt, als ich dies der Beschenkten erzählte. 

 

Mir wiederum wurde die neuste Publikation des Dike-Verlags geschenkt, also «Recht und Geschlecht» der Juristinnen Schweiz*  eine  Bestandesaufnahme der rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung nach den ersten fünfzig Jahren Frauenstimmrecht. Da ist nun leider Schluss mit lustig. Das Fazit lautet grosso modo: Es gab Verbesserungen, aber nur sehr wenige, es ging vorwärts, aber nur sehr langsam. Dennoch ist das Buch keine frustrierende Lektüre. Denn einerseits werden hier 15 Perspektiven auf den feministischen Diskurs eröffnet, die Nicht-Juristinnen in dieser Nuancierung noch nicht kennen dürften. Und andererseits ist es doch tröstlich, den leidigen Sachverhalt besser zu durchschauen, nämlich im Vergleich von Recht und Gesetz mit deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Praxis. Nicht zuletzt schreiben die 17 Autorinnen anschaulich, alltagsbezogen und ohne akademischen Dünkel.

 

Ich bin als erstes an der «gläsernen Klippe» hängengeblieben. Diese Denkfigur erklärt, warum Gleichstellung nicht nur eine Frage des Frauenanteils in den Führungsetagen ist. Denn Frauen werden offenbar öfter als Männer in aussichtslose Kämpfe geschickt, sie erhalten nicht die gleiche Rückendeckung, werden häufig für den schönen Schein der Fortschrittlichkeit instrumentalisiert und scheitern daher überproportional oft. Oder sie entfremden sich im Umfeld  einer maskulinen Führungskultur von ihren ursprünglichen Gleichstellungsanliegen, statt diese durchzusetzen.

 

Der Beitrag «Frauen und künstliche Intelligenz» untersucht eine Wissenschaft, die heute komplett männlich dominiert ist – «eine Welt ohne Frauen». Dabei war im Jahre 1843 Ada Lovelace jene Pionierin, die das allererste Informatikprogramm schrieb und dabei die Wenn/dann-Schlaufe erfand. Die Informatikerin Grace Hopper prägte den Begriff «bug» und Margareth Hamiltons bahnbrechende Programme ermöglichten 1969 erst die Mondlandung der Apollo! Was würde es wohl bewirken, wenn unsere Sekundarschülerinnen im Fach Medien und Informatik solches erführen? (Es steht jedoch in keinem Lehrmittel …) Augenzwinkernd referiert die Autorin ein Bonmot über Informatiker, die zu künstlicher Intelligenz forschen: Als Mathematiker täten diese hauptsächlich zwei Dinge: Beweise führen und Schach spielen. Wenn ihre Kiste also Beweise führen und Schach spielen könne, müsse sie wohl intelligent sein. Frauen hätten evtl. etwas weniger Marginales als Schach zur Massgabe künstlicher Intelligenz erhoben, etwa Wortschatzanalyse oder Stimmerkennung.

 

Beim Thema der «Corona-Pandemie aus einer Genderperspektive» hilft nicht mal mehr Galgenhumor – Stichwort: «Zunahme von Gewalt gegen Frauen sowie gegen nicht-binäre Minderheiten». Zur Triebabfuhr ein Blondinen-Witz: Sie wollte gerne dümmer sein (die gute Fee verwandelte sie in einen Mann.)

 

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