Kulturregion als blasse Vision

Was das Zürcher Oberland bereits wagt, wurde im Bezirk Horgen am Turbine-Talk in Langnau erst einmal vage diskutiert: eine regionale Vernetzung, Förderung und Finanzierung von Kulturaktivitäten.

 

von Arthur Schäppi

 

Wer sucht, der findet auch jenseits der Zürcher Stadtgrenze im Bezirk Horgen durchaus ansprechende Konzerte, Ausstellungen, ein Kino, Kleinkunst und dazu natürlich auch allerlei dörfliche Vereinskultur. Mit dem Ticino in Wädenswil und dem Turbine-Theater in Langnau verfügt der linksufrige Seebezirk aber auch über zwei professionell geführte Kleinbühnen mit überregionaler Ausstrahlung. Ansonsten aber zeigt sich die Kulturszene hier stark lokal fragmentiert. Soll das so bleiben oder macht zwischen See und Sihltal eine regionale Vernetzung, Förderung und Finanzierung von kulturellen Aktivitäten, wie sie im Zürcher Oberland Anfang 2015 versuchsweise lanciert wurde, Sinn? Im Oberland jedenfalls wurde dafür eigens eine regionale Kulturkommission gegründet und ein von Gemeinden und Kanton je hälftig alimentierter Fonds geäuffnet. Noch ist der Entscheid in den allerletzten von rund zwanzig Oberländer Gemeinden über eine nunmehr definitive Beteiligung ausstehend. Stimmen auch sie zu, stehen dort für 2017 total etwa 80 000 Franken an kommunalen Geldern zur Verfügung. Und dazu dann gleich nochmals so viele Mittel vom Kanton.

 

«Kräfte und Mittel bündeln»

Am jüngsten öffentlichen Podiums-Talk des Turbine-Theaters in Langnau stand die Schaffung einer ähnlichen, auf die spezifischen Bedürfnisse der Region Zimmerberg und Umgebung abgestimmten Lösung zumindest einmal als Vision zur Diskussion. Prisca Passigatti, zuständig für die regionale Kulturförderung bei der kantonalen Kulturfachstelle, erläuterte, was man sich dort vom Pionierprojekt im Oberland und ähnlichen Nachfolgeprojekten in anderen Regionen verspricht: Vorab «eine Bündelung der Kräfte und Mittel» – damit auch aufwändigere Kulturaktivitäten mit regionaler Ausstrahlung überhaupt möglich würden und in der ganzen Region bekannt gemacht werden könnten. Etwas also, wozu die einzelnen Gemeinden oft gar nicht in der Lage seien. Darüber hinaus sollen mit der Regionalisierung der Kultur auch «der gesellschaftliche Zusammenhalt und die kulturelle Identität einer ganzen Region» und deren öffentliche Wahrnehmung gestärkt werden. Auf finanzielle Unterstützung und fachliche Beratung zählen dürfte ein solches Vorhaben im Bezirk Horgen wohl auch von Seiten des Migros-Kulturprozentes, wie dessen Vertreter Markus Dubs signalisierte. Clemens Ruckstuhl, Präsident der Kulturschachtle Adliswil, berichtete, wie eine von der Kulturschachtle und der Stadt initiierte neue Kulturkommission in Adliswil zumindest auf kommunaler Ebene mit Erfolg vergleichbare kulturelle Vernetzungs-, Förderungs- und Öffentlichkeitsarbeit leistet.

 

Zu lau und unverbindlich

Nur: Entspricht eine regionale Kulturvernetzung, Kulturförderung und Kulturfinanzierung am linken Seeufer und im Sihltal überhaupt einem echten und dringenden Bedürfnis der lokalen Veranstalter, Kulturschaffenden, Kulturkommissionen und der Politik? Die Podiumsdiskussion liess zumindest Zweifel darüber aufkommen und erschöpfte sich weitgehend im Unverbindlichen. Zu lau und zu diffus hörten sich die Bekenntnisse der lokalen Podiumsvertreter an, als dass der Anlass eine wirkliche Initialzündung hätte auslösen können. In einigen Voten schwang auch die Befürchtung mit, dass angesichts der knappen Mittel der Gemeinden die lokalen Kulturträger die Zeche für die regionale Kulturförderung zahlen müssten.

 

Im Kleinen beginnen

Statt gleich den grossen Wurf zu wagen, solle man lieber pragmatisch im Kleinen mit der Vernetzung anfangen, lautete folglich der allgemeine Tenor der Gesprächsrunde. Simon Niederhauser, Kulturbeauftragter von Thalwil, versprach etwa, die Kulturtage Thalwil künftig noch etwas stärker für Kulturschaffende anderer Gemeinden zu öffnen. Und Bruno Steurer, Präsident des Kulturkreises Oberrieden, kann sich vorstellen, dass das Zelt des jährlichen Openairs von Oberrieden jeweils nachträglich noch von andern Kulturveranstaltern genutzt wird – auch von auswärtigen.
Rolf Schatz, GLP-Gemeinderat und Präsident der Kulturkommission Langnau hingegen bekannte freimütig, dass er sich bei aller Sympathie eine regionale kulturelle Vernetzung angesichts der aktuellen rigorosen Sparmassnahmen in Langnau und anderen Regionsgemeinden «nicht plastisch vorstellen» kann. Mit einem entsprechenden Kreditantrag würde er wohl «von der Gemeindeversammlung in der Luft verrissen.»

Aufgelockert wurde der von Turbine-Leiter Peter Niklaus Steiner moderierte Talk mit allerlei kulturellen Mini-Darbietungen, mit denen Kulturwünsche der Podiumsteilnehmer auf eigenwillige Art erfüllt wurden.

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