Kampf gegen Windmühlen

Seit den frühen 1970er-Jahren kämpft die jüdische Israelin Lea Tsemel mit juristischen Mitteln dafür, dass die Rechtsgleichheit für sämtliche BewohnerInnen Israels inklusive der besetzten Gebiete glei­chermassen gilt. Die resolute Dame ist fern davon, die Güte in Person à la Mutter Theresa zu sein, ganz im Gegenteil kämpft sie mit harten Bandagen und scheint nicht nur hartnäckig, sondern regelrecht stur zu sein. Philippe Bellaïche und Rachel Leah Jones haben sie für «Advocate» eineinhalb Jahre lang begleitet, sich in Archiven mit Bildmaterial eingedeckt und befragen ihr nahestehende Zeitgenossen. 1999 erstritt sie vor dem obersten Gerichtshof Israels das Verdikt, dass die «speziellen Befragungsmethoden» des Geheimdienstes alias Folter höchstrichterlich verboten wurden. Für das Kleinklein ihres juristischen Alltags sagt sie aber noch heute, der Geheimdienst sei der Drache vor der Tür zur blinden Justitia. Was sie damit meint, illustriert der Film eindringlich. Seit sie als junge Frau Jus studierte und links politisiert wurde, sind die Palästinenser wiewohl die jüdischen Israeli massenmedial wie in Massenaufmärschen die jeweilige Gegenseite lautstark und massiv vorverurteilend, wie u.a. zwei kurze Fernsehansprachen – eine mit dem jungen Benjamin Netanjahu, eine mit Mahmud Abbas – verdeutlichen. Die zentrale Hauptschwierigkeit liegt für Lea Tsemels Rechtsverständnis darin, mutmassliche Taten von diesen ideologischen Instrumentalisierungen zu befreien und unter allein juristischen Gesichtspunkten vor einem unabhängig agierenden Gericht zur Verhandlung zu bringen, also die Rechtsgleichheit durchzusetzen. Ein aktuell im Film mitlaufender Fall outet sie als Prinzipienreiterin, die es aus ihrem Rechtsverständnis heraus ablehnt, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft abzuschliessen, wofür sich der angeklagte 13-Jährige schuldig bekennen müsste, obschon absehbar ist, dass die Strafe in der Verhandlung doppelt so hoch ausfallen wird, wie der Deal wäre. Sie selbst nennt sich die Anwältin, die immer verliert, und widmet sich dem nächsten vermeintlich hoffnungslosen Fall.

«Adcovate» spielt im Kino Kosmos.

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