Konjunktiv

Das ewige Dilemma des bewaffneten Widerstandes lässt sich nicht auflösen.

Die baskische ETA, die deutsche RAF, die italienische Brigate Rosse unterfütterten ihren militanten Kampf alle mit hehren Theorien, woraus sie eine Rechtfertigung für ihre Gewalt- und Terrorakte ableiteten. Diesem ausserparlamentarischen Weg gegenüber stand bereits damals das Gewalt ablehnende Konzept des sogenannten Marsches durch die Institutionen, der die Schaltstellen demokratisch erobern und das System von innen verändern wollte. Im Zuge seiner Beschäftigung mit Widerstandsformen und der Suche nach Möglichkeiten einer Überführung von Ohnmacht in eine konstruktive Kraft der Veränderung fielen dem spätgeborenen Tessiner Olmo Cerri Bruno Breguets Gedanken aus der Gefangenschaft «Scuola dell’Odio» in die Hände. Bis dato wusste er nichts von den Geschehnissen vor der eigenen Haustüre von vor sechzig Jahren. Daraufhin machte er sich auf die Suche nach Zeitzeug:innen der damaligen militanten Linken im Tessin und fand ein halbes Dutzend von damals mehr oder weniger Involvierten, die mehr oder weniger bereitwillig auf seine Bitte, mit ihm Grundsatzfragen zu erörtern, eingehen. Die ursächliche Absicht einer generellen Auslegeordnung der Potenziale für eine singuläre Person, Unrecht konstruktiv und einschlägig verbessernd zu verändern, tritt in «La scomparsa di Bruno Breguet» bald deutlich in den Hintergrund. An ihre Stelle rückt das Werweissen darüber, was Bruno Breguet geritten haben könnte. Nach dem Ende des Kalten Krieges mit dem Fall der Berliner Mauer wurden die Schweizer Fichen, Akten der DDR-Staatssicherheit und auch US-amerikanische Quellen zugänglich. Die Sachlage verkomplizierte sich mit der Veröffentlichung von Adrian Hännis «Terrorist und CIA-Agent» noch weiter. Dem Film bleibt allein der Konjunktiv, der Idealismus und Ideologie nicht ausreichend scharf voneinander trennt und das Begriffspaar von Gewalt und Gegengewalt recht weitreichend offen stehen lässt.

«La scomparsa di Bruno Breguet» spielt in der Sonntagsmatinée im Kino RiffRaff.

25 Jahre sind nicht genug …

P.S. feiert eigentlich seinen 25. Geburtstag. Aber es könnte der letzte sein. Wir brauchen Ihre Hilfe.