Bild: Hannes Henz

GZ und OJA kommen gut an

Der Zürcher Gemeinderat befasste sich mit soziokulturellen Angeboten und sprach sich für Mädchentreffs aus.

An der Sitzung des Zürcher Gemeinderats vom Mittwochabend gab eine Vorlage aus dem Sozialdepartement zwar angesichts deren Umfangs nicht übermässig viel zu reden, aber viel abzustimmen: Das Parlament hatte über die Beiträge 2025–2030 für 36 soziokulturelle Angebote zu befinden. Inklusive Begleitpostulate standen zum Schluss 40 Abstimmungen an, was rund eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nahm. Doch der Reihe nach: Kommissionssprecherin Karin Stepinski (Die Mitte) sprach von einer «detaillierten Übersicht» über die soziokulturellen Leistungen und Institutionen in den sechs Soziokultur-Perimetern der Stadt. Konkret zu befinden hatte der Rat über jährliche Beiträge von total 28,9 Mio. Franken zu Gunsten von 36 soziokulturellen Angeboten für die Jahre 2025–2030. Davon entfallen 22,5 Mio. Franken auf Betriebsbeiträge und 6,5 Mio. Franken auf den Erlass von Kostenmieten.

Breites Angebot

Alles in allem soll die Stadt ab 2025 soziokulturelle Leistungen von jährlich 37,8 Mio. Franken erbringen. Die 8 Mio. Franken, die auf die städtischen Angebote entfallen, waren jedoch nicht Teil der Vorlage, und von den 29,8 Mio. für die privaten Angebote liegen 887 694 Franken in der Kompetenz des Stadtrats. Im Vergleich zu 2024 erhöht sich der gesamte Aufwand für die Soziokultur um 3,1 Mio. Franken, was eine Zunahme von 8,9 Prozent bedeutet. Das wiederum entspricht gemäss Vorlage des Stadtrats der Grössenordnung des städtischen Bevölkerungswachstums der Kontraktphase 2019–2024. In besagter Kontraktphase hat das Sozialdepartement auch das Fachkonzept Soziokultur 2025 entwickelt. Ein Fünftel der Soziokultur entfällt auf städtische Einrichtungen, der Rest auf private. Von letzteren hat die Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren (ZGZ) das grösste Volumen, gefolgt vom Verein Offene Jugendarbeit Zürich (OJA).

Inhaltlich erwähnte Karin Stepinski unter anderem die wichtige Rolle der OJA, wenn es um die Freizeitgestaltung von 12- bis 18-jährigen Jugendlichen geht: Die rund 60 Mitarbeiter:innen bestätigten die Jugendlichen darin, selbst tätig zu werden, beispielsweise im Tonstudio, aber auch beim Bewerbungen schreiben. Jüngere schätzten die Robinsonspielplätze oder die mobile Spielplatzanimation. Die wachsenden Quartiere führten zu einem Angebotsausbau, doch auch die wachsende Anzahl Jugendlicher, die Betreuung brauchten, sei ein Thema. Zusammengefasst habe die Soziokultur in Zürich eine lange Tradition, hielt Karin Stepinski fest, sie sei «fest verankert und durch einen Volksentscheid legitimiert». Beachtlich sei nicht zuletzt, dass die soziokulturellen Institutionen 2022 rund 112 000 Stunden an unbezahlter Freiwilligenarbeit ausgewiesen hätten, fügte sie an.

«Gut investiertes Geld»

Für die Kommissionsminderheit erklärte Samuel Balsiger (SVP), es werde auf 13 Jahre hochgerechnet «fast eine halbe Milliarde an Steuergeldern in die sogenannte Soziokultur reingepumpt». Natürlich habe es auch Gutes dabei, doch es ginge auch günstiger. Deshalb lehne die SVP alles ab bis auf den Erlass der Kostenmiete von 167 684 Franken für den Kinderzirkus Robinson. Jetzt für die Mitte-/EVP-Fraktion sagte Karin Stepinski, ihre Fraktion begrüsse es sehr, dass es jetzt ein detailliertes Konzept gebe und man so auch künftig die finanziellen Ressourcen sinnvoll verteilen könne. Ruedi Schneider (SP) betonte, die soziokulturellen Angebote förderten die Chancengerechtigkeit und das Zusammenleben in den Quartieren. Anna-Béatrice Schmaltz (Grüne) fügte an, dass die soziokulturellen Angebote «Teilhabe ermöglichen» und die Mitarbeiter:innen eine wichtige Arbeit leisteten.

Für die FDP hielt Patrik Brunner an die Adresse von Samuel Balsiger fest, ja, es sei viel Geld und man könnte sparen, «doch dieses Geld ist gut investiert». Ronny Siev (GLP) sagte, er sei schon als Kind gern im GZ gewesen. Dass im Konzept auch der Digitalisierung Rechnung getragen werde, wie es ein Postulat der GLP gefordert habe, freute ihn logischerweise auch. Stadtrat Raphael Golta sprach schliesslich noch – angesichts der breiten Unterstützung wenig verwunderlich – von einer «Erfolgsstory».

Mädchentreffs

Separat diskutiert wurden unter anderem die Erhöhung des Betriebsbeitrags für die stark ausgelastete OJA Oerlikon und das Postulat von Ruedi Schneider und Anna-Béatrice Schmaltz, die den Stadtrat aufforderten zu prüfen, «wie die soziokulturellen Angebote in der offenen Jugendarbeit für Mädchen durch Standorte für Mädchentreffs ausgebaut werden können. Insbesondere sollen neben Oerlikon mögliche Standorte in Leimbach und den Kreisen 3 und 9 geprüft werden». Warum es zuerst für Zürich Nord einen seitens OJA zu schaffenden Mädchentreff brauche, begründete Ruedi Schneider unter anderem damit, letztes Jahr seien in den OJA-Treffs nur 35 Prozent Mädchen gewesen, das Verhältnis sollte aber ausgeglichener sein. Doch ohne Mädchentreffs werde das schwierig zu schafffen sein. Samuel Balsiger entgegnete ihm, der Sozialarbeiter, den die Kommission eingeladen habe, habe erklärt, es gebe gar keinen Platz für ein solches Angebot. Doch die Linken wollten sich damit profilieren und beharrten deshalb darauf. Und dass dieselben Linken, die geschlechtsneutrale Toiletten wollten, hier für die Trennung der Geschlechter seien, ergebe keinen Sinn.

Ronny Siev hingegen gab die Zustimmung der GLP bekannt, und Karin Stepinski erklärte Balsiger, «wir sind die Mitte, nicht links, aber wir sind auch dafür». Nun zum Postulat fügte Ruedi Schneider an, Mädchentreffs gebe es schon in anderen, kleineren Städten, und die Erfahrungen damit seien gut. Anna-Béatrice Schmaltz betonte, es könne sinnvoll sein, gewisse Themen erst geschlechtergetrennt zu besprechen. Samuel Balsiger befand, es sei schon seltsam, dass die Linken jetzt plötzlich für geschlechtergetrennte Angebote seien, «wie sie auch Islamisten befürworten würden». Moritz Bögli (AL) stellte fest, die SVP habe offensichtlich keine inhaltlichen Argumente dafür gefunden, dass sie dagegen sei. Er erinnerte auch daran, dass es früher einmal einen Mädchentreff gab. Dem privaten Verein Mädchentreff waren auf Betreiben der SVP die städtischen Gelder immer mehr gekürzt worden, bis er per September 2021 aufgab, wie im Protokoll der Ratssitzung vom 28. März 2001 nachzulesen ist: Dort nahm die SVP in ihrer Fraktionserklärung «mit Genugtuung» zur Kenntnis, «dass der Verein Mädchentreff per Ende September den Betrieb einstellt». Auf die Debatte folgte der eingangs erwähnte Abstimmungsmarathon, wobei sich das Motto «alle dafür ausser die SVP» grösstenteils durchzog.

25 Jahre sind nicht genug …

P.S. feiert eigentlich seinen 25. Geburtstag. Aber es könnte der letzte sein. Wir brauchen Ihre Hilfe.