Grundbedürfnisse gedeckt

Die Stadt Winterthur gibt die neue Asylunterkunft Deutweg frei. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Luxus gibt es nicht. Dafür werden die Grundbedürfnisse erfüllt.

 

Tobias Urech

 

Vier Hallen, vier Farben: Grün, gelb, blau, lila. Das ehemalige Busdepot Deutweg in Winterthur ist in den letzten Monaten intensiv umgebaut worden und zeigt ein anderes Gesicht – nicht nur wegen der neuen Farbe an den Wänden.

Mitte März gab der Winterthurer Stadtrat bekannt, dass im denkmalgeschützten Gebäude vorübergehend Flüchtlinge einquartiert werden sollen (P.S. berichtete). Ab 2020 soll dann auf dem Gelände eine Genossenschaftssiedlung mit Quartierzentrum entstehen. Bis dahin bietet das ehemalige Depot Platz für vorläufig hundert Flüchtlinge. Die ursprünglichen zwei Hallen des Busdepots wurden in vier Hallen unterteilt, in denen insgesamt vierzig Holzhäuschen aufgestellt wurden, die für fünf Personen Platz bieten. Zwischen den Holzhäuschen stehen Tische in den Hallen, an denen sich die Flüchtlinge tagsüber zerstreuen können – schliesslich ist das Häuschen nur rund 17 Quadratmeter gross. Auch im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Busdepots ist ein ganzes Stockwerk für Aufenthaltsräume reserviert, in denen auch Deutschkurse oder Schulunterricht für die Kinder stattfinden können. Die Sanitäranlagen befinden sich in der schmalen Mittelhalle des Busdepots und sind geschlechtergetrennt in Toiletten und Duschen aufgeteilt. Die Küchen wurden auf den Vorplatz verlagert, wo pro Container vier Kochherde zur Verfügung stehen.

 

Kein Luxus

Den Verantwortlichen war es wichtig zu betonen, wie sparsam das Busdepot umgebaut worden war. So habe man aus Kostengründen darauf verzichtet, die Wände bis zur Decke zu streichen, erklärte Karin Gügler vom Amt für Städtebau bei der Führung. Auch die Beschaffung von neuem Geschirr sei viel günstiger gewesen, als Geschirr aus Brockenstuben zusammenzusammeln. Im Winter spare man Geld, weil die Häuschen einzeln beheizt werden und man nicht die ganze Halle hochheizen müsse. Die Asylunterkunft deckt also gerade so ganz knapp die Grundbedürfnisse der zukünftigen BewohnerInnen.Der Bereichsleiter Soziales, Dieter P. Wirth, klärt über den einzigen kleinen Komfort auf: Um via Internet mit Familienangehörigen zu kommunizieren, habe man in der ganzen Halle WLAN installiert. Auch das sei kein Luxus, sondern gehöre zur wesentlichen Grundausstattung. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Ankömmlinge im Deutweg wohlfühlen und sich im Quartier integrieren werden. Immerhin, die Wände bringen ein wenig Farbe in den grauen Alltag der Asylsuchenden.

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