- Kultur
Männerschnupfen
Eine bewährte Art des Komödiengefälles besteht darin, dass das Publikum zu jedem Zeitpunkt sehr viel besser Bescheid weiss als die handelnden Figuren. Nicht über eine Idealvorstellung des Handlungsverlaufs oder gar eine Definitionsmacht über das sogenannte Happy-End, sondern über sämtliche vorgegaukelten wie verheimlichten Verstrickungen. Die Honeymoonsuite im Hotel Sonne ist ein (Alb-)Traum in Rosa (Bühne: René Ander-Huber). Es ist aber nicht der Kitschoverkill, der die Kopfschmerzen des Bräutigams Alex (Adrian Burri) nährt, sondern die Mélange aus Restalkoholpegel des Polterns und der nurmehr sehr ungefähren Erinnerung daran, was, wie wann, warum eine nackige fremde Schönheit im Bett neben ihm gerade ihre Augen aufschlägt. Für ebendiese Lisa (Ramona Fattini) ist sowohl die Vorgeschichte, das Verlustieren als auch die bleibende Verzückung darüber kein Grund zur Gram sondern im Gegenteil Auslöser für ein Glücksgefühl. Das indes nicht lange währt, weil es in ebendieser Hochzeitssuite bald vor ohnehin schon angespannten Personen wimmeln wird, die hier Ruhe suchen und nicht die Turbulenz, die dieser etwas suboptimale Einstieg in den sogenannt wichtigsten Tag in einem Leben verursacht. Ganz praktisch, weil die Braut Vicky (Nadia Goedhart) mitsamt Mutter (Gabriela Steinmann) und dem noch auf ein letztes Finish wartenden Brautkleids hier aufschlagen werden, der Trauzeuge Greg (Simon Keller) im Rahmen dieser Feierlichkeit also bald seine jetzt endlich wirklich richtige Freundin der gesamten Gesellschaft vorstellen will und das Zimmermädchen Linda (Corina Good) sich als einzige in der ganzen Runde völlig absichtlich begriffsstutziger gibt, als sie tatsächlich ist. Gings allein nach ihr, wäre der Spuk innert Minuten vorüber, denn wie immer es gedreht oder gewendet werden mag, der Ursprungsabsicht blindlings weiter zu folgen wäre ihrgemäss sowohl hochgradig verlogen wie ein unverzeihlicher Verrat. Also drehen die Missgeschicke, Fehlinterpretationen und Billigausflüchte noch ein paar vertrackte Ehrenrunden, bis sich überraschenderweise eine allgemeine Vernunftbegabung über die erhitzten Gemüter zu legen bequemt. Regisseur Philippe Roussel inszeniert etwas ausgeprägt hochtourig, was besonders in der zweiten Hälfte gegen die vormalige Möglichkeit der Schauspieler:innen zur Figurennuancierung arbeitet. Eklat folgt auf Eklat und dann mischt sich auch noch der Hoteldirektor (Daniel Bill) ein, weil das eigentliche Tohuwabohu, das der Brautvater in der Hotellobby veranstaltet, ihm Gäste wie Angestellte endgültig zu vergraulen droht. Alles in allem eine jämmerliche Vorstellung der Fähigkeit zur Problembewältigung des sogenannt starken Geschlechts.
«Traumhochzeit», bis 3.5., Bernhardtheater, Zürich.