Gymnasium: Zu viele fallen durch die Probezeit

Der Anteil der SchülerInnen, die das Kurzgymnasium während oder nach der Probezeit verlassen müssen, hat in den letzten Jahren zugenommen. Am Dienstag hat Bildungsdirektorin Silvia Steiner eine Studie vorgestellt, welche die Ursachen für die Misserfolge untersucht. Diverse Massnahmen werden bereits umgesetzt.

 

 

Von Manuela Zeller

 

 
Wer im Kanton Zürich die Matur machen will, muss nicht nur einen entsprechenden Notenschnitt (zusammengesetzt aus Erfahrungsnote und Note der Aufnahmeprüfung) vorweisen können, sondern auch die mehrmonatige Probezeit zu Beginn des Gymis bestehen. Anders als während der restlichen Zeit an der Kanti, führt eine ungenügende Leistung während der Probezeit sofort zum Austritt, ohne Chance auf Verbesserung im nächsten Halbjahr.
 

 
Misserfolg als grosse Belastung
Ein Misserfolg in der Probezeit bedeutet für viele SchülerInnen eine grosse Belastung. Gerade für Jugendliche im Kurzzeitgymnasium sei ein Austritt nach der Probezeit oft besonders schmerzhaft, erklärte Regierungsrätin Silvia Steiner an der Medienkonferenz vom letzten Dienstag. Manche würden zwischen Stuhl und Bank fallen, weil sie sich zu wenig auf eine Berufslehre vorbereitet hätten.
 

 
Entsprechend problematisch ist die Zunahme von Austritten während der Probezeit am Kurzgymi während den letzten Jahren. Der Bericht «Erklärungen für Austritte während der Probezeit im Gymnasium» zeigt, dass vor allem seit dem Schuljahr 2012/13 die Austrittsquote an den Kurzzeitgymnasien markant höher ist als an den Langzeitgymnasien. Im Schuljahr 2015/16 hatten 17 Prozent der EinsteigerInnen die Probezeit am Langzeitgymnasium nicht bestanden, 22 Prozent am Kurzzeitgymnasium.
 

 
Wenig Chancengleichheit
Problematisch ist aber nicht nur die hohe Austrittsquote, sondern auch die grossen Unterschiede von Schule zu Schule. Sybille Bayard, stellvertretene Chefin der Bildungsplanung, erklärte an der Medienkonferenz, dass in den letzten zehn Jahren die Austrittsquote am Kurzgymnasium etwa der Kantonsschule Zürich Nord mit 23 Prozent mehr als doppelt so hoch war als an der Kantonsschule Wiedikon (elf Prozent) oder am Liceo Artistico (neun Prozent).
Die höchste Austrittsquote war damit mehr als doppelt so hoch wie die tiefste. Wobei es sich gemäss Bayard um Mittelwerte handelt, von Jahr zu Jahr schwanke die Zahl an den einzelnen Schulen stark.
 

 
Die aktuelle Studie zeigt, dass diese Unterschiede unter anderem mit dem Hintergrund der Schülerinnen und Schüler zu tun hat. Sybille Bayard erklärte, dass in Schulen mit einem hohen Anteil an fremdsprachigen Jugendlichen die Austrittsquote höher sei. Beim Langgymnasium sei ausserdem der Sozialindex der Gemeinden im Einzugsgebiet der Schule ein Faktor: In Gymnasien mit SchülerInnen aus Gemeinden mit hohem Sozialfaktor ist die Austrittsquote höher.
 

 
Um SchülerInnen, deren Umfeld wenig inhaltliche Unterstützung leisten kann, zu entlasten, haben verschiedene Zürcher Kantonsschulen bereits Massnahmen getroffen. Darunter auch die Kantonsschule Zürich Nord. Deren Rektor, Andreas Niklaus, bedauert es einerseits, wenn SchülerInnen ihr Potenzial nicht ausschöpfen können, weist aber auch auf die finanzielle Belastung für die Schule hin: Wenn die Klassengrösse auf Grund von Austritten während der Probezeit zu klein würde, entstünden dadurch Defizite. Entsprechend motiviert ist das Gymnasium, die Austrittsquote zu senken, und setzt bereits eine breite Palette von Massnahmen um. Dazu gehören unter anderem Coachingstunden oder Stützkurse für Deutsch.
 

 
Auf kantonaler Ebene wird das Projekt VSGYM vorangetrieben: Seit zwei Jahren bemühen sich Volksschule (VS) und Gymnasium (Gym) gemeinsam um einen sanften Übergang an die Kantonsschule. Unter anderem wurde ein Algebra-Lehrmittel entwickelt, das SekundarschülerInnen helfen soll, vor dem Übertritt ans Kurzgymi arithmetische Grundtechniken aufzufrischen.
 

 
Neue Zahlen stimmen zuversichtlich
Die neuesten Zahlen stimmen Reto Givel, Abteilungsleiter Mittelschulen, zuversichtlich. Während am Kurzzeitgymnasium im Schuljahr 2015/16 22,2 Prozent der SchülerInnen die Probezeit nicht bestanden haben, waren es im letzten Schuljahr nur noch 18,7 Prozent. Am Langzeitgymnasium ist die Austrittsquote von 16,8 Prozent auf 11,4 Prozent gesunken. Schwankungen habe es allerdings immer schon gegeben, daraus solle nicht voreilig auf eine Trendwende geschlossen werden. Ob der Rückgang tatsächlich auf die neuen Massnahmen zurückzuführen ist, könne ebenfalls nicht schlüssig beantwortet werden.

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