Klimaplan für Kloten und Opfikon

Nach der gescheiterten Volksabstimmung über das CO2-Gesetz stimmen jetzt die Städte Kloten und Opfikon erneut übers Klima ab. «Für eine wirksame Klimapolitik» wurde von den Juso in den beiden Gemeinden lanciert und verfolgt damit den Ansatz, die beiden Städte bis 2030 klimaneutral zu gestalten. Der aufgestellte Klimaplan soll dabei zur Erreichung der Klimaziele dienen.

 

Natali Abou Najem 

Die Initiative möchte den jährlichen Ausstoss an Treibhausgasemissionen pro EinwohnerIn bis 2030 auf Netto-Null senken, ohne die vom Flughafen Zürich-Kloten verursachten Emissionen zu berücksichtigen. Die Initiative sieht vor, einen wiederkehrenden Prozess zu schaffen, der regelmässig Etappenziele definiert. Diese dienen zur Orientierung und der Anpassungen vorherrschender Massnahmen sowie der Rahmenkredite zur Finanzierung.

 

Die Idee der Initiative ist angelehnt an das Pariser Klimaabkommen, das 2017 die Schweiz ratifiziert hat, um alles Mögliche zu unternehmen, dass die Erderhitzung unter zwei Grad Celsius bleibt. Laut den Initiant­Innen ist die aktuelle Klimapolitik unzureichend. Sie verweisen unter anderem auf den Bericht der IPCC, der besagt, dass Netto-Null bis 2050 zu spät ist und das Ziel früher erreicht werden muss. Der Bericht sagt, dass bis dann der Kipp-Punkt erreicht wäre und es somit kein Zurück mehr gäbe. Die Erde wäre bis dahin bereits so erhitzt, dass Kettenreaktionen ausgelöst würden. Extremwetterverhältnisse wie Hitzewellen, Dürren, Stürme wären die Folgen. Dies könnte dann massive gesellschaftlichen Auswirkungen wie Klimakriege und Hungersnöte hervorrufen. An der Medienkonferenz zur Klimainitiative untermauerte der Gemeinderat Max Töpfer (SP), wie wichtig ein sofortiges Handeln wäre: «Mit dem aktuellen Klimaziel, nämlich Netto-Null bis 2050, werden wir es kaum schaffen, unserer internationalen Verpflichtung nachzukommen.» 

 

Angeschlossen an Zürich auch ohne Auto

Detailliert beschrieb Qëndresa Hoxha-Sadriu (SP) sodann den Klimaplan, der als Gestaltungsvorlage zur Umsetzung dienen soll. Dieser beinhaltet einerseits Veränderungen in der Mobilität, anderseits den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen. 

 

Ein Beispiel zur Umsetzung des Klimaziels ist der Ausbau des Veloverkehrs. Dieser könnte flächendeckend ausgebaut werden und die beiden Städte an das geplante Veloroutennetz der Stadt Zürich anbinden. Weiter enthält der Klimaplan den Anschluss aller Quartiere an den Öffentlichen Verkehr im 15-Minuten-Takt. Darunter auch den bereits geplanten Ausbau der Glatttalbahn, die bis 2030 in Betrieb genommen werden kann.

 

Reduktion Individualverkehr

Im Klimaplan ist die Halbierung öffentlicher Parkplätze bis 2027 enthalten. Grosse Flächenparkplätze sollten im Gegenzug freigegeben und begrünt werden. Hauptstrassen sollen auf Tempo 30 reduziert und Quartierstrassen zu Begegnungszonen umgewandelt werden. Die InitiantInnen verweisen dabei auf den Glattpark Opfikon als gut umgesetztes Beispiel. Die BewohnerInnen gelangen dort durch Nebenstrassen in ihre Häuser. Zudem sei die Bereitschaft vorhanden, ohne Auto in eine dieser Städte zu ziehen, wie dies der Glattpark Opfikon in Vergangenheit gezeigt habe. Angelehnt an den Glattpark, wünschen sich die Initiant­Innen ein autofreies Stadtzen­trum in Kloten.

 

Weiter sollen Personen und Gewerbe, die auf das Auto angewiesen sind, beim Umstieg auf E-Mobilität unterstützt werden. Zusätzlich sollen die Infrastruktur zur E-Mobilität zur Verfügung gestellt und Ladestationen flächendeckend ausgebaut werden. Auch sollen Busse und Gemeindefahrzeuge auf E-Mobilität umgestellt werden. Töpfer sieht darin die Chance: «Mehr Grünflächen statt Asphaltwüsten. Das schafft Raum für Begegnungen, Familien und Leben in den Quartieren, dadurch steigern wir die Lebensqualität in Kloten und Opfikon.»

 

2000-Watt-Gesellschaft in Sicht

Qëndresa Hoxha-Sadriu lieferte auch Ideen im Bereich Energie: Alle Dächer sollten bis 2030 mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Im Klimaplan ist zudem noch der Ersatz alter Öl-und Gasheizungen durch erneuerbare Heiztechnologien vorgesehen, sowie bessere Gebäudeisolationen. Mit diesen Massnahmen sollen so die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft erreicht werden. Hoxha-Sadriu ist fest von der Wirksamkeit der Initiative überzeugt: «Wir schlagen gleichzeitig mehrere Möglichkeiten vor, um das Ziel Netto-Null bis 2030, das die Wissenschaft empfiehlt, auch zu erreichen.»

 

Die Initiative sieht vor, im Rahmen der Umsetzung die Ziele regelmässig neu zu definieren und notfalls Massnahmen sowie einen Rahmenkredit zur Finanzierung zu verschärfen. «Die Annahme und Umsetzung der Klimainitiative ist zwar mit Kosten verbunden, denn die damit zusammenhängenden Investitionen sind klar nicht zu unterschätzen», erwähnte Hoxha-Sadriu in der Medienkonferenz. Auf die Frage, welche Auswirkungen diese Kosten auf die Bevölkerung hätten, antwortete Töpfer: «Wir werden über die Steueranpassung reden müssen, aber im weit unteren Bereich von einem bis zwei Prozent, was für den/die normalverdienende BürgerIn umgerechnet etwa 40 bis 50 Franken pro Jahr bedeuten würde.» Dennoch sieht Töpfer diese Investitionskosten tiefer als die Kosten, die durch Klimaschäden verursacht würden, falls das Klimaziel nicht erreicht würde.

 

Konkrete Umsetzung und Standortattraktivität

«Bei der Annahme der Initiative würde dieser wiederkehrende Prozess bedeuten, dass der Stadtrat schnell eine neue Klimastrategie mit Massnahmen vorlegt und dann auch damit beginnt, diese umzusetzen. Unser Klimaplan liefert da bereits konkrete Lösungsansätze.» Töpfer empfindet es als wichtig in diesem Prozess, den Schwerpunkt nicht nur im Energiebereich zu legen. Es sei besonders wichtig, die Mobilitätswende herbeizuführen. Was jedoch zuerst umgesetzt werde, sei schwierig einzuschätzen, wichtig sei es, die Umsetzung möglichst schnell voranzubringen. 

 

Gemeinderat Töpfer sieht in der Klimainitiative die Chance, die Gestaltungsfreiheit wahrzunehmen. «Wir sind völkerrechtlich dazu verpflichtet. Der Klimaschutz betrifft den Bund, Kantone und die Gemeinden. Gerade auf Gemeindeebene stehen uns viele Gestaltungsfreiheiten offen, um mit gezielten Massnahmen wirksam einen Beitrag zur Treibhausgasreduktion zu leisten. Das hat auch eine Signalwirkung auf andere Ebenen.» Da­rüber hinaus sieht Töpfer die Möglichkeit für Kloten und Opfikon, als klimaneutrale Städte Unternehmen anzulocken und so als attraktiver Standort aufzutreten. 

 

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