- Post Scriptum
Gleichstellung – echt jetzt?
Wann immer von linker Seite Gleichstellungsthemen zur Diskussion gebracht werden, kommt von irgendeinem bürgerlichen Kommentator sofort das Mantra: «Ja aber, dann sollen die Frauen erst mal Militärdienst leisten oder Militärpflichtersatz zahlen!» Dieser Stammtischslogan wird mit der Service-Citoyen-Initiative nun quasi in den Status einer Wahrheit erhoben. An sich ginge mir die Initiative am Allerwertesten vorbei; sie wird auch von den meisten bürgerlichen Parteien abgelehnt, so dürfte die Gefahr, dass sie durchkommt, gering sein. Aber die ewige weinerliche Mär vom benachteiligten Mann nervt mich gewaltig. Dabei werden all die Leistungen unterschlagen, die die Frauen nur rein Kraft ihres biologischen Geschlechts für die Gesellschaft erbringen:
Dass die Frauen immer noch den Löwinnenanteil der unbezahlten Care-Arbeit leisten, muss man einem linken Publikum an sich nicht erklären, darüber wurde und wird viel geschrieben. Daran, dass diese Arbeit weder finanziell entschädigt noch sonstwie angemessen gewürdigt wird, hat sich dadurch allerdings bisher kaum etwas geändert. Die Gesellschaft profitiert massiv von dieser Gratisarbeit, ohne die das Gesundheitswesen wohl sofort kollabieren würde. Stellen wir uns mal vor, die Frauen müssten Militärpflichtersatzabgaben zahlen: Dann wäre es nur fair, im Gegenzug die bisher unbezahlten Betreuungsdienste über die Erwerbsersatzordnung abzugelten. Ui, da würden die Bürgerlichen aber aufschreien! Dies wäre unmöglich finanzierbar. Auch das Aufziehen von Kindern gilt gemeinhin als Privatsache; dass Frauen typischerweise dafür auf Karrierechancen verzichten, legt man ihnen gern als Mangel an Ehrgeiz aus. Gerade in dieser Zeit, da wir angesichts geburtenschwacher Jahrgänge nicht wissen, wie dereinst unsere Renten zu finanzieren sind, sollten wir doch die Kinderaufzucht als wichtigen Dienst an der Gesellschaft schätzen und unterstützen – statt dessen will die Initiative den Frauen noch eine weitere Art von Dienst auferlegen und damit die Familien zusätzlich belasten.
Frauen erleiden aber rein aufgrund ihres Frauenkörpers noch viel mehr, das wir Männer uns gar nicht so richtig vorstellen können. In ihrer Jugend müssen sie als Projektionsfläche für die erotischen Fantasien von alten Sabbersäcken wie mir hinhalten. Haben sie intime Beziehungen mit Männern, tragen sie das alleinige Schwangerschaftsrisiko. Ab dem Teenageralter sind sie während mindestens 30 Jahren hormonbedingt monatlichen Stimmungsschwankungen und teils auch heftigen körperlichen Beschwerden ausgesetzt. Und kaum lassen diese nach, werden sie von Wechseljahresbeschwerden abgelöst, die noch einmal mehrere Jahre anhalten und weitgehend tabuisiert sind. Ist das alles vorbei, sind die Frauen alt, fühlen sich unattraktiv und werden vom Volksmund auch so wahrgenommen, wie viele Witze zeigen. All das bleibt uns Männern erspart, und mir scheint, ein paar Wochen Militär- oder Zivildienst seien im Vergleich ein ziemlich guter Deal.
Ja, vielleicht sollten wir die Initiative gar annehmen? Nehmen wir an, die Frauen gingen für 18 Wochen in die Rekrutinnenschule und leisten danach jährlich Wiederholungskurse von 3 Wochen. Dies würde besser als jeder Feministische Streik sichtbar machen, wo die Frauen überall fehlen. Anders als die meisten Männer nämlich nicht nur in der Wirtschaft. Vielleicht könnten sie ja als Zivildienstlerinnen in ihrer eigenen Familie aushelfen, weil die Mutter fehlt… Ich stimme trotzdem Nein.