Interviews zu den Stadtratswahlen: Josef Widler

Acht Bisherige und neun Neue möchten am 13. Februar 2022 einen der neun Zürcher Stadtratssitze erobern. Wer sind diese Frauen und Männer, wie ticken sie? P.S. will es wissen – und befragt jede Woche ein Mitglied des Stadtrats und einen neuen Kandidaten/eine neue Kandidatin in separat geführten Interviews zum selben Thema. Diese Woche nimmt Josef Widler (Die Mitte) im Gespräch mit Nicole Soland Stellung zum Thema Netto-Null.

 

Wie – und bis wann – erreicht die Stadt Zürich das Netto-Null-Ziel?

Josef Widler: Als Hausarzt bin ich sehr vorsichtig mit Prognosen. Die Absichtserklärung ist da, aber ob sich Netto-Null bis 2040 tatsächlich schaffen lässt, ist fraglich. Knackpunkt ist die Umsetzung beziehungsweise die Frage, was sich erreichen lässt, wenn die Nebenwirkungen erträglich bleiben sollen: Je krasser die Methoden sind, mit denen man zu Werke geht, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nebenwirkungen grösser sind als der Nutzen. Es ist dasselbe Prinzip wie im Umgang mit Corona: Mit Repression zu viel aufs Mal zu wollen, kann mehr Schaden anrichten als nützen. Wir müssen das Netto-Null-Ziel deshalb ebenso moderat angehen wie das Ziel, aus der Covid-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen wieder he­rauszukommen.

 

Worauf würden Sie bei der Umsetzung das Hauptaugenmerk richten?

Dass wir beim Heizen wie auch bei der Mobilität ansetzen müssen, ist klar. Das Heizen ist aber sicher das kleinere Problem. Was die Mobilität betrifft, sieht der jüngst angenommene Verkehrsrichtplan grundsätzlich weniger Autos vor. Man könnte sich fragen, weshalb nicht zwischen Autos mit Benzin- bzw. Dieselmotor und Elektroautos unterschieden wird. Aber früher oder später wird sich sowieso die Frage stellen, ob sich jede und jeder ein Auto leisten können muss. 

 

Der Stadtrat hat kürzlich eine Solaroffensive für Zürich in Aussicht gestellt: Was halten Sie davon?

Gegen Solarpanels habe ich gar nichts, insbesondere, wenn sie dereinst nicht mehr alle gleich grau-in-grau daherkommen (lacht). Wichtig ist, dass möglichst viel des dort produzierten Stroms vor Ort verbraucht wird. Den Rest beziehen wir auch künftig aus dem Netz. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dereinst AKW wieder ein Thema werden, allerdings nicht mit der heutigen Technologie, sondern erst, wenn es sicherere Lösungen gibt.

 

Es gäbe auch noch die einfache Methode, Strom bzw. Energie generell zu sparen…

Sicher, nur schon alle Geräte auszuschalten, die sonst rund um die Uhr auf Stand-by stehen, ist eine gute Idee. Doch gespart wird normalerweise nur, wenn etwas teuer ist, und Energie ist bei uns immer noch billig. Es läuft wohl darauf hinaus, dass unser Problem so gross ist, dass letztlich nur Lösungen tauglich sind, die allen weh tun.

 

Was haben wir davon, wenn wir Sie in den Stadtrat wählen?

Als Hausarzt weiss ich, wo den ZürcherInnen aus allen Schichten der Gesellschaft der Schuh drückt, und als langjähriger Vorstand und heutiger Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich sowie als Verwaltungsratspräsident der Ärztefon AG bringe ich viel Führungserfahrung mit. Im Stadtrat werde ich mit meiner Erfahrung dazu beitragen, machbare Lösungen zu erarbeiten.

 

 

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