Interviews zu den Stadtratswahlen: Filippo Leutenegger

Acht Bisherige und neun Neue möchten am 13. Februar 2022 einen der neun Zürcher Stadtratssitze erobern. Wer sind diese Frauen und Männer, wie ticken sie? P.S. will es wissen – und befragt jede Woche ein Mitglied des Stadtrats und einen neuen Kandidaten/eine neue Kandidatin in separat geführten Interviews zum selben Thema. Diese Woche nimmt Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) im Gespräch mit Nicole Soland Stellung zum Thema Tagesschulen.

 

Wie lautet ihr Zwischenfazit zur Pilotphase II der Tagesschule 2025?

Filippo Leutenegger: Die Zufriedenheit unter den SchülerInnen ist hoch. Einige Lehrer­Innen waren kritisch, bis die Tagesschule eingeführt war. Heute sind die meisten zufrieden, die Eltern ebenso. Unterschiedliche Vorstellungen gibt es am ehesten beim Essen, und wichtig ist insbesondere, dass den Kindern genügend Platz zur Verfügung steht, auch in Form von Ruheräumen.

 

Die Volksschule ist gratis – wa­rum nicht auch das Mittagessen in den Tagesschulen?

Die Eltern müssen die reinen Essenskosten übernehmen, genau wie wenn sie selber für ihre Kinder kochen würden. Die Betreuungskosten, die ein Vielfaches höher sind, trägt die Stadt und damit die Gemeinschaft. Auch Gutverdienende werden erheblich entlastet, während tiefe Einkommen zusätzlich von einem Sozialtarif von 4.50 Franken profitieren. Bei einer Gratisabgabe des Essens würden bei Weitem nicht alle zum Essen erscheinen, und es müsste mit viel Food-Waste gerechnet werden.

 

Vor der Volksabstimmung gab die Verkürzung der Mittagszeit auf 80 Minuten zu reden.

Auch die Zufriedenheit mit der Mittagszeit ist hoch. Fast die Hälte der Schulen macht zudem von der Möglichkeit Gebrauch, die Mittagspause auf 90 Minuten auszudehnen. Aus meiner eigenen Erfahrung als Vater sowie als Hort- und Kinderkrippengründer weiss ich, dass auch langsame Kinder nach 20 Minuten fertig mit dem Essen sind. Somit können auch die Kinder mit einem Heimweg von zehn bis fünfzehn Minuten bei Bedarf zum Essen nach Hause gehen.

 

Was trägt das Tagesschul- im Vergleich zum Hortmodell zur Verbesserung der Chancengleichheit bei?

Wenn die Kinder im Kindergarten bereits Deutsch verstehen und im Hort die Sprachkenntnisse vertiefen können, sind sie besser gerüstet für den Schulbeginn. Der grosse Vorteil der Tagesschule wiederum liegt darin, dass sich die Kinder hier auch ausserhalb des Unterrichts begegnen, beispielsweise in der betreuten Freizeit zusammen Sport treiben oder einfach spielen. Dadurch können sie wichtige soziale Fähigkeiten erwerben.

 

Wie gut sind die Schulen bisher durch die Pandemie gekommen?

Am Anfang war es für alle sehr schwierig. Die repetitiven Testungen und die hohen Infektionszahlen sind eine zusätzliche Belastung. Den kompletten Lockdown möchte niemand mehr erleben müssen. Heute sind Tages- und andere Schulen gleichermassen gut gerüstet, die Verhaltensregeln sind eingespielt, der Schulbetrieb ist erschwert, aber er läuft.

 

Was haben wir davon, wenn wir Sie wieder in den Stadtrat wählen?

Im Schul- und Sportdepartement engagiere mich für die flächendeckende Einführung der Tagesschulen. Die Sport­infrastruktur will ich ebenfalls weiter ausbauen, denn Sport und Bewegung ist der Stadtzürcher Bevölkerung ein grosses Anliegen. Als Stadtratskandidat sehe ich mich dem Gemeinwohl verpflichtet und muss für alle Ämter zur Verfügung stehen. 

 

 

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