Knistern

«Electric Fields» ist eine Fingerübung über den Zauber des Augenblicks und des Träumens.
«Electric Fields» ist eine Fingerübung über den Zauber des Augenblicks und des Träumens.

Die sechs Szenarien, die Lisa Gertsch in ihrem ZHdK-Masterfilm in Schwarzweiss aneinanderreiht, wirken auf eine eigenartigerweise beruhigende Art wie fast nicht von dieser Welt. Im Umgang mit der Realität stellte sie bereits in ihrem Bachelorfilm «Fast alles» die Beherztheit in einer imaginären Hierarchisierung ganz zuoberst auf die Dringlichkeitsskala. Eine Frau fuhr ihren mit Frühdemenz geschlagenen Mann seinem Wunsch gemäss statt in die Klinik ans Meer. Die Episoden von «Electric Fields» – mit vielen Schauspielhaus-Ensemblemitgliedern aus der Ära von Barbara Frey und früher – sind in ihrem Realitätsbezug noch einen Tick verschrobener, traumwandlerischer. Immer im Sinn einer positiv besetzten Lesart von Hoffnung. Es knistert zwischen Menschen, es knirscht die Menschlichkeit im Effizienzgebaren des Systems. Radiowellen durchdringen die Grenze zwischen Leben und Tod, ein Jahr fühlt sich ewig an und dauert doch bloss einen Wimpernschlag lang. Träume im Sinn von Sehnsüchten können am Beizenstammtisch genauso Wirklichkeit werden, wie physikalische Unerklärlichkeiten völlig woanders ein Licht aufgehen lassen können. Jedes Kapitel hat einen ganz eigenen Zauber und nicht immer ist die zentrale Figur auch die aktiv eine Veränderung herbeiführende. Manchmal wird sie sogar davon überrascht und demnach dazu genötigt, die Überraschung als Geschenk erkennen zu lernen. Logik darin finden zu wollen ist ungefähr so zielführend, wie die menschliche Psyche oder eben Quantenphysik ergründen zu wollen. Der Film gleicht einem Spaziergang, der seit Jahr und Tag immer entlang derselben Route unternommen wird und für umweltachtsame Personen immer wieder neue kleine Momente des Glücks, der Träumerei, der Inspiration bereithält, die einer routinierten Abgelöschtheit aufhellend entgegenwirken. Das Gemüt, die Lebensfreude, die Bereitschaft, dem scheinbar Unmöglichen gegenüber neugierig offen zu bleiben, werden freudig beschenkt.

«Electric Fields» spielt im Kino RiffRaff.

25 Jahre sind nicht genug …

P.S. feiert eigentlich seinen 25. Geburtstag. Aber es könnte der letzte sein. Wir brauchen Ihre Hilfe.