Interviews zu den Stadtratswahlen: Roland Schenk

Acht Bisherige und neun Neue möchten am 13. Februar 2022 einen der neun Zürcher Stadtratssitze erobern. Wer sind diese Frauen und Männer, wie ticken sie? P.S. will es wissen – und befragt jede Woche ein Mitglied des Stadtrats und einen neuen Kandidaten/eine neue Kandidatin in separat geführten Interviews zum selben Thema. Diese Woche nimmt Roland Scheck (SVP) im Gespräch mit Nicole Soland Stellung zum Thema Lärmschutz.

 

Wo sehen Sie angesichts des erwarteten Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstums sowie des Trends hin zu einer 24-Stunden-Gesellschaft den grössten Handlungsbedarf in Sachen Lärmschutz?

Roland Scheck: Gegen die 24-Stunden-Gesellschaft ist grundsätzlich nichts einzuwenden, sie gehört zu einer attraktiven Stadt. Sie jedoch einfach in Wohnquartieren zuzulassen, ist nicht richtig: Der Idaplatz etwa liegt mitten in einem Wohnquartier, doch die Menschen dort bekommen kaum mehr ein Auge zu. Es müsste klar definiert sein, wo die 24-Stunden-Gesellschaft erwünscht und sinnvoll ist – zum Beispiel im Niederdorf.

 

Auch im Niederdorf wird gewohnt.

Das stimmt, aber dort zieht niemand in der Erwartung hin, in einem Wohnquartier voller idyllischer Ruhe zu landen. Wohn- und Ausgehquartiere müssen möglichst strikt getrennt werden.

 

Wie soll die Lärmbelastung durch Strassenverkehrslärm konkret gesenkt werden?

Verkehrslärm ist kein besonders grosses Problem. Ich wohne seit über 20 Jahren an der Birmensdorferstrasse und habe mich sehr gut daran gewöhnt. In unserem modernen Land sind hochentwickelte Autos unterwegs, deren Motorengeräusch teils tiefer ist als das Rollgeräusch, das die Reifen verursachen. Was ich hingegen wahrnehme, ist das erste Tram, das mich zuverlässig jeden Morgen weckt. Das ist aber nicht negativ gemeint, schliesslich leben wir in einer Tramstadt. Das grösste Lärmproblem stellt der Bahnverkehr dar, insbesondere der Güterverkehr.

 

Das ‹Grundrauschen› des Autoverkehrs kann aber auch als störend empfunden werden.

Aber es beeinträchtigt die Gesundheit nicht. Was krank machen kann, ist intermittierender Lärm, also Lärm, der unverhofft aus der Stille über einen hereinbricht. Dazu gehören das Aufheulen von Auto- oder Töffmotoren, vor allem aber Flug- und Bahnlärm. Es gibt folglich keinen unmittelbaren Handlungsbedarf beim Strassenlärm.

 

Elektroautos sind bereits leiser, wären die die Lösung?

Nein, im Gegenteil: Bei den Elektroautos sind wir schon so weit, dass sie aus Sicherheitsgründen künstlich Geräusche erzeugen müssen.

 

Was halten Sie von der Idee, zwecks Lärmverminderung alle per Lastwagen angelieferten Güter am Stadtrand zu bündeln und für die Feinverteilung auf E-Lieferwagen und E-Bikes umzuladen?

Davon halte ich nichts. Sie können eine Migros-Filiale nicht per Lastenvelo beliefern, das ist utopisch. Jeder Unterbruch der Lieferkette, jedes zusätzliche Umladen führt zudem dazu, dass das Transportunternehmen mehr Fahrzeuge und mehr Chauffeure benötigt, und das verteuert den Warentransport und die Produkte.

 

Was haben wir davon, wenn wir Sie in den Stadtrat wählen?

Ich setze mich für eine solide Finanzpolitik und eine vernünftige Verkehrspolitik ein, denn gut funktionierende Finanzen und ein ebensolcher Verkehr machen die Attraktivität einer Stadt aus.

 

 

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