Hübscher Vogel mit hässlicher Angewohnheit

Der Neuntöter ist ein dreister Zeitgenosse. Gleichwohl hat er es zum Vogel des Jahres 2020 gebracht. Im Bezirk Affoltern unterstützen Förderprojekte die Art, deren Vorkommen einiges über die Biodiversität der Region aussagt.

 

Angela Bernetta

Regelmässig kürt BirdLife Schweiz einen Vogel des Jahres. Mit dem Neuntöter hat der Verein 2020 eine Art gewählt, die gerne in Magerwiesen, an Waldrändern oder in Dornenhecken nistet. Der hübsche Vogel hat nämlich die hässliche Angewohnheit, seine Beute kurzerhand auf Dornen oder spitzen Ästen aufzuspiessen (siehe Box). 

Früher war der Neuntöter vielerorts im Reppischtal und Unteramt unterwegs. Die Bestände sind über die vergangenen Jahrzehnte aber markant zurückgegangen, was der immer intensiveren Nutzung unseres Kulturlandes geschuldet ist. Heute brüten nur noch wenige Einzelpaare in der Region.

Im vergangenen Jahr entdeckte der in Bonstetten wohnhafte Feldornithologe Daniel Stark im Naturschutzgebiet Filderen bei Wettswil am Albis ein Brutpaar in den Dornenhecken. «Es zog vier Junge gross», ergänzt der pensionierte Lehrer. Auch in diesem Jahr habe sich ein Brutpaar eingefunden. «Offenbar hat sich das Naturschutzgebiet gut entwickelt.» Neuntöter gehören zu den Leitarten, die als Messgrösse für die Qualität des Lebensraums gelten, den sie besiedeln. Naturschützer schätzen ihn, da seine Anwesenheit auf eine reiche Biodiversität hinweist. 

 

Landwirte unterstützen Fördermassnahmen

Walter Zuber, der sowohl im Vernetzungsprojekt Stallikon als auch im Verein Naturnetz Unteramt des Bezirks Affoltern aktiv ist, will mit einem Förderprojekt den Vogel wieder vermehrt in die Region holen. Eine Kartierung läutete das Projekt vor vier Jahren ein. Pflege- und Aufwertungsmassnahmen folgten, welche die Brutbedingungen verbessern sollen. «Neuntöter schätzen Dornenhecken, ein gutes Nahrungsangebot an Gross­insekten und Ansitzwarten für die Jagd», so Walter Zuber. Die Massnahmen tragen bereits erste Früchte. «Vor zwei Jahren nistete ein Neuntöter-Paar auf dem Albiskamm.» 

Auch Landwirte helfen freiwillig mit, den Lebensraum der Art aufzuwerten. Als Beispiel nennt Walter Zuber die Viehweide von Werner Locher in Bonstetten, die dieser mit Heckenrosen und Hochstammobstbäumen locker bestückt hat. Der Erfolg habe sich eingestellt, bestätigt Werner Locher auf Anfrage. «In den vergangenen Jahren wurden wiederholt Neuntöter in der Weide gesichtet.» Auch in diesem Jahr sei der Vogel da. «Ob er nistet, ist allerdings unklar.»

Im nächsten Jahr soll ein Monitoring im Rahmen des Förderprojekts den aktuellen Bestand im Bezirk erfassen. Und auch im Naturschutzgebiet Filderen dürften Aufwertungsmassnahem die Artenvielfalt und somit die Anwesenheit des Neuntöters begünstigen. Im Sommer ergänzte der Kanton Zürich das Gebiet im Rahmen von ökologischen Ersatzmassnahmen mit Magerwiesen und einem kleinen Weiher. Die Arbeiten führte das Tiefbauamt Zürich in Zusammenarbeit mit der kantonalen Fachstelle Naturschutz aus. 

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